Exploring Economics

Netzwerk Plurale Ökonomik e.V.

Exploring Economics zielt darauf ab, die VWL-Lehre zu bereichern und Selbstkritik, Reflexion sowie Offenheit in der Ökonomik zu fördern. Die digitale Lernplattform bietet Einführungen in verschiedene ökonomische Theorieschulen, verlinkt und systematisiert Materialien zu einer großen Bandbreite ökonomischer Themen und berücksichtigt auch Inhalte aus anderen Disziplinen. Verfügbar sind Open-Source-Bücher, Videovorlesungen, Kurzvideos, Multimedia-Dossiers, Radioprogramme, Massive-Open-Online-Kurse sowie eigens für die Seite verfasste Texte von Studierenden und Nachwuchswissenschaftler_innen.

Exploring Economics ist eine digitale Lernplattform [1], die als Open Educational Resource an keine Universität gebunden ist. Sie ist kostenfrei zugänglich. Initiiert wurde das Projekt im Jahr 2015 von einer Gruppe Studierender und Nachwuchswissenschaftler*innen aus dem Netzwerk Plurale Ökonomik e.V. [2], welches Teil der internationalen studentischen “Initiative for Pluralism in Economics” (ISIPE) [3] ist. Die Initiator_innen von Exploring Economics reagierten mit der Online-Lernplattform auf den internationalen Appell von Studierenden und Wissenschaftler_innen, in dem zu einer Veränderung der Wirtschaftswissenschaften aufgerufen wird. Die dort geäußerte Kritik verweist auf die neoklassisch ausgerichtete universitäre Lehre, die es Studierenden verwehrt, die Vielzahl an Theorien und Methoden innerhalb der Ökonomik sowie darüber hinaus Erkenntnisse aus anderen Disziplinen zu entdecken und zu studieren.

Exploring Economics will einen anhaltenden positiven Wandel der ökonomischen Lehre bewirken, um drängenden Fragen unserer Zeit mit einem ganzheitlichen und kritischen Forschungsansatz zu begegnen. Konkrete Ziele dabei sind:

  • Die Erhöhung der Anzahl verfügbarer Materialien zu diversen Theorien und Themen innerhalb der Ökonomik
  • Die Förderung von Reflexion und kritischem Denken durch den Vergleich verschiedener Theorieschulen
  • Die Verfolgung eines partizipativen Ansatzes bei der Entwicklung der Lernplattform.

Das Projektteam setzt sich aus Mitgliedern des Netzwerkes Plurale Ökonomik e.V. zusammen. Eine Gruppe von ca. 15 Mitgliedern des Netzwerkes entwarf in der Anfangsphase die Projektidee, aktuell sind über 50 Studierende und Nachwuchswissenschaftler_innen auf der internen Arbeitsplattform aktiv, diskutieren Inhalte und Projektausrichtung und sammeln neue Ideen.

Für das Projekt ist ein festes Team tätig, das die Kernaufgaben erfüllt, den täglichen Betrieb der Plattform betreut und die Arbeit der Ehrenamtlichen koordiniert und unterstützt. Neben dem festen Kernteam sind Ehrenamtliche an unterschiedlichen Prozessen des Projektes beteiligt: Fünfzehn Autor_innen verfassten die Texte zu den unterschiedlichen Denkschulen, die auf der Online-Lernplattform im Bereich “Orientieren” anhand von wissenschaftstheoretischen Kategorien (Ontologie, Epistemologie, Methodologie und Axiomatik) gegenübergestellt und mithilfe von Grafiken visualisiert werden. Neben der in der Lehre dominanten Neoklassik werden hier neun weitere Denkschulen vorgestellt, die in der Literatur oft als heterodoxe oder sich noch in der Entwicklung befindende Schulen beschrieben werden: Verhaltensökonomik Österreichische Schule, Institutionenökonomik, Marxistische Politische Ökonomik, Feministische Ökonomik, Post-Keynesianismus, Ökologische Ökonomik, Komplexitätsökonomik und Evolutionsökonomik.

Bisher gibt es kaum vergleichende Übersichten, die ökonomische Denkschulen gleichberechtigt zueinander in Bezug setzen. Der Vergleich bietet zum einen wichtigen Zugang zu Ansätzen pluraler Ökonomik und ermöglicht eine kritische Auseinandersetzung mit verschiedenen wissenschaftstheoretischen Grundannahmen. Somit sind sie für die universitäre Lehre und das Studium besonders geeignet. Die ehrenamtliche Zusammenstellung der Inhalte für die Lernplattform wurde von Wissenschaftler_innen unterstützt, um die wissenschaftliche Qualität der Inhalte sicherzustellen.

Darüber hinaus beteiligten sich bisher zehn Personen an der Sichtung und Einspeisung von Materialien für die beiden Bereiche “Entdecken” und “Studieren”. Ersterer stellt Videos, Artikel, Radiobeiträge, Interviews oder vom Projektteam verfasste Texte zu unterschiedlichen Themen wie Freihandel, oder Ökologische Krise oder Grüne Ökonomie bereit. Im Bereich “Studieren” sind Videovorlesungen zu finden, die je nach Bedarf nach Perspektiven, Disziplinen und Sprache filterbar und unterschiedlichen Schwierigkeitsgraden zugeordnet sind.

Aktuell reflektiert eine Arbeitsgemeinschaft die bisher auf der Seite eingespeisten Materialien und analysiert Möglichkeiten, die Plattform um Perspektiven des globalen Südens inhaltlich zu erweitern. Weitere Unterstützung erhält das Projekt von der Presse- und Öffentlichkeits-AG sowie der Verwaltung des Netzwerkes.

Neu ist das Format der Schreibwerkstatt: Hier können sich Interessierte ein Wochenende lang mit einem thematischen Schwerpunkt der Ökonomik befassen und Essays erstellen, die dann auf Exploring Economics veröffentlicht werden.

Im ersten Jahr, seit dem Launch der Seite am 18. Dezember 2016, konnte die Plattform Zugriffe von Nutzer_innen aus 184 Ländern und über 170.000 Seitenaufrufe verzeichnen. Im ersten Monat zählten wir 41.000 Seitenaufrufe. Durchschnittlich erfolgen aktuell 500 Seitenaufrufe pro Tag, davon sind zwei Drittel aus nicht deutschsprachigen Ländern.

Um Plurale Ökonomik direkt in die Hörsäle zu bringen, hat das Projektteam von Exploring Economics eine Kooperation mit der Universität Bochum ins Leben gerufen und agierte darüber hinaus als Partner der Summer Academy for Pluralist Economics.

An der Universität Bochum wurde eine Ringvorlesung inklusive eines Begleitseminars mit dem Titel “Ökonomische Denkschulen und Grundlagen der Wissenschaftstheorie” veranstaltet, die auf die Zielgruppe von Bachelor-Studierenden mit Interesse an wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Zusammenhängen sowie unterschiedlichen Forschungsperspektiven zugeschnitten war. Weiterhin waren alle interessierten Personen zu den Vorträgen der Ringvorlesung eingeladen. Lernziel der Veranstaltung war die Vermittlung wissenschaftstheoretischer Grundbegriffe, so dass die Studierenden diese in ökonomischen Kontexten anwenden können.
Darüber hinaus sollten sie zum einen dazu befähigt werden, den aktuellen Mainstream ökonomischer Forschung in der Ideengeschichte der Ökonomik verorten zu können und zum anderen ihre Kommunikations- und Präsentationskompetenz erweitern.

Im Rahmen der Summer Academy for Pluralist Economics hatten 90 Teilnehmende aus 20 verschiedenen Ländern die Qual der Wahl zwischen neun facettenreichen Workshops, die von 20 Referent_innen durchgeführt wurden und unterschiedlichste Themen wie “Pluralism in Practice” oder “Inequality Economics” behandelten.

In Zusammenarbeit mit dem ökonomischen Netzwerk „economics feminism and science“ (efas) organisierte das Projektteam zudem eine internationale Schreibwerkstatt. Dieses innovative Format brachte 15 Studierende und Nachwuchswissenschaftler_innen als „Offline-Teilnehmer_innen“ sowie fünf internationale „Online Teilnehmer_innen“ (aus Europa, den USA und Lateinamerika) zusammen, um Essays zum Thema feministische Ökonomik für die Online-Plattform zu erstellen. Das Format der Schreibwerkstätte soll zukünftig durch die Lokalgruppen des Netzwerkes umgesetzt werden, um dem partizipativen Anspruch des Projekts gerecht zu werden und weitere Inhalte für die Lernplattform zu kreieren.

Folgende Punkte stellen die wichtigsten Meilensteine im Rahmen der Implementierung von Exploring Economics dar:

Vor Projektbeginn

  • Etablierung einer Arbeitsgruppe
  • Erstellung einer Vorstudie zu Open Access Inhalten und existierenden Plattformenེེ
  • Erstellung einer Vorstudie zur wissenschaftstheoretischen Vergleichbarkeit verschiedener Theorieschulen
  • Konzepterstellung mit dem vergleichenden Ansatz und dem Grundaufbau der Plattform in den drei Bereichen „Orientieren“, „Entdecken“ und „Studieren“
  • Gewinnung von Finanzierungspartnern
  • Stellenausschreibung und -besetzung.

Projektbeginn

  • Auswahl der Umsetzungspartner_innen und Dienstleistenden
  • Teambildung der Ehrenamtlichen zur Erstellung von Inhalten
  • Launch der Betaversion
  • Launch der Online-Plattform

Nach dem Launch

  • Sicherung der Anschlussfinanzierung
  • Veranstaltung der Schreibwerkstatt
  • Aufbau von Kooperationen mit Universitäten
  • Erfolgreiche Umsetzung einer Crowdfunding-Kampagne

Begünstigende Faktoren und Möglichkeitsfenster für die erfolgreiche Implementierung waren dabei

  • Strategische Partnerschaften wie mit dem Forschungsinstitut für gesellschaftliche Weiterentwicklung
  • Hoher Einsatz von den ehrenamtlichen Studierenden und Nachwuchswissenschaftler_innen aus den Lokalgruppen des Netzwerks der Pluralen Ökonomik
  • Inhaltliche Unterstützung aus der pluralen und heterodoxen Forschungsszene
  • Hohe Reichweite des Projekts durch Online-Ausrichtung

Folgende Herausforderungen entstanden während der Implementierung

  • Das horizontale und partizipative Governance-Modell des Projekts erhöht die Repräsentation von verschiedenen Interessen sowie die Legitimität des Projekts, führt aber zuweilen zu komplizierten und langsamen Entscheidungsprozessen
  • Die langfristige Bindung von ehrenamtlichen Helfer_innen ohne direkten lokalen Bezug und „Offline-Treffen“ ist schwierig
  • Die stetige Suche nach Finanzierungsmöglichkeiten bindet Ressourcen, die für inhaltliche Arbeit benötigt wird und führt zur Prekarisierung von Arbeitsverhältnissen

Unsere Aktivitäten erzeugen nicht nur ein großes Echo innerhalb der deutschen Medienlandschaft, sondern stoßen auch weltweit auf positives Feedback von Studierenden und Wissenschaftler_innen:

„Great Initiative! I would like to get involved as a material scout or other opportunities you have available.“

Fatima Betty, Studentin der Wirtschaftswissenschaften, York University, Kanada

„I assigned several articles from Exploring Economics to MA students of public policy in a course on International Economic Thought as mandatory and optional readings. he response from students was very positive: especially students without much background in economics regarded the taxonomies and overview articles as extremely helpful starting points. Students could also easily find related (media) content and thereby explore economics (!) and economic thought in a fun way. Many graphs and videos made their way into student presentations.“

Dr. Robert Lepenies, Hertie School of Governance Berlin, Deutschland

„Exploring-Economics.org holt die ökonomische Bildung ins 21. Jahrhundert. Eine Open-Access Lernplattform, die die Vielfalt ökonomischen Denkens präsentiert, die wir für die Herausforderungen unserer Zeit benötigen. Exploring-Economics.org zeigt, dass das humanistische Bildungsideal lebt.“

Professor Dr. Claus Dierksmeier, Direktor des Weltethos Instituts an der Universität Tübingen, Deutschland

Kernprinzipien

  • Bottom-Up-Prinzip: Studierende und Nachwuchswissenschaftler_innen setzen der Einseitigkeit und Realitätsferne der VWL-Lehre einen pluralen Lösungsvorschlag entgegen
  • Selbstorganisierte Lehre: Anfertigung und Bereitstellung von Open-Access Inhalten und Materialien für Selbststudium und Lehre
  • Multiperspektivität: Einbeziehung verschiedener Theorieschulen, Methoden und wissenschaftlichen Disziplinen
  • Zweisprachigkeit: Zugang für Internationale
  • Teilhabe: offene und breit angelegte Partizipationsmöglichkeiten für Studierende
  • Basisdemokratische Entscheidungsfindung: transparente Kommunikation und Diskurse auf Augenhöhe innerhalb des Projektteams

Weiterführende Informationen

Das Netzwerk Plurale Ökonomik e.V., besteht aus 30 assoziierten Gruppen in Österreich, der Schweiz und Deutschland. Wir sind Teil der International Student Initiative for Pluralism in Economics (ISIPE).

[1] http://www.exploring-economics.org/
[2] http://www.plurale-oekonomik.de/netzwerk-pluraleoekonomik
[3] http://www.isipe.net/

Kontakt

Institution: Exploring Economics ist ein Projekt des Netzwerks Plurale Ökonomik e.V.
Bereich: Lehre, Forschung
Initiator_innen: Mitglieder des Netzwerkes Plurale Ökonomik e.V.
Ansprechpartner_innen:

Team Exploring Economics
info@exploring-economics.org
http://www.exploring-economics.org/

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