Fachtagung „BNE-Stukturen gemeinsam gestalten – Austausch und Vernetzung zu BNE in der Lehrkräfteausbildung in NRW“

Wie lässt sich ein funktionierendes Netzwerk zwischen Hochschulen zum Thema Bildung für nachhaltige Entwicklung knüpfen? Dieser Frage stellten sich die Teilnehmenden der Fachtagung „BNE-Stukturen gemeinsam gestalten – Austausch und Vernetzung zu BNE in der Lehrkräfteausbildung in NRW“ vom 07.-08. März an der Bergischen Universität Wuppertal.

Angestoßen durch die Geographische Fakultät der Uni Wuppertal wurde nach Wegen gesucht, Forschungs- und Lehrinitiativen im Bereich BNE in NRW zu bündeln, um somit von einem langfristigen Netzwerk zu profitieren. Vertreter_innen der Statusgruppen Dozierende, Hochschulleitung und natürlich Studierende kamen aus (beinahe) allen Hochschulen in NRW zusammen, um sich auszutauschen, bereits vorhandenes sichtbar zu machen und neue Verbindungen zu knüpfen.

Bevor neue Ideen entwickelt und aktiviert werde konnten, sollten die mahnenden Worte der Prorektorin der Uni Wuppertal, Frau Prof. Dr. Gräsel, die Teilnehmenden an die Herausforderungen und Hindernisse des BNE-Prozesses insbesondere in der Lehrer_innenbildung erinnern. Verantwortungsdiffusion bei der Implementierung eines fächerübergreifenden Konzeptes (BNE) und die Konkurrenz zu vielen anderen (gesellschaftlichen) Aufgaben waren dabei hervorzuheben.

Mit einigem Moderationsgeschick gelang es dann aber Henrike Lindemann (ehem. netzwerk n Projektmitarbeiterin), den Blick der Teilnehmenden auf ein positives Zukunftsbild eines BNE-Netzwerkes zu richten und dieses selbst gestaltend zu denken. Neben der inhaltlich angebrachten und sicherlich notwendigen Kritik am BNE-Prozess hat sich an den regen folgenden Unterhaltungen auch gezeigt, wie wichtig die Umsetzung der BNE-Prinzipien wie Partizipation und Aktivierung zur Selbstwirksamkeit für ein Gelingen des Prozesses selbst sein kann.

Eben diese Partizipation konnte anschließend auch in der Workshopphase umgesetzt werden. In der AG Studierende fand neben der Vorstellung des Ansatzes und der Programme des netzwerk n e.V. ein kritischer, gewinnbringender und aktivierender Diskurs der vorwiegend studierenden und promovierenden Teilnehmenden statt. Gemeinsam wurde erarbeitet, wie sich Studierende stärker in den Netzwerk-Prozess in NRW einbringen können. So wurde erkundet, welche Vorteile eine verstärkte BNE-zentrierte Ausrichtung des (Lehramts-)Studiums für Studierende selbst beinhaltet und wie dadurch die Motivation zum eigenen Engagement beeinflusst werden könnte. Darüber suchte die AG auch nach Faktoren, die hier förderlich bzw. hemmend für studentisches Engagement wirken.

Als wesentliche Erkenntnisse wurden somit folgende Punkte aus studentischer Sicht in das anschließende Plenum getragen: Neben attraktiven Programmen und Angeboten braucht ein BNE-Netzwerk physische und klare Präsenz sowie Anlaufstellen; ein Geflecht aus mündlichem Commitment genügt hier nicht aus. Dabei sollte ein funktionierendes Netzwerk in NRW auch eine gewisse Zentralität aufweisen, beispielsweise durch dir Bildung von Leuchttürmen an bestimmten Hochschulstandorten. Und nicht zuletzt sollten im Prozess der Netzwerkbildung natürlich auch die BNE-Prinzipien selbst angewandt werden. Einbezug aller beteiligten Perspektiven insbesondere der studentischen sollten für ein gelingendes Netzwerk als selbstverständlich gesehen werden. Folglich müssen dabei aber auch strukturelle Probleme, wie die fehlende Verstetigung studentischen Engagements durch kurze Studienzyklen und fehlende Ressourcen dabei ebenfalls mitgedacht und verbessert werden.

Obwohl es auch aus den anderen Gruppen viel Motivation zu nächsten Schritten einer Netzwerkbildung im Hochschulkontext gab, war diese dennoch auch sehr gebremst. Das Bedürfnis nach weiteren Forschungsergebnissen zu BNE in der (Lehrer_innen-)Bildung und die Unklarheit über die fachliche Verantwortlichkeit und die Möglichkeit zur inter- bzw. transdisziplinären Gestaltung von BNE in der Lehre wurden hier vermehrt geäußert.

Nach einer eher ernüchternden Vorstellung der neuen BNE-Leitlinien in NRW durch das Schul- und Bildungsministerium, haben sich auch wieder altbekannte Probleme der bildungspolitischen Landschaft gezeigt. Insbesondere in einem Bereich wie der Lehrer_innen-Bildung, der zusätzlich durch die mehrstufige Ausbildung und dadurch auch durch den Einfluss der landesweiten schulischen Bildungspolitik geprägt ist, zeigen sich die Hemmnisse für eine zukunftsgerichtete Gestaltung der Lehre an den Hochschulen. Vermehrte Kooperation der verantwortlichen Behörden und ein klarer Mut zur Verantwortungsübernahme (beispielsweise bei der Aufnahme von Nachhaltigkeits- bzw. BNE-Prinzipien in die Hochschulleitlinien und Bildungsstandards) wären hier dringend von Nöten.

Als Ausblick bleibt die Ambition und Bekundung aller Teilnehmenden, sich intensiv mit den gesammelten Ideen auseinanderzusetzen und bis spätestens Oktober ein BNE-Netzwerktreffen NRW zu veranstalten. Wir freuen uns als netzwerk n e.V. , den Prozess weiter mitzugestalten.

 

Ein Beitrag von Johannes Ostermeier

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