© Lisei Martin / PerLe

[Auszug aus Perspektiven. eMagazin für aktuelle Themen der Hochschuldidaktik 03|2019 mit dem Schwerpunkt 4. Konferenz für studentische Forschung]

perspektive n an der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel: „Das Potenzial nicht verstreichen lassen.”

Eine Diskussion zu nachhaltiger Hochschule im Rahmen der 4. Konferenz für studentische Forschung (StuFo)

Gastbeitrag von Rebecca Such, Fotos von Lisei Martin / PerLe

Die drei Aufgaben einer Universität sind Forschung, Lehre und Gesellschaftsbezug – passend zusammengefasst im Motto der diesjährigen StuFo: „Forschung vermitteln, Lehre voranbringen, Gesellschaft gestalten“. Diese drei Bereiche mit dem Thema Nachhaltigkeit in Verbindung zu bringen, stand im Mittelpunkt der abendlichen Diskussion perspektive n am 26. September 2019. Moderatorin Annika Taubert vom deutschlandweit agierenden netzwerk n ging es vor allem darum, Ideen auszutauschen, wie und wo man nachhaltige Strukturen an Universitäten etablieren kann, wer dafür zuständig ist und was auf dem Weg zu echter Nachhaltigkeit noch alles getan werden muss. Passend zur StuFo und zum netzwerk n stand bei allen Fragen die Rolle der Studierenden besonders im Blickpunkt.

Einleitend bat Taubert die Podiumsgäste um ein Statement zur Frage, was Nachhaltigkeit mit Lehre zu tun habe. Ilka Parchmann sieht Studierende als Partizipator_innen und Multiplikator_innen: „Universitäten sind eine einmalige Personenkonstellation aus Studierenden, Lehrenden und Forschenden. Die wertvollen Erfahrungen und Ergebnisse aus deren Arbeit sollen für die Öffentlichkeit aufbereitet werden.“ Dietmar Fahnert betonte den Stellenwert studentischer Gestaltungskompetenz: „Hochschulen sind in meinen Augen Spielwiesen für Nachhaltigkeit, hierher kommt der Mut zur Transformation.“ Bei der Frage, wie Nachhaltigkeit konkret an der Universität umgesetzt werden kann, wurden die Standpunkte kontroverser. So sahen zum Beispiel Parchmann und Fahnert auch die Studierenden in der Pflicht, sich für noch mehr nachhaltige Entwicklung an ihren Hochschulen einzusetzen.

© Lisei Martin / PerLe

Bei einzelnen Initiativen wie dem YooWeeDo Ideenwettbewerb oder klik – klima konzept 2030 ist studentisches Engagement bereits ein zentraler und integraler Bestandteil. Im Publikum wurde die Verantwortung und Rolle der Studierenden insgesamt kontrovers diskutiert– die zwei freien Stühle im Innenkreis wurden rege frequentiert. Aspekte wie mangelnde Zeit im durchgetakteten Regelstudium, Regulierungen durch das BAföG oder auch die vergleichsweise kurze Zeitspanne, die Studierende an der Hochschule verbringen, würden studentisches Engagement erschweren. Annika Taubert machte gleich zu Beginn der Diskussion darauf aufmerksam: „Viele Universitäten haben großes Potenzial beim Thema Nachhaltigkeit, das mit den Jahren aber leider zu verstreichen droht.“

Die Moderatorin band das Publikum unterdessen immer wieder aktiv in die Diskussion mit ein. Mittels roten, gelben und grünen Pappkärtchen beteiligte sie die Gäste zum Beispiel an Ampelabstimmungen über die vorgetragene Definition von Nachhaltigkeit. In einer Murmelphase diskutierte das Publikum in Kleingruppen, was zum guten Lernen an der Hochschule benötigt wird. Einig waren sich die Diskussionsteilnehmenden darin, dass Nachhaltigkeit gerade in den Strukturen wichtig ist. Zur Inspiration wurden in kurzen Videos bereits umgesetzte Projekte anderer Universitäten vorgestellt, unter anderem das Green Office der Universität Hildesheim sowie das bologna.lab der Humboldt Universität zu Berlin. Zusätzlich zu solchen Einzelprojekten gerieten während der Diskussion jedoch auch die gesamtuniversitären Strukturen in den Blick. Auf die große Frage, wie man Hochschule als Ganzes nachhaltiger gestalten kann – und zwar nicht nur im Hinblick auf den Ressourcenverbrauch, sondern auch, was Lehrprozesse und Governance angeht – fanden die Diskussionsteilnehmenden in der Kürze der Zeit keine abschließenden Antworten. Ihr erklärtes Ziel, Impulse zu setzen und unterschiedliche Akteur_innen an einen Tisch zu bringen, erfüllte die perspektive n-Debatte dagegen. Dabei ging es vor allem darum, Entwicklungspotenziale aufzudecken – dies ist im Rahmen der Diskussion am 26. September in Kiel gelungen.

Diskutanten und Diskutantinnen:

  • Prof. Dr. Ilka Parchmann, Vizepräsidentin für Lehre an der CAU
  • Dr. Dietmar Fahnert, Bereich nachhaltige Entwicklung im Ministerium für Energiewende, Landwirtschaft, Umwelt, Natur und Digitalisierung des Landes Schleswig-Holstein
  • Nele Hoge, netzwerk n, Studentin an der Technischen Hochschule Lübeck
  • Jana Wilkening, studentische Initiative „Wellenschlagen”, Studentin an der CAU
  • Ester Vogt, Mitarbeiterin des Green Office und Studentin an der Universität Hildesheim
  • … und alle Anwesenden

Moderation: Annika Taubert, netzwerk n

Klickt auf die Veranstaltungsorte, um zu weiteren Berichten unserer perspektive n-Reihe zu gelangen.

Eine Antwort hinterlassen