perspektive n

Berichte vergangener Veranstaltungen

© DUK/Till Budde

10. Mai 2017, Universität Stuttgart

Länder kommen und gehen, Universitäten bleiben

Am 10. Mai fand auf dem Campus Stadtmitte der Universität Stuttgart die Podiumsdiskussion „Zukunftsfähig?!“ statt. Veranstaltet wurde diese gemeinsam mit der Hochschulgruppe Greening Stuttgart und den Stuttgarter Change Labs, die sich beide im Bereich der Nachhaltigkeit engagieren. Eingebettet in die Debattenreihe perspektive n ging es um den aktuellen Stand und die Entwicklungsmöglichkeiten der Universität Stuttgart in Sachen nachhaltiger Entwicklung. Dabei standen insbesondere Fragen der Governance und der Stärkung des studentischen Engagements im Vordergrund.

Das Hauptanliegen der perspektive n ist es, an der Hochschule vor Ort alle Anspruchsgruppen zusammenzubringen, den Status quo bezüglich der Nachhaltigkeit transparent zu machen   und neue Impulse für nachhaltige Entwicklung an der eigenen Hochschule zu setzen. So war das Podium besetzt mit Herrn Dr. Waldbauer, Leiter des Rektoratsbüro der Universität, sowie Herrn Prof. Dr. Resch, Direktor des Höchstleistungsrechenzentrum (HLRS). Ebenfalls auf dem Podium waren Frau Dr. Christmann, Referentin des Ministeriums für Wissenschaft, Forschung und Kunst Baden-Württemberg und Herrn Dr. Meisch, Nachhaltigkeitswissenschaftler und Mitglied im Beirat für Nachhaltige Entwicklung der Universität Tübingen. Taalke Wolf vertrat als Studentin die Hochschulgruppe Greening Stuttgart.

Direkt zum Einstieg nannte Anna Christmann die Wissenschaft als Motor für Veränderung. Nachhaltigkeit kann mit dem Verzicht auf der einen und der Innovation auf der anderen Seite einhergehen. Die Hochschulen zu stärken und engagierte Studierende dabei zu unterstützen sollte dabei ein wichtiger Beitrag der Universität sein. Denn an der Universität Stuttgart ist noch Luft nach oben: die Frage nach dem Status quo in Sachen nachhaltige Entwicklung beantwortete das Publikum je zur Hälfte mit „die Uni steht noch ganz am Anfang“ und „Das Potenzial ist vorhanden“. Michael Waldbauer sieht das Thema der Nachhaltigkeit bereits im Leitbild der Universität enthalten.  Das müsse nur noch mehr belebt und die Initiativen, die es bereits gibt, sichtbar gemacht werden.

Wie viel Ausdauer aber nötig ist, um Projekte durchzubringen und zu erhalten, kann die Studentin Taalke Wolf aus eigener Erfahrung berichten. Vor allem am Finden richtiger Ansprechpersonen und dem Zurechtfinden in den universitären Strukturen können Projekte der Studierenden scheitern. Mit offen kommunizierten Ansprechpersonen und damit einhergehenden Kooperationen kann das auch anders sein: So konnten zu Beispiel der MitMachGarten sowie die Schlüsselqualifikations-Modul „Studierende für Studierende“ erfolgreich umgesetzt werden. Denn genau solche Unterstützung braucht es, bestätigt Simon Meisch von der Universität Tübingen. Das Rektorat der Universität Tübingen war von Beginn an positiv gegenüber Initiativen, berichtete er. Studierende seien starke Träger dieser Themen, aber man sollte ihnen die Umsetzung nicht alleine überlassen, auch da Nachhaltigkeit ein langfristiges Denken und Handeln impliziert und die Studienzeit im Bachelor-/ Masterprogramm recht begrenzt ist.

Mit der Möglichkeit des Publikums als Podiumsteilnehmern und einer lebhaften und aufschlussreichen Diskussionsrunde, brachte Michael Resch das Thema gegen Ende auf den Punkt: „Länder kommen und gehen, Universitäten bleiben. Universitäten müssen daher nachhaltig sein.“

Zum Schluss wurden gleich die nächsten Schritte vereinbart. Michael Resch möchte möglichst schnell die EMAS-Zertifizierung des Höchstleistungsrechenzentrums zu einem Erfolg führen, Greening Stuttgart eine Freifläche für den MitMachGarten zu Verfügung stellen und nachhaltige Entwicklung als Kriterium in die eigenen Ausschreibungen integrieren. Michael Waldbauer will den Austausch mit den Change Labs und Greening Stuttgart intensivieren und die Sichtbarkeit des Themas Nachhaltigkeit erhöhen. Fazit: die Türen stehen weit offen in Stuttgart. Schreitet hindurch, wir unterstützen Euch dabei gerne!

Wir wünschen Greening Stuttgart, den Stuttgarter Change Labs und allen Engagierten viel Erfolg und freuen uns auf den weiteren Austausch!

Den Bericht der Stuttgarter Change Labs findet Ihr hier.

Diskutant_innen:

  • Dr. Michael Waldbauer: Leiter Rektoratsbüro Universität Stuttgart
  • Prof. Dr. Michael Resch: Direktor Höchstleistungsrechenzentrum Stuttgart (HLRS) Universität Stuttgart
  • Dr. Anna Christmann: Referentin Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst Baden- Württemberg
  • Dr. Simon Meisch: Nachhaltigkeitswissenschaftler und Mitglied im Beirat für Nachhaltige Entwicklung Universität Tübingen
  • Taalke Wolf: Mitglied der Hochschulgruppe Greening Stuttgart

Moderation:

Johannes Geibel, Stellv. Vorstandsvorsitzender netzwerk n e.V. und Mitglied der Nationalen Plattform Bildung für nachhaltige Entwicklung

Nachhaltigkeitsverständnis der Diskutant_innen:

Michael Waldbauer:

„Meine Töchter (4 und 7) zu unterstützen, kreative und neugierige sowie reflektierte und verantwortlich handelnde Persönlichkeiten zu sein und dabei auch im Erwachsenenalter immer etwas Kind zu bleiben.“

Michael Resch:

„Nachhaltigkeit entsteht, wenn logisches Denken und verantwortliches Handeln aufeinandertreffen. Man könnte aber auch sagen: Nachhaltigkeit ist, wenn menschliche Gier sich auf die Frage konzentriert wie man sie auch in Zukunft noch befriedigen kann.“

Anna Christmann:

„Der 2012 vom Ministerium eingesetzte Expertenrat definiert Nachhaltige Entwicklung so, dass wir unsere Bedürfnisse in der Gegenwart befriedigen, ohne künftigen Generationen schlechtere Voraussetzungen zu hinterlassen.  Um dieses Ziel zu erreichen, sind alle Bereiche der Gesellschaft gefragt – die Wissenschaft ebenso wie die Wirtschaft und die Zivilgesellschaft. Wissenschaft steht dabei insbesondere dafür, dass wir dieses Ziel durch technische und soziale Innovationen erreichen wollen.“ 

Simon Meisch:

„Für mich ist Nachhaltige Entwicklung ein gerechtigkeitsbasiertes Konzept. Es ist die Möglichkeit aller Menschen ein gutes, gelingendes Leben führen zu können. Die natürlichen und sozialen Grundlagen für diese Möglichkeit sind zu schützen und auszubauen.“ 

Taalke Wolf:

Nachhaltigkeit ist für mich die Art und Weise zu handeln, leben, konsumieren und agieren, die es anderen Personen ermöglicht, auch in der Zukunft die gleichen Möglichkeiten, Chancen und Ressourcen zu ergreifen, die uns heute zur Verfügung stehen.“

perspektive n in Friedrichshafen, 12. April 2017

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