Kompetenzzentrum für Nachhaltige Entwicklung

Eberhard Karls Universität Tübingen

Das Kompetenzzentrum für Nachhaltige Entwicklung (KNE) ist eine universitätsweite Netzwerk-, Bildungs- und Beratungseinrichtung, die am Internationalen Zentrum für Ethik in den Wissenschaften (IZEW) der Universität Tübingen koordiniert wird. Langfristige Ziele des Zentrums sind die Verankerung der Perspektive Nachhaltige Entwicklung in die Curricula aller Fächer, die Vernetzung von Forschungsvorhaben, die Weiterentwicklung bereits bestehender Projekte und Initiativen sowie der Aufbau und die Pflege eines Nachhaltigkeitsnetzwerks, auch mit externen Partner_innen. Mit einem Kompetenzzentrum für Nachhaltige Entwicklung möchte sich die Universität Tübingen als universitärer Standort für Nachhaltige Entwicklung etablieren und mit Impulsen und Vernetzungen in die Hochschulregion und darüber hinaus wirken.

An der Universität Tübingen werden seit 2007 zahlreiche Aktivitäten im Bereich Nachhaltige Entwicklung (NE) durchgeführt, für die das Engagement und der Einsatz von Studierenden eine besondere Rolle gespielt haben. Um diese verschiedenen Aktivitäten und Akteur_innen zusammenzuführen, wurde 2013 mit dem Aufbau eines gesamtuniversitären Kompetenzzentrums für Nachhaltige Entwicklung begonnen, das am Internationalen Zentrum für Ethik in den Wissenschaften (IZEW) koordiniert wird. 2013-2017 erfolgte die finanzielle Unterstützung durch das Land Baden-Württemberg (Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst). Aktuell werden die Aktivitäten des Kompetenzzentrums – vorerst zwischenfinanziert bis Ende 2018 – aus Eigenmitteln der Universität fortgesetzt. Seit Anfang an wird stetig an einer langfristigen Verankerung des Zentrums als gesamtuniversitäre Netzwerk-, Bildungs- und Beratungseinrichtung für Nachhaltigkeitsprozesse und -strukturen sowie Bildung für Nachhaltige Entwicklung (BNE) gearbeitet. Dank seiner zahlreichen und vielfältigen Aktivitäten ist es mittlerweile eine sehr gut vernetzte und bekannte Institution.

Ziel ist es die Maxime einer NE, die seit 2010 im Leitbild der Universität Tübingen verankert ist, zu stärken und strukturell weiter zu institutionalisieren.

Dies soll durch die Verankerung der Perspektive NE in die Curricula aller Fächer, insbesondere auch in Master- und Promotionsmodulen bzw.-programmen („Tübinger Curriculum Nachhaltige Entwicklung“), die Vernetzung von Forschungsvorhaben sowie die Weiterentwicklung bereits heute bestehender Projekte und Netzwerke erreicht werden. Das KNE soll alle Universitätsmitglieder dabei unterstützen, Kontakte herzustellen und Partner_innen oder Expertise inner- und außerhalb der Universität zu vermitteln. Die Gründung eines solchen Zentrums ist eine wichtige Maßnahme, mit der die Universität Tübingen anstrebt, das Thema Nachhaltige Entwicklung noch breiter zu implementieren. Damit möchte sie sich als universitären Standort für NE etablieren und mit Impulsen und Vernetzungen in die Hochschulregion und darüber hinaus wirken – die Universität Tübingen ist sich ihrer Rolle als Gestalterin von Veränderungen und Trägerin von Verantwortung in der Gesellschaft bewusst.

Die Koordination durch das interfakultäre IZEW liegt darin begründet, dass dieses die ersten Nachhaltigkeitsaktivitäten substanziell unterstützte und mit vorangetrieben hat. Des Weiteren ist die Angliederung an das IZEW thematisch zu begründen, da der Diskurs um NE maßgeblich auch ein ethischer ist. Das KNE richtet seine Angebote und Aktivitäten an alle Mitglieder der Universität – von den Studierenden über Mitarbeitende der Wissenschaft und Verwaltung bis hin zu Professor_ innen und der Hochschulleitung – und zu einem großen Teil auch an die Tübinger Stadtgesellschaft. Mitwirkung, Selbstbestimmung, Transparenz und Selbstorganisation sind wichtige Werkzeuge des Kompetenzzentrums, um NE in die Kerngeschäfte der Universität (Lehre, Forschung, Governance und Betrieb) zu integrieren. Hinzu kommt der Transfer in die Praxis außerhalb der Universität. Folgende Aktivitäten bzw. Maßnahmen hat das Zentrum in diesen fünf Bereichen umgesetzt:

Lehre: Mit verschiedenen Veranstaltungen fördert das KNE die Perspektive der NE in der Lehre, setzt Impulse für innovative Lernformate und macht die Angebote einem breiten Publikum zugänglich.

Beispiele:

  • Jährliche Veranstaltungsreihen im öffentlichen Studium Generale
  • Regelmäßige BNE-Seminare im Lehramtsstudiengang „Naturwissenschaft und Technik“
  • Jährliche Seminare zu nachhaltiger Energieversorgung
  • Mitgestaltung der Summerschools der Hochschulregion zur Energiewende
  • Hochschuldidaktische Fortbildungen für Dozierende
  • Initiierung eines Studierendenaustauschs zu globalen Fragen Nachhaltiger Entwicklung in der Wissenschaft mit der Universität Addis Abeba/Äthiopien

Forschung: Im Rahmen des Aufbaus des Kompetenzzentrums wurde ein „Innovationsfonds Nachhaltige Entwicklung“ eingerichtet. Studierende und Mitarbeitende können Fördergelder beantragen, um ihre Ideen umzusetzen. Gefördert wurden zum Beispiel eine Stakeholder-basierte Entwicklung von Nachhaltigkeitsindikatoren, Forschung zum Feinstaubmonitoring in Tübingen sowie das Symposium zu Nachhaltiger Entwicklung für Doktorand_innen der Promivierendeninitiative sustainAbility. Zudem fasst ein regelmäßiger Newsletter die Fördermöglichkeiten im Bereich NE zusammen. Die Universitätsangehörigen werden über aktuelle Veranstaltungen, Wettbewerbe, Publikationen etc. informiert. Zudem beteiligt sich das Kompetenzzentrum an der Beantragung von Fördermitteln bzw. unterstützt das Stellen von Anträgen für Drittmittel.

Betrieb: In enger Zusammenarbeit mit der Umweltkoordination der Universität stärkt das KNE im Universitätsbetrieb. Besondere Schwerpunkte sind die Nachhaltigkeitsberichterstattung und die Entwicklung von Nachhaltigkeitsindikatoren. So hat sich die Universität Tübingen an der Entwicklung und der Testphase des Nachhaltigkeitskodex für Hochschulen beteiligt und erfolgreich die Entsprechenserklärung abgegeben.

Governance: Unter dem Motto „Nachhaltig @ Uni Tübingen“ veranstaltete das KNE 2017 drei universitätsweite Informations- und Vernetzungstreffen. Die Veranstaltungen bringen Studierende, Mitarbeitende und zivilgesellschaftliche Akteur_ innen zusammen. Sie sind eine wichtige Plattform, um neue Nachhaltigkeitsaktivitäten an der Universität anzustoßen.

Wissenstransfer: Das Kompetenzzentrum beteiligt sich an universitären und regionalen Veranstaltungen und diskutiert mit Gästen und interessierten Teilnehmenden über NE und den Beitrag der Universität Tübingen. Beispielhafte Aktionen wie ein Sustainability Slam auf der Tübinger Nacht der Nachhaltigkeit oder das NE-Quiz während des Tübinger Fensters für Forschung ermöglichten es, NE einem breiten Publikum zugänglich zu machen und mit Bürger_innen ins Gespräch zu kommen, um so Interesse und Neugier für das Thema zu wecken. Nachhaltigkeit an verschiedenen Schulen des eigens dafür gegründeten „Kooperationsclusters Nachhaltigkeit“ vor. In einer weiteren Sitzung werden die Unterrichtsentwürfe durch die Studierenden vorgestellt und gemeinsam mit allen Seminarteilnehmer_innen ausführlich besprochen. Die Unterrichtsentwürfe werden im Anschluss noch einmal überarbeitet und dann in der Praxis durchgeführt. Die Lehrkräfte an den Partnerschulen begleiten das Projekt intensiv durch Feedbackrunden mit den Studierenden während der gesamten Praxisphase. Inhaltliche Schwerpunkte der praktischen Umsetzung und Erprobung der Unterrichtseinheiten in den Schulen sind verschiedene nachhaltigkeitsrelevante Fragestellungen wie Klimawandel, erneuerbare Energie oder Konsum.

Seit 2013 unterstützt das Kompetenzzentrum den Beirat für Nachhaltige Entwicklung bei der Organisation der Verleihung des Nachhaltigkeitspreises für Abschlussarbeiten und der „SustainabilityLecture“. Es wurden bereits 35 Absolvent_innen ausgezeichnet und namhafte Persönlichkeiten wie Klaus Töpfer, Ursula Sladek, Angelika Zahrnt und Satish Kumar haben bei der Veranstaltung über die Notwendigkeit von NE gesprochen.

Von 2013 bis 2017 konnten, dank des Innovationsfonds NE, 52 Projekte und Maßnahmen NE in Lehre, Forschung und Betrieb der Universität Tübingen etablieren, finanziell gefördert und beratend unterstützt werden. Gut 30 Projekte davon sind in der Forschung für NE zu verorten. Des Weiteren hat das KNE neun erfolgreiche Anträge mit einem Fördervolumen von 1,6 Millionen Euro unterstützt bzw. gestellt und damit die Forschung für NE vorangetrieben. Zudem hat das KNE bei seinen öffentlichen Veranstaltungen, wie den Ringvorlesungen der vergangenen drei Jahre, mit mehr als 2.500 Personen ein breites Publikum erreicht. Dadurch wird Neugierde geweckt, Wissen verbreitet und auf das Engagement der Universität als Pionierin eines nachhaltigen Wandels aufmerksam gemacht.

Letztes Jahr richtete das Kompetenzzentrum erfolgreich drei Vernetzungstage mit über 180 Universitätsangehörigen aus. Hier haben sich Akteur_innen mit ähnlichen Motivationen und Interessen miteinander vernetzt und Initiativen gegründet. Über die letzten drei Jahre hat das Kompetenzzentrum ein Netzwerk für Nachhaltigkeit an der Universität Tübingen aufgebaut, dem etwa 130 Personen/Initiativen angehören.

Meilensteine
Der wichtigste Meilenstein für die Implementierung einer NE an der Universität Tübingen war die Gründung der Studierendeninitiative Greening the University e.V. im Jahr 2007 und das darauffolgende Symposium „Greening the University – Perspektiven für eine nachhaltige Hochschule“ im Jahr 2008. Auch das Studium Oecologicum (siehe S. 14), ein inter- und transdisziplinäres Kursprogramm zu NE, das mit Hilfe studentischen Einsatzes seit 2009 aufgebaut wurde, ist ein weiterer Meilenstein. Im Jahr 2010 verankerte die Universität Tübingen NE in ihrem Leitbild; im selben Jahr wurde die Einrichtung des Beirats für Nachhaltige Entwicklung begonnen, der das Rektorat in NE-Fragen berät. Seit 2011 ist die Universität nach dem europäischen Umweltmanagementsystem EMAS zertifiziert; 2014 und 2017 fanden Revalidierungen statt – auch dieser Prozess wurde 2008 durch die Studierendenangestoßen. Die Universität verleiht seit 2011 jährlich Nachhaltigkeitspreise für Abschlussarbeiten und organisiert die Sustainability Lecture – Aktionen, die NE in zusätzlichem Maße verankern. So war der Entschluss, Drittmittel für ein KNE zu beantragen, schließlich der konsequente und darauffolgende Meilenstein, welcher mit der Bewilligung der Mittel NE an der Universität Tübingen noch schneller ins Rollen brachte.

Begünstigende Faktoren
Als wichtigste Faktoren für die erfolgreiche Implementierung ist, neben der Bewilligung der Drittmittel durch das Land Baden-Württemberg, die hohe Motivation der beteiligten Akteur_innen zu nennen. Um diese zu stärken, war der Aufbau eines universitätsweiten Nachhaltigkeitsnetzwerks essentiell. So werden viele Mitglieder der Universität auf die Thematik NE aufmerksam, Interessierte können identifiziert werden und es gibt zahlreiche Möglichkeiten, sich einzubringen und zu engagieren. Deshalb können nicht nur erfolgreich Lehrveranstaltungen durchgeführt, Anträge gestellt und Abschlussarbeiten gefördert werden, sondern auch Initiativen unterstützt, Ringvorlesungen organisiert und erfolgreich an Wettbewerben teilgenommen werden. Auch die Offenheit und thematische Breite waren von Beginn an eine Stärke des Themas NE an der Universität Tübingen. Die enge und wertvolle Zusammenarbeit zwischen dem Kompetenzzentrum und der Umweltbeauftragten sowie dem Beirat für Nachhaltige Entwicklung sind weitere begünstigende Faktoren für eine erfolgreiche Implementierung. Das Engagement der Studierenden ist ebenfalls ein herausragender Faktor – nur durch studentischen Einsatz kam der Stein überhaupt ins Rollen!

Herausforderungen

  • Zu Beginn stellte die Suche nach einer Finanzierungsmöglichkeit für die Aufbauphase des Kompetenzzentrums bis hin zur Antragstellung eine Herausforderung dar
  • Die Verstetigung des Zentrums, das dauerhaft in die Strukturen der Universität eingebettet ist
  • Der Aufbau eines Netzwerks benötigt Zeit und Arbeit – eine Institution muss bekannt und wahrgenommen werden

Das KNE ist eine sehr gut vernetzte und bekannte Institution. Vom Zentrum organisierte Aktivitäten werden äußerst gut angenommen und besucht – sowohl von Angehörigen der Universität als auch von Tübinger Bürger_innen. Das KNE hat sich zu einem Ansprechpartner in Fragen NE für Studierende und Mitarbeitende aus Verwaltung und Forschung entwickelt, ist aber auch Teil eines bundesweiten Netzwerks und ein wichtiger Kontakt für lokale Akteur_innen sowie NGOs. Dies liegt auch darin begründet, dass es immer wieder bei lokalen Veranstaltungen, wie der Tübinger Nacht der Nachhaltigkeit oder dem SWT-Umweltpreis, neue Ideen für Aktionen einbringt und sich an der Umsetzung beteiligt. Gerade nach den Vernetzungstagen wurden viele neue Initiativen gegründet, die bereits teilweise durch den Innovationsfonds finanziell gefördert wurden. Die einstimmige Rückmeldung, dass sich alle Beteiligten sehr gefreut haben, andere NE-Begeisterte kennenzulernen und sich mit diesen vernetzen zu können, führte zur Organisation eines zweiten und dritten Vernetzungstages, der auch im Jahr 2018 fortgeführt werden soll. Auch in den Sitzungen des Beirats für Nachhaltige Entwicklung werden neue Aktivitäten besprochen, Empfehlungen diskutiert und Handlungsoptionen abgewogen. Um an einer Volluniversität wie Tübingen NE in die Strukturen und die zahlreichen Fachbereiche zu integrieren, bedarf es einer vernetzenden, fakultätsübergreifenden Institution, welche diesen Prozess maßgeblich anstößt und koordiniert. Von großer Bedeutung ist die zentrale Ansprechbarkeit dieses Zentrums für alle Universitätsangehörigen, damit NE in die Arbeitsabläufe integriert werden kann und Themen der NE sich ebenso breit auffächern, wie es Akteur_innen an der Universität gibt, sodass sich jede_r Einzelne hier wiederfinden kann.

Kernprinzipien

  • Gesamtuniversitäre Institution zur Vernetzung und Beratung in Fragen von NE für alle Universitätsmitglieder und darüber hinaus
  • Für Lehrende und Studierende: Mit BNE Kompetenzen stärken, Wissen vermitteln und Interesse, Neugier sowie die Lust wecken, sich selbst aktiv einzubringen
  • Mit Hilfe des Innovationsfonds NE wurden Aktivitäten in Forschung und Lehre sowie NE-Projekte von Studierenden finanziell unterstützt
  • Zentrale Aspekte für die Arbeit des KNE: Mitwirkung, Selbstbestimmung, Transparenz und Selbstorganisation
  • Förderung einer inter- und transdisziplinären Forschung für NE
  • Transparenz durch eine Nachhaltigkeitsberichterstattung und die Entwicklung von Nachhaltigkeitsindikatoren
  • Handlungsmaxime: Vorreiter/Inspiration für andere Universitäten und Bildungseinrichtungen sein

Weiterführende Informationen

Vernetzungstage: www.uni-tuebingen.de/de/93082
Innovationsfonds Nachhaltige Entwicklung: www.uni-tuebingen.de/de/48702
Ringvorlesung 2017/18: www.uni-tuebingen.de/de/101710
NE-Preis für Abschlussarbeiten: www.uni-tuebingen.de/de/32417
Sustainability Lecture: www.uni-tuebingen.de/de/35885
abgeschlossene Projekte des KNE: www.uni-tuebingen.de/de/82848

Kontakt

Institution: Eberhard Karls Universität Tübingen
Bereich: Governance
Initiator: IZEW, Beirat für Nachhaltige Entwicklung der Universität und die Studierendeninitiative Greening the University e.V.
Ansprechpartnerin: Prof. Dr. Thomas Potthast, Kerstin Schopp,
Kompetenzzentrum für Nachhaltige Entwicklung, Universität Tübingen,
+49 7071 2977986
nachhaltig[at]uni-tuebingen.de
www.uni-tuebingen.de/de/48701

Weitere Beispiele aus dem Bereich Governance

AStA Nachhaltigkeitsreferat
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Green Office Maastricht
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SUSTAIN IT! Initiative für Nachhaltigkeit + Klimaschutz
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Runder Tisch zur nachhaltigen Entwicklung
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EMAS Umweltmanagementsystem
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