perspektive n an der Humboldt-Universität zu Berlin

Hochschulen for Future – eine Fishbowldiskussion

Gastbeitrag von Pascal Kraft von der Initiative Nachhaltigkeitsbüro der HU Berlin

An über 80 Hochschulen in ganz Deutschland fand die „Public Climate School“, die seitens der Students for Future vom 25. bis 29. November ausgerufen wurde und im 4. Globalen Klimastreik mündete, statt. So auch an der HU Berlin, die ein von Student_innen getragenes umfangreiches Programm auf die Beine stellten, in dem Professor_innen ihre Lehrinhalte auf den Klimawandel bezogen, Podiumsdiskussionen, Filmaufführungen, Tanzabende, Workshops, Vorträge und gemeinsame Kochabende ganz im Zeichen der Klimakrise standen.

Die Hochschulen in Berlin sind in dem Bestreben, einen klimaneutralen Betrieb zu gewährleisten, unterschiedlich weit fortgeschritten. Gerade der Druck durch Fridays for Future zwingt zum Umdenken. In den an zahlreichen Hochschulen in Berlin durchgeführten Vollversammlungen wurde die Forderung laut, die Uni-Betriebe klimafreundlich zu gestalten und eine Klimastrategie partizipativ mit der Studierendenschaft zu entwickeln. An der HU Berlin wurde dafür eine Akademische Senats AG gegründet, die über vier Monate hinweg erste einleitende Schritte hin zu einem „Nachhaltigkeitskompetenzzentrum“ entwickeln sollte, das die Thematik Nachhaltigkeit fest in die Universitätsstruktur verankert und in alle Bereiche der Universität (Lehre, Forschung, Betrieb, Governance) hinein wirkt.

Der Auftakt der perspektive n verlief zunächst ungewöhnlich, da er mit einem musikalischen Beitrag der Band Levin König startete. Indie Rock Klänge hallten durch die Gänge der Dorotheenstraße 26 und zogen so weitere neugierige Studierende in die 1. Etage des Philosophie Instituts. Insgesamt waren ungefähr 30 Personen dabei.

Pascal Kraft von der Fridays for Future Gruppe der Humboldt-Universität zu Berlin und der studentischen Initiative Nachhaltigkeitsbüro übernahm zunächst die Einführung in die Thematik: Hochschulen for Future. Durch den Druck der Fridays for Future kam es durch besagte Vollversammlungen zu ersten Gespräche, wie eine Universität in Zukunft klimaneutral agieren kann. Die HU stieß im Jahr 2018 im Bereich Wärme und Energie ca. 5.400 t CO2 aus, dies entspricht ca. 1.000 Interkontinental-Flügen. Doch zu einem klimaneutralen Betrieb gehört deutlich mehr, wie etwa Beschaffungsmaßnahmen und Flugreisen, die einer Studie der ETH Zürich zufolge etwa die Hälfte der CO2 Bilanz ausmacht. Durch den Aufbau eines Nachhaltigkeitskompetenzzentrums, das sich aus dem Nachhaltigkeitsbüro, einer dauerhaften Kommission vor dem Akademischen Senat und einer Klimamanager_in, die im Präsidalbereich angesiedelt ist, sollen die Themen in den Uni-Alltag implementiert und Lösungsansätze entwickelt werden.

Andere Universitäten sind bereits weiter und haben etwa Stabsstellen für den Bereich Nachhaltigkeit und Klimaschutz. Hierüber berichteten die Gäste an dem Abend Jörg Romanski (Umweltbeauftragter der Stabsstelle Sicherheitstechnische Dienste und Umweltschutz TU Berlin) und Andreas Wanke (Leiter der Stabsstelle “Nachhaltigkeit und Energie” der Freien Universität), welche Fortschritte und Hürden oftmals bestehen.

Veronika Pinzger (Studentin, Fridays for Future HU und Nachhaltigkeitsbüro) gab zu bedenken, dass Nachhaltigkeit bisher immer nur von Einzelnen innerhalb universitärer Strukturen getragen und gedacht wurde und die Politik zum einen schneller handeln müsse und der Wissenschaft mehr Gehör schenken solle. Dr. Ina Czyborra (Sprecherin für Wissenschaft der SPD) möchte einen größeren Austausch seitens der Politik mit der  Wissenschaft anregen und konkrete Umsetzungsschritte für mehr Klimaschutz einbringen. Das Publikum hatte zum einen die Gelegenheit, oft in kleinen Gruppen zu diskutieren, wie weit nun ihre Hochschule sei oder welche Punkte in der CO2-Bilanzierung bisher völlig vernachlässigt wurden. Am Ende der Diskussion bestand der Konsens, dass es gerade mehr dieser Austauschformate braucht, um voneinander zu lernen und um gemeinsame Synergieeffekte zu erzeugen, die einen Wandel in den Hochschulen erzeugen.

Diskutanten und Diskutantinnen:

  • Veronika Clara Pinzger, FFF HU und Nachhaltigkeitsbüro HU
  • Jörg Romanski, Umweltbeauftragter der Stabsstelle Sicherheitstechnische Dienste und Umweltschutz TU Berlin
  • Andreas Wanke, Leiter der Stabsstelle “Nachhaltigkeit und Energie” der Freien Universität
  • Ina Czyborra, Sprecherin für Wissenschaft der SPD im Berliner Abgeordnetenhaus
  • … und alle Anwesenden

Einführung: Pascal Kraft

Moderation: Josef Kaiser, netzwerk n

Musik: Levin König

 

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