Call for Participation

Neuauflagen der Good Practice-Sammlung des netzwerk n zu Nachhaltigkeit an Hochschulen

1) Suffizienz an Hochschulen im ländlichen Raum
2) Nachhaltigkeit und Mobilität (in Kooperation mit dem Verkehrsclub Deutschland)
3) Nachhaltigkeit und Digitalisierung (mit Unterstützung des Hochschulforum Digitalisierung)

Mit drei themenspezifischen Good Practice-Sammlungen setzen wir die zwei allgemeinen, stark nachgefragten und sehr positiv aufgenommenen und rezipierten Auflagen unserer Sammlung von Beispielen gelingender Nachhaltigkeit an Hochschulen fort.

Kontext

Ökologische, soziale und ökonomische Krisen sind keine Ausnahmen, sie gehören mittlerweile zum Alltag der Menschen auf diesem Planeten. An politischen Absichtserklärungen, wie diese Krisen zu lösen seien, mangelt es nicht, es gibt sie aktuell sogar in erfreulicher Häufigkeit – siehe u.a. die Empfehlung der HRK (2018) „Für eine Kultur der Nachhaltigkeit“. Doch Papier ist geduldig und die Umsetzung geht nur schleppend voran. Die weltweiten Fridays for Future-Proteste der jungen Generation und die Initiative Scientists for Future legen den Finger in die Wunde und lenken die Aufmerksamkeit auf die nach wie vor auch an Hochschulen vernachlässigten Ziele: Klimaschutz, Klimagerechtigkeit und Nachhaltigkeit. Hochschulen stehen in der Verantwortung, stärker aktiv zu werden. Und viele Beispiele des Gelingens an Hochschulen zeugen bereits heute davon, was möglich ist und sein kann.

Good Practice-Sammlungen für nachhaltige Hochschulen

Bislang veröffentlichte das netzwerk n zwei Auflagen mit jeweils 1.500 Exemplaren (Oktober 2016, Juli 2018). All diese Geschichten des Gelingens sind zudem online und drei zugleich in Video-Form[1] erschienen. Aus den zahlreichen Einsendungen konnten wir bisher 57 erprobte und etablierte Good Practices nachhaltiger Hochschulgestaltung systematisch aufgearbeitet einem breiten Publikum zugänglich machen. Die Projekte, Strukturen und Ansätze kommen dabei aus allen Bereichen der Hochschule: Lehre, Forschung, Betrieb & Campusleben, Governance sowie Transfer.

Die starke Nachfrage und die positive Resonanz bestärkten uns, die Sammlung mit drei Themenheften neu aufzulegen. Hierbei stehen Themen im Fokus, die von der Forschung als extrem relevant für eine nachhaltige Entwicklung eingeschätzt werden, aber im Hochschulkontext noch nicht systematisch dokumentiert wurden und zu wenig Beachtung finden: 1) Suffizienz, 2) Nachhaltigkeit und Mobilität, 3) Nachhaltigkeit und Digitalisierung.

Die Sammlungen sollen a) inspirieren, Impulse für Veränderungen setzen und für Entscheider*innen und Nachhaltigkeitsinitiativen eine praxisorientierte Anleitung zum Wandel bieten, b) ein starkes Kommunikationsmittel in hochschulpolitischen und regionalen Transformationsprozessen sein sowie c) als Bildungsmaterial an und außerhalb von Hochschulen dienen.

Euer / Ihr Beitrag für die Good Practice-Sammlungen

Egal ob studentisch, nicht-studentisch oder statusgruppenübergreifend, egal ob Bottom-up, Top-down oder beides kombinierend – wir suchen in drei Themenbereichen Eure / Ihre erfolgreichen und inspirierenden Projekte, Strukturen oder Ansätze des Gelingens für nachhaltige Hochschulen. Sendet uns bzw. senden Sie uns auch gerne mehrere Erfolgsbeispiele; ggf. passen Beispiele auch in zwei oder drei unserer Themenbereiche.

Die Suffizienz ist neben der Effizienz und der Konsistenz eine zentrale Strategie, um Gesellschaften auf den Pfad der nachhaltigen Entwicklung zu bringen. Besonders für Organisationen wie Hochschulen haben Suffizienzstrategien ein enormes, noch selten genutztes Potenzial – daher sind wir auf der Suche nach suffizienten Projekten, Strukturen und Ansätzen an Hochschulen im ländlichen Raum! Wir fokussieren den ländlichen Raum, da Hochschulen dort besonders als Ankerpunkte mit Vorbild- und Innovationsfunktion wirken, aber gerne im Vergleich zu den großen, in urbanen Räumen angesiedelten Hochschulen vergessen werden. Gleichwohl sind mehr als ein Viertel aller Hochschulen in Deutschland im ländlichen Raum ansässig.[2]

Suffizienz bedeutet, dass Konsummuster reflektiert und verändert werden, sodass die Nutzung von Ressourcen innerhalb der planetaren Tragfähigkeit bleibt. Übersetzt heißt das, Genügsamkeit sowie das ‚richtige‘ und ‚notwendige‘ Maß des Umweltverbrauchs auf individueller oder organisationaler Ebene anzuvisieren. Konkret weisen folgende Stichwörter auf Suffizienz hin: Reduktion, Substitution und Anpassung des Ressourcenverbrauchs an die endlichen Ressourcen unserer Erde, ebenso wie Eigenproduktion oder gemeinsame, langlebige Nutzung von Gütern – diese Strategien stehen auch in Verbindung mit einem achtsamen, bewussten Umgang mit sich selbst, anderen Menschen und der Umwelt. All dies bietet die große Chance, Ressourcen direkt zu sparen, globale Klimagerechtigkeit zu schaffen und den Weg in eine ressourcenschonende Zukunft zu ebnen.

Wir sind gespannt auf kreative Einreichungen, die Hochschulen sowie ihre Mitglieder und Angehörigen suffizienter machen. Exemplarisch suchen wir: Mobilitätskonzepte zur reduzierten Nutzung des motorisierten Individualverkehrs (z.B. Carsharing, innovative ÖPNV-Konzepte) oder von berufs- und studienbedingten Flugreisen, Ansätze zur Nutzung von Digitalisierung zur Ressourcenvermeidung, Maßnahmen für digitale Suffizienz (siehe digital Detox), Mensakonzepte mit großem regional-saisonalen und veganem / vegetarischem Angebot, Strategien zur Abfallvermeidung, Maßnahmen zur Ressourceneinsparung im Betrieb (Zeitschaltuhren etc.), Repair-Cafés, Obst- und Gemüseanbau sowie Bienen oder Schafe auf dem Campus, Lehrveranstaltungen und Forschungsprojekte mit Suffizienz-Schwerpunkten, Räume für Momente der Achtsamkeit (siehe Jurte an der HNE Eberswalde), Konzepte zur Übertragung von Suffizienz- und Postwachstumsansätzen auf die Hochschul- und Wissenschaftsstruktur (z.B. Reduktion des quantitativen Publikationsdrucks, Zeitwohlstandskonzepte für Mitarbeitende und Studierende), Suffizienz-Challenges von Mitgliedern und Angehörigen der Hochschule, Leitfäden zu suffizientem Leben, Kooperationen und Transfer mit lokalen Initiativen zur Förderung von Suffizienz und viele mehr!

Ein konkretes Beispiel sei kurz genannt: Die Hochschule Furtwangen entwickelte in ihrem Projekt „Mobilität an ländlichen Hochschulen“ innovative und suffiziente Mobilitätskonzepte zu Fahrgemeinschaften, Carsharing und der besseren Nutzung des ÖPNV.

Wenn Unsicherheit besteht, ob eine Einreichung den Kriterien der Suffizienz entspricht, sind wir trotzdem gespannt auf jeden Vorschlag – häufig haben nachhaltige Strukturen unwissentlich auch suffiziente Effekte. Ebenso freuen wir uns über Einreichungen, auch wenn Unsicherheit besteht, ob Eure / Ihre Hochschule dem ländlichen Raum zuzuordnen ist.

Die Veröffentlichung ist im zweiten Quartal 2020 geplant.

Wir wollen gemeinsam mit dem Verkehrsclub Deutschland e.V. (VCD) den Fokus auf Projekte, Strukturen und Ansätze der nachhaltigen Mobilität an Hochschulen richten. Wir möchten dabei herausarbeiten, wie nachhaltige Mobilität an Hochschulen befördert und strukturell verankert werden kann, und veranschaulichen, welche messbaren Auswirkungen und Ergebnisse nachhaltige Mobilität an Hochschulen mit sich bringt.

Verkehr und das Mobilitätsverhalten von Menschen bilden ein zentrales Handlungsfeld, um Klimaschutz und Nachhaltigkeit an Hochschulen umzusetzen. Doch erst in jüngster Zeit wird es vermehrt von Hochschulen aufgegriffen. In manchen Großstädten gelten Hochschulen als Hauptverkehrsverursacher. Als große Arbeitgeber haben sie einen enormen Einfluss und Hebel auf den Pendelverkehr – ob individuell motorisiert, per ÖPNV, Fahrrad oder zu Fuß. In der Wissenschaft sind Reisen per Flugzeug ebenso wie für Auslandssemester von Studierenden keine Seltenheit und tragen einen wesentlichen Teil zu den hochschulischen CO2-Emissionen bei.

Zukunftsfähige und wirkmächtige Ansätze werden bereits zahlreich erprobt, in einigen Fällen sind sie sogar schon in der Hochschulstruktur verankert, so z.B. die Mobilitätsplattform der ETH Zürich oder das klimaneutrale Semesterticket an der HNE Eberswalde. Dennoch: Die Verbreitung dieser Beispiele des Gelingens bleibt bislang aus. Mit der Good Practice-Sammlung wollen wir deren Strahlkraft erhöhen und das Bewusstsein aller Angehörigen und Mitglieder von Hochschulen schärfen. Exemplarisch suchen wir Erfolgsbeispiele wie Mobilitätsmanagement-Konzepte für den Campus, ganzheitliche Mobilitätsstrategien, Fahrradwerkstätten, hochschuleigene (Lasten‑)Radverleihe, End-of-Trip Facilities, Leitlinien und Klimafonds für (Flug‑)Dienstreisen, die Einrichtung von zeitgemäßen Videokonferenzräumen als Dienstreise-Ersatz, effektive Kooperationen mit Nahverkehrsbetrieben und Mitfahr-Apps, klimafreundliche Umrüstung der Dienstwagenflotte, Informationskampagnen, Lehrformate und Forschungsprojekte.

Die Veröffentlichung ist im zweiten Halbjahr 2020 geplant.

Nur wenn der digitale Wandel und die Transformation zur nachhaltigen Entwicklung konstruktiv verzahnt werden, kann es gelingen, Klima- und Erdsystemschutz sowie soziale Fortschritte menschlicher Entwicklung voranzubringen (WGBU, 2019). Dies gilt auch für Hochschulen, die in der Verantwortung stehen und die Möglichkeiten besitzen, die in der Vergangenheit häufig als konkurrierend wahrgenommenen oder gegenseitig ignorierten Themen Nachhaltigkeit und Digitalisierung zusammenzudenken. Deshalb suchen wir Projekte, Strukturen und Ansätze an und von Hochschulen, die diese Verzahnung bereits heute erfolgreich erproben und leisten.

Es gibt viele Digitalisierungsvorhaben, die sich nicht unbedingt als nachhaltig verstehen, obwohl sie z.B. die Zugänglichkeit zu Bildung erleichtern, Open Source und Green IT begünstigen, Datenschutz und Privatsphäre fördern oder durch modulare Hardware oder automatisierte Steuerung Ressourcen schonen – also Digitalisierung und Nachhaltigkeit bereits verzahnen. Eine beispielhafte Struktur ist die Smart Library der Universität Hildesheim, bei der durch intelligente Steuerungssysteme der Energieverbrauch gesenkt wird. Andere erfolgreiche Ansätze sind die digitalen Nachhaltigkeitslandkarten der Universität Hamburg oder die Vorlesungen mit virtuellen Laborübungen an der Hamburg Open Online Universität.

Exemplarisch wollen wir unter anderem erfassen,

  • wie Digitalisierung die Umsetzung innovativer Lernkonzepte und Bildung für nachhaltige Entwicklung (BNE) begünstigt,
  • wie ein ressourcenschonender, müllvermeidender und suffizienter Umgang bei der Beschaffung und Nutzung von Hardware aussieht,
  • wie Menschen befähigt werden, Hardware langlebig zu nutzen, selbständig zu reparieren sowie bewusst und achtsam mit dem Abrufen von Datenmengen und digitalen Angeboten umzugehen,
  • wie eine verantwortungsvolle digitale Erhebung und Nutzung von Studierendendaten erfolgen kann,
  • wie im Betrieb Organisationsabläufe durch digitale Tools erleichtert werden,
  • wie im Betrieb Ressourcenströme und -verbräuche erfasst werden, sodass Einsparungen bis hin zur CO2-Neutralität umgesetzt werden.
  • wie Open Source durch Beschaffung, Bereitstellung und Entwicklung von Software begünstigt wird,
  • wie durch digitale Tools die Beteiligung, Inklusivität und Diversität von Studierenden und insgesamt aller Statusgruppen in Hochschulstrukturen und Entscheidungsprozesse gestärkt wird,
  • wie Machtkonzentration und -gefälle sowie Hierarchien durch digitale Mittel reduziert werden,
  • wie kooperative Plattformen den Wissenstransfer, den Erfahrungsaustausch und die Zusammenarbeit zwischen Forschung und Lehre oder / und zwischen hochschulischen und außerhochschulischen Personengruppen erleichtern und begünstigen,
  • wie Forschungsprojekte beide Themen verzahnen.

Die Veröffentlichung ist im zweiten Halbjahr 2020 geplant. Die Sammlung entsteht mit Unterstützung des Hochschulforum Digitalisierung.

Vorgehen und Fristen

Füllt bzw. füllen Sie bis zum 14. Februar 2020 (Frist für Digitalisierung bis 13. März 2020) den jeweiligen Kurzfragebogen für 1) Suffizienz an Hochschulen im ländlichen Raum, 2) Nachhaltigkeit und Mobilität oder 3) Nachhaltigkeit und Digitalisierung aus und sendet bzw. senden Sie ihn an good@netzwerk-n.org. Falls eine Einreichung geplant ist, aber mehr Zeit benötigt wird, bitten wir um eine kurze Nachricht. Nachdem wir eine Übersicht über die Anzahl, Vielfalt und thematische Passung der Beispiele des Gelingens haben und eine Vorauswahl getroffen haben, kommen wir in einem zweiten Schritt erneut auf Euch / Sie zu, um die Beispiele systematisch aufzuarbeiten.

Wir ermutigen ausdrücklich zur Einreichung, auch wenn Unsicherheit besteht, ob das Beispiel passend ist. Wir sind zudem für kurze Hinweise auf weitere Euch / Ihnen bekannte Beispiele des Gelingens dankbar, damit wir diese persönlich kontaktieren können.

[1] Studium Oecologicum Universität Tübingen: https://youtu.be/VdfupzvBkq8; Runder Tisch zur nachhaltigen Entwicklung HNE Eberswalde: https://youtu.be/7o2O6jyaZx8; Projektwerkstätten TU Berlin: https://youtu.be/MTdGdHnL7CQ

[2] Abgrenzung nach Patrick Küpper (2016): Abgrenzung und Typisierung ländlicher Räume. Thünen Working Paper 68 des Thünen-Instituts für Ländliche Räume.

3 Kommentare

Hallo,

ich würde ja gern ein Projekt meiner Hochschulgruppe, das sich großer Beliebtheit unter den Studienanfängern erfreut, einreichen. Allerdings habe ich ein paar Probleme mit den PDF-Formularen/ der M$-Office-Datei. Kann die Fragen auch per E-Mail beantworten?

Dr. Michael Flohr

Hallo, wir wollten euch sowieso noch schreiben, da wir dein Beispiel von der konferenz n sehr gut finden. Ja, du benutzt sicherlich nicht MS Office – für andere Textprogramme habe ich das Formular nicht getestet. Schicke die Fragen daher gerne per Mail ausgefüllt an good@netzwerk-n.org

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