Transfer

Austausch & Vernetzung

Die Hochschule im Elfenbeinturm – eine Hochschule in und für nachhaltige Entwicklung möchte genau dies nicht sein. Ausgestattet mit dem Willen, auch über die eigene Universität hinaus einen positiven Beitrag zu einer nachhaltigeren Entwicklung der Gesellschaft leisten zu wollen, wird Transfer da fast schon zur Pflicht. Transfer soll hier als wechselseitiger, partnerschaftlicher Austausch von Wissen, Ideen, Erfahrungen und Technologien zwischen Hochschulen und externen Partner_innen verstanden werden. Unter Nachhaltigkeitstransfer fallen dabei solche Transferaktivitäten, die einen Beitrag zu nachhaltiger Entwicklung leisten bzw. anstreben [1].

Zunehmend werden Hochschulen dazu aufgefordert, Transfer als „Third Mission“ zu begreifen und damit ihren zwei Kernaufgaben der Lehre und der Forschung um den Transfer zu erweitern [2] . Beispielhaft dafür angeführt sei das neue Transfer-Audit des Stifterverbandes für die deutsche Wissenschaft19 und die Förderinitiative „Innovative Hochschule“ des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF). Mit diesem Instrument werden besonders kleine und mittlere Universitäten sowie Fachhochschulen dabei gestärkt, ein regionales Innovationssystem aufzubauen beziehungsweise vorhandene zu verbessern.

Doch wie sieht erfolgreicher Transfer im Nachhaltigkeitsbereich, der alle daran beteiligten Akteure weiterbringt, genau aus? Was für unterstützende Strukturen und Rahmenbedingungen gibt es bereits?

Für Transfer in der Lehre ist der Projektverbund Climate Change Education ein Beispiel. Dabei wird der Transfer von Klimabewusstsein und nachhaltigen Anpassungsstrategien an den Klimawandel in Gesellschaft und Unternehmen durch innovative Bottom-up-Bildungskonzepte mit Schüler_innen und Auszubildenden umgesetzt. Die SchülerUni Nachhaltigkeit + Klimaschutz wurde 2005 vom Forschungszentrum für Umweltpolitik (FFU) als themenfokussiertes Bildungsformat für Berliner Schulen entwickelt. Seit 2009 öffnet das FFU zweimal im Jahr den Campus der Freien Universität Berlin und macht die abstrakte Themenwelt einer nachhaltigen Entwicklung für Kinder der 5. und 6. Klassen und deren Lehrkräfte mit Workshops und Fortbildungen greif- und erlebbar.

Die Sustainability Challenge ist eine bewährte Praxis-Lehrveranstaltung zu nachhaltiger Stadtentwicklung der WU Wien, der BOKU Wien, der TU Wien und der Universität Wien. Die Studierenden arbeiten in Teams entweder an einem selbstentwickelten Start-up-Projekt oder gemeinsam mit Praxispartner_innen an einem Service-Learning-Projekt. Die Veranstaltung schult Problemlösungskompetenzen, Konfliktfähigkeit, Erfahrungswissen, vernetztes Denken, Teamfähigkeit und fördert die Gestaltungskompetenz.

Ähnlich ist das Projekt ZukunftGestalten@HM an der Hochschule für Angewandte Wissenschaften München, das auch auf die Entwicklung von Gestaltungskompetenz im Rahmen eines transdisziplinären Lehrformats abzielt. Dabei soll durch die Kooperation mit externen Partnern_innen aus Gesellschaft und Politik ein konkreter Beitrag zur nachhaltigen Entwicklung auf lokaler Ebene geschaffen werden.

Das InnoForum Ökolandbau Brandenburg ist ein Praxis- Netzwerk, welches an die Ökolandbau-Studiengänge der Hochschule für Nachhaltige Entwicklung Eberswalde (HNEE) gekoppelt ist. Ziel ist der gelebte Transfer und die partnerschaftliche Bearbeitung von Forschungsprojekten und Lehre-Praxiskooperationen. Weiterhin versteht sich das InnoForum als offene Plattform für Begegnungen zwischen Praktiker_innen aus allen Bereichen der Wertschöpfung, Wissenschaftler_innen und Studierenden.

Die World Citizen School (WCS) in Tübingen vereint weltbürgerschaftlich engagierte Studierende, Zukunftsmacher_innen und Young Professionals. Über 300 engagierte Weltgestalter_innen bilden sich selbst, lernen von- und miteinander, schließen Kooperationen oder starten gemeinsam innovative (Bildungs-)Projekte in  und außerhalb der Univerisität. Durch Workshops, Netzwerkarbeit, E-Learning und prozessbegleitendes Coaching werden ethische Gestaltungs-, Führungs- und Kooperationskompetenzen gefördert.

Auch yooweedoo in Kiel möchte es Studierenden ermöglichen zu lernen, wie sie die Welt mit eigenen Projekten verändern können. Im einjährigen Lernprogramm lernen Studierende, ein eigenes Changeprojekt zu planen und umzusetzen. Das Lernprogramm macht Studierende mit Strategien von Social Entrepreneurship vertraut und zeigt ihnen, wie sie gesellschaftliche Herausforderungen mit unternehmerischen Ansätzen lösen können.

Eingebettet in den bundesweiten Wettbewerb Zukunftsstadt 2030+ (gefördert vom Bundesministerium für Bildung und Forschung) verfolgt die Hansestadt Lüneburg in insgesamt drei Arbeitsphasen und in enger Zusammenarbeit mit Universität und Stadtgesellschaft das Ziel, Lüneburg auf möglichst vielen Ebenen nachhaltiger zu gestalten. Hierzu wurden in der ersten Projektphase gemeinsam mit über 750 Erstsemester-Studierenden Visionen für Lüneburg im Jahr 2030 und darüber hinaus entwickelt. Nun entstehen in mehreren Workshops auf dieser Basis konkrete Maßnahmen, die dann in der dritten Phase umgesetzt werden sollen.

Nachhaltig durch Münster ist ein kritisch konstruktiver Ratgeber für einen nachhaltigen Lebensstil, der bereits bestehende Initiativen, Organisationen und Läden zusammenfasst. Leser_innen sollen dabei unterstützt werden, verantwortungsvoll zu handeln und bei alltäglichen Entscheidungen einen lokalen Beitrag zur Umsetzung der globalen Nachhaltigkeitssziele leisten zu können. Der Ratgeber wurde von Studierenden mit dem Ziel geschrieben, Menschen in Münster in ihrer Gestaltungskompetenz zu stärken.

[1] Die Definition auf Nölting, Dembski, Kräusche, Lehmann, Molitor, Pape, Pfriem und Walk (2018): Arbeitsdefinition „Nachhaltigkeitstransfer von Hochschulen“. Online abrufbar unter: http://www.hnee.de/de/Forschung/Nachhaltigkeit-an-Hochschulen-HOCHN-entwickeln-vernetzen-berichten-E8878.htm

[2] Roessler, Duong und Hachmeister(2015): Welche Missionen haben Hochschulen?: Third Mission als Leistung der Fachhochschulen für die und mit der Gesellschaft. Centrum für Hochschulentwicklung gGmbH.

Stöbere jetzt in den Beispielen des Transfers

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Studium Fundamentale Nachhaltigkeit
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Sustainability Challenge
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Ratgeber: Nachhaltig durch Münster
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Zukunftsstadt Lüneburg 2030+
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yooweedoo Ideenwettbewerb
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Die Best-Practice-Sammlung ist Teil des Projektes “Zukunftsfähige Hochschulen gestalten”, mit welchem wir studentisches Engagement für Hochschulen in nachhaltiger Entwicklung umfangreich unterstützen und fördern können. Nach einem ersten, erfolgreichen Pilotjahr geht es nun weiter – mit einem weiterentwickelten, noch besseren Konzept, viele Erfahrungen und einer intensiveren Betreuung der teilnehmenden Gruppen. Durchgeführt wird dieses Projekt vom netzwerk n e.V., und koordiniert von Verena Salomon, Jana Holz, Michael Flohr und Lisa Weinhold. Finanziell gefördert wird dieses Projekt durch das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF).