Buchdiskussion mit dem Konzeptwerk und dem studentischen Nachhaltigkeitsbüro HU

Postwachstum on tour!

Was steckt eigentlich hinter „Degrowth“ und diesem „Guten Leben“?

Wir haben Postwachstum nochmal von Anfang fundiert diskutiert!

Am 23. Mai machte die Buch- und Diskussionstour von Andrea Vetter und Matthias Schmelzer halt an der Humboldt-Universität (HU) zu Berlin. Die beiden Mitarbeiter_innen des Konzeptwerk Neue Ökonomie (KNOE) haben ein Einführungsbuch in die Welt der Postwachstumsdebatte geschrieben. Nach dem Motto: „Wissen teilen, das zukunftsrelevant ist“ touren sie aktuell durch Deutschland, um mit Aktivist_innen, Organisationen, Wissenschaftler_innen, Engagierten für die sozial ökologische Transformation und Interessierten ins Gespräch zu kommen. Andrea und Matthias, die Autor_innen, das netzwerk n und das studentische Nachhaltigkeitsbüro der HU wollten den wachstumskritischen Diskurs dort aufleben lassen, wo heutige junge Bürger_innen und zukünftige Entscheidungsträger_innen lernen und leben. Darum war die Nachhaltigkeits-Ringvorlesung der Humboldt-Universität die richtige Bühne für Infos, Kritik und Meinungen rund um den Postwachstumsdiskurs und das druckfrische Einführungsbuch.

Zu Beginn des Diskussionsabends stellten Andrea und Matthias die zentralsten Inhalte des Buches vor. Kurz erzählten sie die Geschichte des Wachstumsparadigmas und erläuterten die  Kritik, die daran geübt werden kann. So sei der Fokus der Politik auf Wachstum unangebracht, sind doch die ökologischen Grenzen längst überschritten. Genau acht Punkte der Wachstumskritik stellen die Autor_innen vor: Die Ökologische, sozial-ökonomische, kulturelle, feministische und kapitalistische Kritik sowie die Süd-Nord- und Industrialismuskritik. Damit zeigen sie die Zukunftsrelevanz dieser Debatte, die dringlichst auch in von einer breiten Gesellschaft diskutiert werden sollte.

Olga A. Statnaia vom IRI-THESys der Humboldt-Universität Berlin, das sich mit der Erforschung der Transformation von Mensch-Umwelt Beziehungen beschäftigt, ist der Einladung gefolgt, die Thesen und Ansätze des Buches zu kommentieren. Sie unterstrich die Bedeutung von Süd-Nord Perspektiven für die Postwachstumsdebatte. Gemeint sind die Auswirkungen unserer europäischen und kapitalistischen Lebensweise auf die Länder des Globalen Südens der Vergangenheit und Gegenwart. So dürfen die über Jahrhunderte geschaffenen hierarchischen und ausbeuterischen Machtstrukturen nicht in unseren aktuellen Analysen und Lösungskonzepten vernachlässigt werden. Damit stärkt sie den Fokus der Globalen Gerechtigkeit.

Das Buch möchte die Gestalter_innen des Wandels unterstützen. Darum war es ein „Muss“ Bohne von der Fridays for Future Gruppe der TU Berlin um eine Kommentierung zu bitten.
Er hob insbesondere hervor, dass wir alle selbst und kollektiv aktiv werden müssen, um unsere Zukunft zu gestalten und eigene Utopien, wie sie auch am Ende des Buches beschrieben wird, zu entwickeln. Fridays for Future selbst beteilige sich noch nicht öffentlich am Postwachstumsdiskurs. Probleme der Wachstumslogik seien aber aus ihren politischen Forderungen herauszulesen. Es wurde deutlich: der theoretische Diskurs ist gar nicht so essentiell für das Engagement der Klimabewegung. Vielmehr sei kollektiver Protest ihr Weg, um auf das Versäumnis der Politik und Wirtschaft zu reagieren.

Der zweite Teil des Abends macht die Zuhörenden zu Diskutant_innen in dem offenen Fish-Bowl Format. Besonders vielfältig waren die Fragen zur Umsetzung einer  Postwachstumsgesellschaft. So wurde die Problematik von „Filterblasen“ und fehlender Teilhabe mancher Gesellschaftsgruppen am wachstumskritischen Zuknunftsdiskurs, Eigentumsrechten, die evtl. Enteignungen von Unternehmen notwendig machen und Konzernklagerechte, die transformationsbereite Staaten in die Knie zwingen, als Hindernisse der Transformation in den Raum gestellt und diskutiert. Am Ende war klar, wir können alle selbstwirksam sein und die wachsende Bewegung gibt der Transformation starken aufwind, die Machtstrukturen, die wir überkommen müssen, aber erschweren den Weg.

Es war eine spannende Veranstaltung für die wir uns herzlich beim Nachhaltigkeitsbüro HU, sowie den Autor_innen bedanken. Wir freuen uns, wenn ihr euch habt inspirieren und mitreißen lassen! Die Tour geht weiter. Andrea und Matthias kommen aber gern wieder in Kontakt mit Euch. Auch per Mail. (Stimmt das, Andrea?)

Im Sinne eines guten Tipps, keiner Werbung: Das Buch führt strukturiert und detailliert in die Postwachstumsdebatte ein. Ihr bekommt es hier für 15,90€ (einen Teaser kann hier heruntergeladen werden).

Die Buchtour stoppte bereits am 6. Juni in Bremen und am 12. Juni in Jena im Postwachstumskolleg. Geladen waren die ZEIT-Journalistin Elisabeth von Thadden und alle die genug haben vom einseitigen Wachstumsdiskurs.

 

Marla vom NH-Büro, Lisa vom netzwerk n und Andrea vom KNOE

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