Wie wollen wir uns auf dem Campus begegnen?

Hochschule Harz entwickelt einen Campus-Kodex: ein nachahmenswertes Vorhaben

Am 29. Mai feierte die perspektive n-Reihe ein kleines, aber feines Jubiläum: Etwas mehr als ein Jahr, nachdem die Reihe richtig Fahrt aufgenommen hat, diskutierten wir bereits zum 20. Mal. Im Fokus stand in Wernigerode an der idyllisch gelegenen Hochschule Harz der Campus-Kodex – ein originäres und umfassendes Thema der nachhaltigen Entwicklung -, den das seit ungefähr einem Jahr im Amt befindliche Rektorat der Hochschule in einem offenen, partizipativen Prozess entwickeln möchte. Einmalig war aus unserer Perspektive, dass das Rektorat fast vollständig anwesend war, Stellung bezog und die Bedeutung dieses Kodex damit unterstrich.

Ein Gang zum Veranstaltungsort zeigte uns vorab: Die Gestaltung des Campus, auf dem sich circa 3.000 Studierende und knapp 230 Beschäftigte im wissenschaftlichen und Verwaltungsbereich bewegen, strahlt bereits eine Wohlfühlatmosphäre aus und lädt zum Verweilen, Lernen, Lehren und Forschen ein. Wie sich die Menschen auf diesem Campus begegnen sollen und welche Werte und Verhaltensweisen im alltäglichen Miteinander wünschenswert sind, dies soll der Campus-Kodex nun festzurren.

Methodisch war es eine der abwechslungsreichsten Veranstaltungen, die wir bisher durchgeführt haben: Im einleitenden Podiumsgespräch äußerten sich die Rektoratsmitglieder und Ilja Schicker vom StuRa zum bisherigen Prozess und der Zielrichtung. Arbeitsgruppen steckten in den letzten Monaten sechs Themenbereiche ab und formulierten dazugehörige, eher noch abstraktere Leitsätze. Farbkartenabstimmungen über die bisherigen Ergebnisse zeigten einen großen Konsens, sodass offenbar die richtigen Aspekte aufgegriffen wurden. Die sechs Themenbereiche – Respekt, Chancengleichheit, Weltoffenheit, offene Kommunikation, akademische Werte, Nachhaltigkeit – sollten anschließend im Rahmen der perspektive n im World-Café-Format an moderierten Tischen möglichst konkret mit Leben gefüllt werden. Die Beteiligung der circa 60 Anwesenden war bemerkenswert und die regen Diskussionen übertrugen sich in voll beschriebene Papierbögen. In den kommenden Wochen bündeln die Arbeitsgruppen, für die sich jede_r noch eintragen konnte und kann, all diese Konkretisierungen. In der abschließenden freien Fishbowl-Diskussion standen insbesondere die Fragen im Mittelpunkt, wie alle Mitglieder und Angehörigen der Hochschule ermutigt werden könnten, sich am Prozess zu beteiligen, und wie mit Fehlverhalten gegen den Kodex umzugehen sei. Laura vom netzwerk n hob hervor, dass alle Anwesenden Botschafter_innen und Multiplikator_innen in ihrem Umfeld seien, die die Inhalte der Veranstaltung in die Welt tragen könnten. Beim zweiten Punkt herrschte Konsens, dass Sanktionierungen bei grobem Fehlverhalten da, wo es eine Rechtsgrundlage gibt, natürlich Anwendung finden werden – wie es auch jetzt schon möglich ist – und dass sonst der Campus-Kodex ein sanftes Instrument sein soll, das zum Vorleben und respektvollem Miteinander einlädt.

Wir erlebten insgesamt eine Wohlfühlveranstaltung mit aufgeschlossenen und neugierigen Menschen an einer Hochschule, wo vieles auch im Bereich der nachhaltigen Entwicklung schon vorbildlich funktioniert (z.B. Bienen auf dem und Honig vom Campus, EMAS-Zertifizierung seit 2010, Transfer eines Repair-Cafés in die Stadt hinein, eine sehr aktive AG Nachhaltigkeit). Wir freuen uns auf die nächsten Begegnungen, wünschen viel Erfolg bei der konkreten Ausformulierung des Kodex und sind neugierig auf das Ergebnis.

Diskutant_innen:

  • Prof. Dr. Folker Roland, Rektor
  • Prof. Dr. Louisa Klemmer, Prorektorin für Studium, Lehre und Internationalisierung
  • Prof. Dr. Jens-Oliver Weiß, Prorektor für Hochschulentwicklung und Gleichstellung
  • Michael Schilling, Kanzler
  • Ilja Schicker, Studierendenrat
  • … und alle Anwesenden

Moderation: Dr. Michael Flohr und Laura Stüdemann, netzwerk n e.V.

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