© Bildung macht Zukunft

Das netzwerk n auf der Konferenz „Bildung Macht Zukunft – Lernen für die sozial-ökologische Transformation?“ in Kassel

Drei ganz große Worte – Bildung Macht Zukunft

Vom 21. – 24. Februar kamen auf dem Campus der Universität Kassel über 300 Bildungsakteur*innen aus dem formalen und  non-formalen Bereich für die Konferenz »Bildung Macht Zukunft« zusammen. In Podien und Impulsvorträgen sowie in über 60 Workshops setzten sich die Teilnehmenden mit Methoden und Perspektiven der Bildung für Nachhaltige Entwicklung (BNE), dem Globalen Lernen und der kritischen politischen Bildung auseinander. Die vier Tage waren somit geprägt von intensiven Diskursen zu der gesellschaftspolitischen Dimension von Bildung und ihrem Potential, zu einem sozial-ökologischem Wandel der Gesellschaft beizutragen.

Die Konferenz fand das erste Mal in diesem Rahmen statt und war somit ein wichtiger Schritt, um politische Bildung als politisches Handeln für eine sozial-ökologische Transformation zu stärken. Sie wurde von einem basisdemokratischen Organisationskreis veranstaltet, in dem neben Lehrer*innen und Wissenschaftler*innen auch Akteur*innen aus mehr als zehn zivilgesellschaftlichen Organisationen vertreten waren, unter anderem auch Jannis Eicker für das netzwerk n. Hauptveranstalter*innen waren die Universität Kassel, das Forum Kritische Politische Bildung, sowie das Konzeptwerk Neue Ökonomie aus Leipzig.

Inhaltlich war die Konferenz stark geprägt von der Kritik an der klassischen BNE. Machtkritische und postkoloniale Perspektiven zeigten die auch in der BNE zu wenig thematisierten Hierarchien auf, die unsere Gesellschaft und Bildungsinstitutionen prägen und oft durch letztere zementiert und verstetigt werden. Zudem wurde der individualistische Kompetenzansatz von BNE kritisiert, der eher entlang des individuellen Karrieregedankens geht, anstatt den Fokus auf die notwendigen kollektiven Formen zu setzten, die wir für eine Transformation finden müssen. Politische BNE sollte also eine Bildung sein, die nicht bei der individuellen (Verhaltes-)Änderung des Subjekts aufhört, sondern mit Bestärkung für Strukturveränderung anfängt. Bezogen auf das netzwerk n können diese Aspekte vor allem in unseren Methoden und dem Wandercoaching, als auch der internen Teamarbeit und Reflexion gefunden werden. In dieser Hinsicht stellt sich die Frage, in wie weit das netzwerk n BNE jetzt schon weitergehend denkt und umsetzt, und wir dahingehend unser Verständnis und Auslegung des Begriffes BNE schärfen könnten. Gleichzeitig muss aber auch stetig die Auslegung und das Lebendigwerdenlassen der BNE beim netzwerk n kritisch reflektiert und weiterentwickelt werden.

Obwohl die Konferenz auf dem Campus der Universität Kassel stattfand und auch sonst viele Beiträge und Workshops sehr akademisch geprägt waren, gab es leider kaum expliziten Raum und Ansprache des Themas Hochschule und BNE. Vielmehr stand das formelle Bildungssystem Schule im Vordergrund, als auch dessen Verknüpfung mit außerschulischen Bildungsinstitutionen. Analog zur Hochschule, kamen auch die Bereiche der frühkindlichen, beruflichen und Erwachsenenbildung eher kurz. Dank der vielzähligen Workshops konnten nichtsdestotrotz die meisten Bildungsakteur*innen etwas für sich finden und ihre Punkte und Sichtweisen darin einbringen. Die Präsenz des netzwerk n wurde während der Konferenz durch einen Tisch beim zweitägigen Markt der Möglichkeiten verstärkt. Hier wurden Good-Practice und Methodensammlungen unter die Teilnehmenden gebracht und dabei dem Thema nachhaltige Hochschultransformation ein Raum gegeben. Am Ende waren alle n-Materialien vergriffen, einige gute Gespräche geführt und neue Interessierte für den Newsletter gewonnen.

Bezogen auf die Hochschule ist als Beispiel ein Beitrag der demokratischen Stimme der Jugend hervorzuheben, die sich als Zukunftsgremium für Jugendbeteiligung am Wandel für eine (klima-) gerechte und friedliche Zukunft verstehen. Dabei haben sie den Studiengang „Philosophie mit Schwerpunkt Krevolution“(Neologismus aus Kreativität und Revolution) konzipiert, der sich methodisch vielfältig mit Lernen von, in und mit Kunst, Philosophie und Bewegungen/Aktivismus auseinandersetzt und sich auf dem Weg zum Akkreditierungsprozess befindet. Auf jeden Fall eine Gruppe hochmotivierter junger Menschen, mit denen das netzwerk n Kooperationskontakt anvisieren könnte. Des Weiteren machte Mandy Singer Brodowski, auch Mitglied im beirat n, in ihrem Vortrag deutlich, dass wir positive Zukunftsbilder und die konkrete Machbarkeit des Wandels als Hoffnungsbilder brauchen, um die knowledge gap überwinden und aktiv werden zu können. Die Good Practices und die Methodensammlung von FUTURZWEI setzt mit ihrem positiven Ansatz des Geschichtenerzählens genau dort an und auch für unsere weiteren Formate sollten wir diesen Aspekt weiter immer mitdenken.

Die drei großen Worte des Konferenztitels konnten während der Tage unter vielen Aspekten beleuchtet, auseinandergenommen und wieder neu zusammensetzt werden. Dennoch blieben selbstverständlich viele große Fragen, die noch auf Klärung warten. So auch für das netzwerk n: Was verstehen wir ganz konkret unter sozial-ökologisch transformativer Bildung an Hochschulen? In welchen Macht- und Politikverhältnisse soll diese stattfinden? Und wann beginnt eigentlich die Zukunft?

Wie sind und bleiben gespannt und natürlich hoffnungsvoll – handelnd für die Hochschultransformation.

 

Ein Gastbeitrag vom Vorstandsmitglied Leonie Schröpfer

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