Bericht vom Statussymposium „Wissenschaft für nachhaltige Entwicklung“ Niedersachsen

Forschst Du noch disziplinär oder transformierst Du schon?

Mit dem Förderprogramm „Wissenschaft für nachhaltige Entwicklung“ möchte das Niedersächsische Ministerium für Wissenschaft und Kultur zusammen mit der VolkswagenStiftung ganz gezielt Forschungsprojekte fördern, die sich „am Leitbild der Nachhaltigkeit“ orientieren.

Das hohe fachliche Niveau und die Ausrichtung an gesellschaftlich bedeutsamen Fragen sind die beiden Leitmotive dieses Programmes. In den ersten beiden Runden in 2014 und 2015 wurden dabei 15 Projekte ausgewählt. Das Statussymposium selbst hatte zum Ziel, nicht nur den Austausch zwischen den Forschungsgruppen zu fördern, sondern insbesondere den Dialog der Forscher_innen mit Bürger_innen und Vertreter_innen von gesellschaftlichen Gruppen zu ermöglichen. Um es gleich vorweg zu nehmen: letzteres gelang überhaupt nicht; man blieb doch sehr im ‚Elfenbeinturm‘ Wissenschaft. Aber dazu später noch mehr.

Die sich präsentierenden Forschungsprojekte waren größtenteils durchaus beeindruckend, gerade auch in ihrem transdisziplinären Ansatz. Hervorzuheben ist da das Projekt „METAPOLIS: eine inter- und transdisziplinäre Plattform für eine nachhaltige Entwicklung von Stadt-Land-Beziehungen in Niedersachsen“. Das Forschungsprojekt untersucht dabei, „wie sich Strategien einer nachhaltigen Entwicklung von Stadt-Land-Beziehungen in Niedersachsen identifizieren und implementieren lassen. Der Begriff METAPOLIS bezeichnet Netzwerke großer, mittelgroßer und kleiner Siedlungen in einer ländlichen Umgebung, die durch Verkehrs-, Waren- und Datenströme sowie alltägliche Handlungen ihrer Bevölkerung verbunden sind – sprich: räumlich, ökologisch, sozial und ökonomisch.“ Das spannende hierbei ist, dass das Projekt Pfade aufzeigt, wie echte Bürgerbeteiligung tatsächlich funktionieren kann: nämlich durch eine ungeheure Vielfalt an Formaten, wie z.B. Bürgerwerkstätten in Dörfern und Kleinstädten und Theaterstücken. [1][2] 
Ebenso vorbildhaft in seinem transdisziplinären Anspruch und Wirklichkeit ist das Projekt „Leverage Points for Sustainability Transformation: Institutions, People and Knowledge“ welches von Forscher_innen der Leuphana Universität Lüneburg koordiniert wird. Hier wird das Konzept der ‚Leverage points‘ (Hebelpunkte), im Jahr 1999 durch Donella Meadows in die Literatur eingeführt, konkret auf die Politikfelder Energie und Ernährung in Transsylvanien (Rumänien) und Niedersachsen angewandt. Noch gibt es keine Resultate; das Forschungsdesign lässt aber auf spannende Erkenntnisse hoffen.

Resümierend lässt sich festhalten: Mit diesem Förderprogramm soll dezidiert Wissenschaft gefördert werden, die inter- und transdisziplinär forscht und damit zu gesellschaftlichen Veränderungsprozessen aktiv beitragen kann. Dieser Anspruch wird, so Johannes fester Eindruck, von einigen der Projekte auch tatsächlich erfüllt. Allerdings gibt es auch solche Forschungsvorhaben, die in ihrem Ansatz im besten Falle multidisziplinär sind. Das ist in jedem Falle bedauerlich, da diese Forschungsprogramm doch einen anderen Anspruch hat.

Gerade die Statussymposien sollen dazu dienen, die Forschungsresultate mit Bürger_innen und Vertretern gesellschaftlicher Gruppen zu diskutieren. Dies wurde mit der aktuellen Veranstaltung leider gar nicht erreicht. Aber vielleicht ist die Partizipation in den Forschungsprojekten vor Ort auch die viel wesentlichere Komponente? Auf jeden Fall sollte seitens der Fördermittelgeber verstärkt darüber nachgedacht werden, welcher anderen Formate es bedarf, um Wissenschaft auch über den Elfenbeinturm hinaus zugänglich zu machen.

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