Du, Dein Engagement – für mehr Nachhaltigkeit im Hochschul- und Wissenschaftssystem

Bericht von der fusion n digital 2020 vom 13. bis 14. Juni, 

Die erste große digitale Veranstaltung vom netzwerk n fand mit der fusion n digital am 13./14. Juni online statt. Hierfür nutzten wir ausschließlich Open Source Lösungen mit der plattform n und deren integrierten n-cloud und Messenger Rocket.Chat (mehr dazu hier).

In drei Themensträngen widmeten sich die Teilnehmer*innen mit unterschiedlichen Referent*innen den Transformationsprozessen im Hochschul- und Wissenschaftssystem, um mehr Klimaschutz und Nachhaltigkeit voranzutreiben. Vom persönlichen Engagement über die Initiativarbeit an Hochschulen bis hin zur transformativen Betrachtung der Wissenschaft versuchten wir uns, ein ganzheitliches Bild von Nachhaltigkeitsprozessen an Hochschulen zu verschaffen.

Transformation & Persönlichkeit

Im Workshop zu “Transformation & Persönlichkeit” haben wir uns damit beschäftigt, welche Rolle Nachhaltigkeit und Aktivismus im Leben und Alltag der Teilnehmenden spielen und wie diese beiden Bereiche zusammenfließen. Mit verschiedenen Zugängen zu Kopf, Herz und Hand gab es in kleiner Runde und schnell vertrauter Atmosphäre trotz des digitalen Raums viele Möglichkeiten für Erkenntnisgewinn, Austausch und persönliche Reflexion.

Am Samstag gab uns Michael aus dem netzwerk n per vorbereitetem Video vom (internetschwachen) sogenannten ländlichen Raum wertvolle inhaltliche Impulse, um im Thema „nachhaltiger Aktivismus“ anzukommen. Wir haben uns intensiv mit den persönlichen Antreibern für Engagement beschäftigt und den eigenen aktivistischen Werdegang visualisiert. Als krönenden Tagesabschluss gestaltete Alt-Wandercoach Laura den letzten Block und entführte uns in die Welt der Tiefenökologie.

Sonntag ging es dann ans Eingemachte: Es wurden Visionen für ein nachhaltiges Aktivsein gesponnen, Ressourcen, Hemmnisse und Kraftquellen ausfindig gemacht und ein Potpourri an Methoden für einen nachhaltigen Aktivismus in Balance zwischen Selbstfürsorge und aktiver Gestaltung unserer Welt erprobt und deren Anwendung im eigenen Leben reflektiert. Die Methodenübersicht findet ihr im Anhang und bald auch hier auf unserer Webseite zum Download.

Transformation & Engagement

Im Strang „Transformation & Engagement“ stellten wir uns anfangs viele Fragen, welche bei Initiativen, im Zeitraum Ihres Schaffens immer wieder aufkommen:

Wie komme ich auf Augenhöhe mit den Entscheidungsträger*innen meiner Hochschule? Braucht meine Hochschule eine*n Nachhaltigkeitsbeauftragten? Wie kann ich Projekte meiner Initiative implementieren und wie schaffen wir es, uns auf Ziele zu verständigen und diese strategisch klug anzugehen?

Der Workshop “Transformation & Engagement” zeigte mögliche Entwicklungs- und Professionalisierungsphasen deiner Initiative auf. In den 3 Kernbereichen Findung, Forderung & Fokus skizzierten wir gemeinsam Verlaufswege, von der Grundbasis einer Initiative bis hin zur Ausbildung von Change Agents, welche die politischen Rahmenbedingungen mit beeinflussen können.

Am Samstag stand im Themenstrang „Transformation & Engagement“ der Austausch zwischen den verschiedenen Initiativen im Mittelpunkt. Wie organisieren andere Initiativen ein Plenum, welche Moderationstools haben sich jeweils bewährt und wie entwickelt ihr gemeinsam Visionen?

Gemeinsam begingen wir eine kleine Traumreise ins Jahr 2030 an unsere ehemaligen Hochschulen und leiteten daraus spannende Ziele ab, welche wir im nächsten Schritt in einen Forderungskatalog bzw. in ein Konzeptpapier haben einfließen lassen können.

Der zweite Tag stand im Zeichen von ganz vielen Beiträgen und Denkanstößen von außen:

Mit Lukas Vaupel von der Universität Wuppertal untersuchten wir Gremienformate und wie diese am besten in eine Unistruktur implementiert werden können. Amanda Steinmaus vom Vorstand des fzs, referierte über die Hebel der Hochschulpolitik und wie wir uns diese als Studis, als sogenannte Change Agents, zunutze machen können. Einen anderen Input brachte Anton Brokow-Loga (Kinderuni Weimar) ein, der Dozent an der Universität Weimar ist und sich beim I.L.A Kollektiv engagiert. Sein Vortrag handelte von der „Entwicklung eigener Haltung zur Rollen(un‐)vereinbarkeit von Aktivismus und Wissenschaft.“

Das netzwerk n hat sich viele Hausaufgaben mit nach Hause genommen. Wir wollen die tolle Vorarbeit der fusion nTeilnehmer*innen in größere Kreise tragen. So streben wir an, gemeinsam einen Leitfaden für Hochschulinitiativen zu entwickeln, der im Sinne eines whole institution approach alle Hochschulbereiche abdeckt und Ansatzpunkt aufzeigt, Klimaschutz und Nachhaltigkeit zu verankern.

Transformation & Wissenschaft

In den Workshops zu „Transformation und Wissenschaft“ beackerten wir viele Handlungsfelder, die mit Transformativer Wissenschaft einhergehen. Ausgehend der Klärung verschiedener Begriffe, die uns Katharina Ebinger von Wissenschaf(f)t Zukünfte verdeutlichte, führte uns Dr. Johannes Schuler vom Fraunhofer ISI in verschiedene Felder der wissenschaftlichen Politikberatung ein. Gemeinsam mit Anton Brokow-Loga vom I.L.A. Kollektiv und der Gruppe aus dem „Transformation & Engagement“-Strang setzten wir uns mit der persönlichen (Un-)Vereinbarkeit aktivistischer und wissenschaftlicher Rollen und damit einhergehenden Herausforderungen und Konflikten auseinander.
Aufbauend auf diesen drei sehr vielfältigen und spannenden Inputs und dank super aktiver Teilnehmender wurden zentrale Fragen und Spannungsfelder deutlich. Besonders heiß diskutiert wurden häufig intransparente und nicht besonders transformative Hochschulstrukturen, ihre Finanzierung und die Freiheit der Wissenschaft, aber auch die Forderung nach stärkerer studentischer Teilhabe an Forschungsprozessen. Falls ihr am Wochenende nicht dabei sein konntet – die ganzen Materialien und die Dokumentation des Wochenendes findet ihr hier in unserer brandneuen n-Cloud (dafür müsst ihr der Gruppe fusion n digital 2020 auf der plattform n beitreten).

Dieses sehr erkenntnisreiche Wochenende war (hoffentlich) erst der Startschuss – für eine intensivere Auseinandersetzung des netzwerk n und Studierenden mit diesem Thema – mit dem Ziel einer (gemeinsamen) Positionierung!