perspektive n

Berichte vergangener Veranstaltungen

© DUK/Till Budde

27. November 2019, Humboldt-Universität zu Berlin

Hochschulen for Future – eine Fishbowldiskussion

Gastbeitrag von Pascal Kraft von der Initiative Nachhaltigkeitsbüro der HU Berlin

An über 80 Hochschulen in ganz Deutschland fand die „Public Climate School“, die seitens der Students for Future vom 25. bis 29. November ausgerufen wurde und im 4. Globalen Klimastreik mündete, statt. So auch an der HU Berlin, die ein von Student_innen getragenes umfangreiches Programm auf die Beine stellten, in dem Professor_innen ihre Lehrinhalte auf den Klimawandel bezogen, Podiumsdiskussionen, Filmaufführungen, Tanzabende, Workshops, Vorträge und gemeinsame Kochabende ganz im Zeichen der Klimakrise standen.

Die Hochschulen in Berlin sind in dem Bestreben, einen klimaneutralen Betrieb zu gewährleisten, unterschiedlich weit fortgeschritten. Gerade der Druck durch Fridays for Future zwingt zum Umdenken. In den an zahlreichen Hochschulen in Berlin durchgeführten Vollversammlungen wurde die Forderung laut, die Uni-Betriebe klimafreundlich zu gestalten und eine Klimastrategie partizipativ mit der Studierendenschaft zu entwickeln. An der HU Berlin wurde dafür eine Akademische Senats AG gegründet, die über vier Monate hinweg erste einleitende Schritte hin zu einem „Nachhaltigkeitskompetenzzentrum“ entwickeln sollte, das die Thematik Nachhaltigkeit fest in die Universitätsstruktur verankert und in alle Bereiche der Universität (Lehre, Forschung, Betrieb, Governance) hinein wirkt.

Der Auftakt der perspektive n verlief zunächst ungewöhnlich, da er mit einem musikalischen Beitrag der Band Levin König startete. Indie Rock Klänge hallten durch die Gänge der Dorotheenstraße 26 und zogen so weitere neugierige Studierende in die 1. Etage des Philosophie Instituts. Insgesamt waren ungefähr 30 Personen dabei.

Pascal Kraft von der Fridays for Future Gruppe der Humboldt-Universität zu Berlin und der studentischen Initiative Nachhaltigkeitsbüro übernahm zunächst die Einführung in die Thematik: Hochschulen for Future. Durch den Druck der Fridays for Future kam es durch besagte Vollversammlungen zu ersten Gespräche, wie eine Universität in Zukunft klimaneutral agieren kann. Die HU stieß im Jahr 2018 im Bereich Wärme und Energie ca. 5.400 t CO2 aus, dies entspricht ca. 1.000 Interkontinental-Flügen. Doch zu einem klimaneutralen Betrieb gehört deutlich mehr, wie etwa Beschaffungsmaßnahmen und Flugreisen, die einer Studie der ETH Zürich zufolge etwa die Hälfte der CO2 Bilanz ausmacht. Durch den Aufbau eines Nachhaltigkeitskompetenzzentrums, das sich aus dem Nachhaltigkeitsbüro, einer dauerhaften Kommission vor dem Akademischen Senat und einer Klimamanager_in, die im Präsidalbereich angesiedelt ist, sollen die Themen in den Uni-Alltag implementiert und Lösungsansätze entwickelt werden.

Andere Universitäten sind bereits weiter und haben etwa Stabsstellen für den Bereich Nachhaltigkeit und Klimaschutz. Hierüber berichteten die Gäste an dem Abend Jörg Romanski (Umweltbeauftragter der Stabsstelle Sicherheitstechnische Dienste und Umweltschutz TU Berlin) und Andreas Wanke (Leiter der Stabsstelle “Nachhaltigkeit und Energie” der Freien Universität), welche Fortschritte und Hürden oftmals bestehen.

Veronika Pinzger (Studentin, Fridays for Future HU und Nachhaltigkeitsbüro) gab zu bedenken, dass Nachhaltigkeit bisher immer nur von Einzelnen innerhalb universitärer Strukturen getragen und gedacht wurde und die Politik zum einen schneller handeln müsse und der Wissenschaft mehr Gehör schenken solle. Dr. Ina Czyborra (Sprecherin für Wissenschaft der SPD) möchte einen größeren Austausch seitens der Politik mit der  Wissenschaft anregen und konkrete Umsetzungsschritte für mehr Klimaschutz einbringen. Das Publikum hatte zum einen die Gelegenheit, oft in kleinen Gruppen zu diskutieren, wie weit nun ihre Hochschule sei oder welche Punkte in der CO2-Bilanzierung bisher völlig vernachlässigt wurden. Am Ende der Diskussion bestand der Konsens, dass es gerade mehr dieser Austauschformate braucht, um voneinander zu lernen und um gemeinsame Synergieeffekte zu erzeugen, die einen Wandel in den Hochschulen erzeugen.

Diskutanten und Diskutantinnen:

  • Veronika Clara Pinzger, FFF HU und Nachhaltigkeitsbüro HU
  • Jörg Romanski, Umweltbeauftragter der Stabsstelle Sicherheitstechnische Dienste und Umweltschutz TU Berlin
  • Andreas Wanke, Leiter der Stabsstelle “Nachhaltigkeit und Energie” der Freien Universität
  • Ina Czyborra, Sprecherin für Wissenschaft der SPD im Berliner Abgeordnetenhaus
  • … und alle Anwesenden

Einführung: Pascal Kraft

Moderation: Josef Kaiser, netzwerk n

Musik: Levin König

14. Dezember 2017, Humboldt-Universität zu Berlin

Nachhaltige Humboldt-Universität zu Berlin? Viel Luft nach oben!

„HU – wie nachhaltig willst du sein?“ – zur Diskussion dieser Frage lud die studentische Initiative Nachhaltigkeitsbüro an der Humboldt-Universität zu Berlin (HU) gemeinsam mit dem netzwerk n am 14. Dezember 2017 ein. Mit fünf Diskutant_innen aus unterschiedlichen Universitätsbereichen, darunter auch die Präsidentin der HU Prof. Dr. Sabine Kunst, wurde gemeinsam mit den Anwesenden über Projekte, Ideen und Strukturen für eine Kultur der Ermöglichung zum Thema Nachhaltigkeit debattiert. Dabei standen folgende Fragen besonders im Fokus: Wie hat sich die HU in den letzten Jahren im Themenfeld Nachhaltigkeit entwickelt? Welche Visionen lassen sich für eine zukünftige Entwicklung des Themas in den Bereichen Lehre und Betrieb zeichnen? Welche strukturellen Verankerungsmöglichkeiten sollten implementiert werden, um einen solchen Transformationsprozess zu stützen? Und auf welche Weise kann dabei das wichtige studentische Engagement unterstützt werden, um mit diesen Potenzialen und Ideen aktiv den Gestaltungsprozess hin zu einer nachhaltigeren Uni fortzuführen?

Diese Fragen beschäftigen eindeutig nicht nur die etwa zehn aktiven Mitglieder der studentischen Initiative Nachhaltigkeitsbüro – im Auditorium des Grimm-Zentrums, in dem die Veranstaltung stattfand, blieb kaum ein Platz leer. Über 120 Menschen waren anwesend, um mitzuhören – und mitzudiskutieren. Denn während der gesamten Veranstaltung bestand für das Publikum die Möglichkeit, auf zwei zusätzlichen Stühlen auf dem Podium Platz zu nehmen und sich von dort aus aktiv in die Debatte einzumischen.

Kernbestandteil der Diskussion stellte das durch unsere studentische Initiative Nachhaltigkeitsbüro erarbeitete “Konzeptpapier für eine strukturelle Verankerung von Nachhaltigkeit an der Humboldt-Universität zu Berlin” dar, in dem Visionen für eine nachhaltige Entwicklung in den Bereichen Lehre, Forschung, Betrieb und Governance beschrieben sowie konkrete Umsetzungsschritte vorgeschlagen und zur Diskussion gestellt werden. Zugleich werden innerhalb des Papiers auch erste erfolgreiche Projekte und vielversprechende Ansätze vorgestellt, ob von Studierenden oder Mitarbeitenden der Universität. Dabei wird deutlich, dass unsere Universität, was das Thema Nachhaltigkeit angeht, erst am Anfang steht – aber sie fängt nicht bei Null an. Beispielsweise werden seit nunmehr viereinhalb Jahren Deutschlandstipendien in der Themenklasse “Nachhaltigkeit und globale Gerechtigkeit” vergeben, innerhalb derer im Laufe eines Jahres Projekte umgesetzt werden, welche aus einer Forschungsperspektive die HU hinsichtlich ihrer Nachhaltigkeit und Aspekten globaler Gerechtigkeit in den Blick nehmen. Betreut wird diese Themenklasse vom IRI THESys, einem interdisziplinären Forschungsinstitut, das sich mit der Erforschung von Mensch-Umwelt-Beziehungen beschäftigt und damit Nachhaltigkeit als wichtiges Thema adressiert. Ein Blick in die Projektsammlung unserer Initiative zeigt weiterhin, wie viel Kreativität und Stunden studentischen Engagements bereits in eine Vielzahl von Projekten geflossen sind, die „im Sinne der Nachhaltigkeit“ die Transformation einer riesigen Universität von verschiedenen Punkten angehen. Beispielsweise wird seit drei Jahren jeweils im Sommersemester eine Ringvorlesung durch unsere Initiative organisiert, zu der verschiedene Wissenschaftler_innen aus unterschiedlichen Disziplinen Vorlesungen halten und Diskussionen anregen. Jedes Jahr aufs Neue werden diese Ringvorlesungen von Studierenden aller Fachrichtungen gut besucht. Die Nachfrage ist groß. Und mehr Lehrveranstaltungen in dieser Form zu organisieren, die zusammen ein Modul im überfachlichen Wahlpflichtbereich ergeben, ist ein großes Ziel unserer Initiative.

Sowohl im Zuge des Inputs unseres Initiativenmitglieds Rebecca Geyer wie auch in der anschließenden Diskussionsrunde bestätigte sich, dass es bereits auf Seiten von Studierenden und Mitarbeitenden vielversprechende Ansätze an der HU gibt.

Neben der Präsidentin Sabine Kunst, über deren Kommen wir uns sehr gefreut haben, konnten durch die weiteren Podiumsgäste verschiedene Perspektiven in die Debatte eingebracht werden. Johannes Geibel, Vorstandsmitglied des netzwerk n und Mitglied der Nationalen Plattform Bildung für Nachhaltige Entwicklung, brachte seine Erfahrung aus der Arbeit an studentischen Nachhaltigkeitsprojekten verschiedener Universitäten in die Debatte ein und zeigte damit, dass Nachhaltigkeit auch in größeren Maßstäben implementierbar ist. Auch Andreas Wanke, Leiter der Stabsstelle Nachhaltigkeit und Energie der Freien Universität Berlin, konnte einiges über erfolgreiche universitäre Projekte zum Thema Nachhaltigkeit berichten. Die voranschreitenden Nachhaltigkeitsbestrebungen an einer ähnlich großen Universität wie der HU liefern ein gutes Beispiel dafür, wie eine große Bildungs- und Forschungseinrichtung die mit ihrer Vorbildfunktion einhergehende Verantwortung in die Tat umsetzt und dabei sogar monetär wie physisch einiges an Ressourcen einspart. Josef Kaiser, Masterstudent der Geografie, setzt sich seit der Geburtsstunde des Nachhaltigkeitsbüros vor etwa viereinhalb Jahren dafür ein, dass das Projekt Nachhaltigkeit auch an der HU Berlin nicht nur ein ferner Traum bleibt, sondern unter der Beteiligung der Studierendenschaft wie auch der Mitarbeiter_innen Wirklichkeit im Universitätsalltag wird. Genau wie er ist auch Professorin Kirsten Meyer Mitglied des vom vorherigen Präsidenten Jan-Hendrik Olbertz und unserer Initiative Anfang 2016 initiierten, statusgruppenübergreifenden „Forums Nachhaltige Universität“. Jenes Forum tagte in der Vergangenheit regelmäßig, um eine Nachhaltigkeitsstrategie für die HU zu entwickeln, wurde jedoch leider seit dem Amtsantritt von Sabine Kunst im Mai 2016 zum letzten Mal im Dezember 2016 einberufen. Ein Ergebnis der Arbeit bis Mai 2016 war jedoch die Einstellung eines Energiemanagers, um so über die kommenden Jahre hinweg ein Monitoring aufzubauen und mögliche Einsparpotenziale auszumachen.

 

Ein Schwerpunkt der Diskussion lag auf dem Studium Oecologicum nach dem Tübinger Vorbild, für das die bereits genannte Ringvorlesung einen wichtigen Startpunkt darstellt. Die Vorbereitung von Lehrveranstaltungen sowie deren Bewerbung und Anrechnung kostet jedoch viel Zeit und Mühe. Um ein umfassendes Lehrprogramm auf die Beine zu stellen, braucht es zusätzlich zum studentischen Engagement die Unterstützung der Universität, nicht zuletzt durch die Finanzierung von Stellen – ein Anliegen, das auf dem Podium ausführlich und leidenschaftlich diskutiert wurde. Leider konnte und wollte Sabine Kunst keinerlei Zusagen zu einer möglichen finanziellen Unterstützung machen. Dennoch wurde als Ziel festgehalten, eine Implementierung weiter voranzutreiben – auch durch einen engen Kontakt zwischen dem Vizepräsidium für Studium und Lehre, unserer Initiative und weiteren interessierten Akteuren.

Einen zweiten Schwerpunkt stellte die in den letzten Monaten fehlende Gesprächsbereitschaft des Präsidiums hinsichtlich der Schaffung fester Strukturen für das Thema Nachhaltigkeit dar. Sabine Kunst versprach jedoch diesbezüglich, eine konkrete Ansprechperson seitens des Präsidiums im Januar 2018 zu benennen, sodass weitere Gespräche wie auch eine Fortführung des Forums Nachhaltige Universität möglich sind. Außerdem sicherte sie ein gemeinsames Treffen im Januar oder Februar 2018 zu.

Insgesamt bewerten wir die perspektive n als vollen Erfolg – zeigte sich doch gerade durch das offene und partizipative Format, wie viele Ideen und wie viel positiver Wille bei vielen Universitätsangehörigen vorhanden ist. Besonders freuen wir uns, dass sich Sabine Kunst an dieser Diskussion beteiligt hat, wenngleich das Thema Nachhaltigkeit ihrer Ansicht nach aktuell leider keine hohe Priorität besitzt, auch da “die Bäume an der HU nicht in den Himmel wachsen”. Von unserer Seite möchten wir jedoch ausdrücklich darauf aufmerksam machen, dass das Vorhandensein verschiedener weitere Baustellen an der HU angesichts von Klimawandel, Biodiversitätsverlusten und globaler Ungerechtigkeit kein Grund sein darf, die Vision einer zukunftsfähigen und nachhaltigen HU nicht zu konkretisieren. Unsere Universität besitzt als Impulsgeberin eine wichtige Verantwortung innerhalb unserer Gesellschaft. Für eine solche Konkretisierung werden wir uns in der kommenden Zeit mit ganzer Kraft einsetzen. Dazu möchten wir alle Universitätsangehörigen und besonders auch die Universitätsleitung zu einem stetigen Dialog aufrufen, um gemeinsam diese Vision auszugestalten und reichlich vorhandenen Potenziale zu aktivieren. Denn sicherlich sind wir uns bezüglich des Abschlussstatements von Johannes Geibel alle einig: “Die HU Berlin muss aufpassen, dass sie nicht die Äste absägt, auf denen sie sitzt”.

Diskutant_innen:

Prof. Dr. Sabine Kunst, Präsidentin der HU Berlin

Prof. Dr. Kirsten Meyer, Professorin für Praktische Philosophie und Didaktik, Mitglied Forum Nachhaltige Universität

Andreas Wanke, Leiter der Stabstelle Nachhaltigkeit und Energie an der FU Berlin

Josef Kaiser, studentische Initiative Nachhaltigkeitsbüro, Mitglied Forum Nachhaltige Universität

Johannes Geibel, Vorstand netzwerk n e.V. und Mitglied der Nationalen Plattform Bildung für nachhaltige Entwicklung

Moderation:

Michael Flohr, Vorstand netzwerk n e.V.

perspektive n an der Universität Halle, 28. Juni 2017

perspektive n an TU Berlin, 30. Mai 2017

perspektive n an der Universität Halle, 28. Juni 2017

perspektive n in Witten, 7. Juni 2017 | © Michael Kotowski