©  Tabea Klier

netzwerk n beim Netzwerk Hochschule und Nachhaltigkeit Bayern

“Digitale Transformation und Nachhaltigkeit – Digitalisierung der Hochschulen im Sinne nachhaltiger Entwicklungsprinzipien”

Unter dem Motto “Digitale Transformation und Nachhaltigkeit – Digitalisierung der Hochschulen im Sinne nachhaltiger Entwicklungsprinzipien” ludt das Netzwerk Hochschule und Nachhaltigkeit Bayern (NHNB) am 1. Februar 2019 an die Uni Regensburg ein. Für das netzwerk n folgte Eva zusammen mit dem rund 60 Teilnehmenden dieser Einladung – gleichzeitig ein Wiedersehen mit den engagierten Studierenden von SINNsüdost (Studentisches Initiativennetzwerk Südost).

Ziel des Treffens war es, wie Prof. Dr. Johann Engelhard von der Universität Bamberg es ausdrückte, eine Brücke zu bauen zwischen Digitalisierung und Nachhaltigkeit um für die Themen der Digitalen Transformation zu sensibilisieren. Gleich zu Beginn des Treffens ist von „Universitäten als virtuelle Räume“ und bspw. einer „ökologischen Verträglichkeit der Digitalisierung“ die Rede. Es wird zudem Bezug genommen zu aktuellen Entwicklungen, bspw. der Empfehlung der HRK für eine Kultur der Nachhaltigkeit an Deutschen Hochschulen, dem Leitbild Nachhaltige Entwicklung des RNE als politischen Rahmen für Digitalisierung, der Vorbereitung des WBGU-Hauptgutachtens zu Digitalisierung und Nachhaltigkeit.

In Regensburg betont Prof. Dr. Burkhard Freitag, Zentrum Digitalisierung Bayern, dass Digitalisierung weit mehr als Vernetzung zwischen Menschen ist. Er fordert, dass alle ihren Beitrag zum qualifizierten Umgang mit Potentialen, Risiken und Herausforderung der Digitalisierung leisten. Einen Ansatz sieht er darin, mehr Informatik-Verständnis in die Forschung und in Hochschulen einzubringen, um bspw. die Flut an Daten überhaupt bewerten zu können. Ein erster Schritt dahin umfasst für ihn fachübergreifende Diskurse.

Freitag bringt dafür ein Beispiel aus der Kunstgeschichte und dem Denkmalschutz: Unter dem Schlagwort „informationelle Nachhaltigkeit“ stellt er sich die Frage „Wie haben unsere Informationen langfristig Bestand“ und sieht eine Anwendung in der Digitalisierung von vorhandenen Dokumenten. Für diese „Nachhaltigkeit (im Sinne einer Langfristigkeit) des Informationsbestands“ bedarf es insbesondere einer Auffindbarkeit, Anschlussfähigkeit, Aktualisierbarkeit, Langzeit-Nutzbarkeit und Archivierbarkeit.

An den ersten Keynote-Vortrag von Prof. Freitag anschließend stellt sich Prof. Dr. Stephan Lessenich von der LMU München, die Frage „Wie verändert Digitalisierung unser Handeln?“ Er spricht von einer „Soziologie der Nicht-Nachhaltigkeit“ und sieht eine Entgrenzung von Leben und Arbeit als ein Phänomen, das durch Digitalisierung wahrscheinlicher gemacht wird. Als eine der Ambivalenzen der Digitalisierung der Hochschulen im Sinne nachhaltiger Entwicklungsprinzipien sieht er das Spannungsverhältnis zwischen Qualität und Quantität: ein Beispiel sind die mehr und mehr geforderten Publikationszahlen in der Forschung – übertragbar auf alle anderen Bereiche der Hochschule (Lehre, Verwaltung, …). Lessenich spricht sich für eine kollektive Selbstbestimmung für Nachhaltigkeit aus in Form eines betrieblichen Digitalisierungsrates, einer verfassten Studierendenschaft, einer Bildung für Digitalisierung.

Nach diesen inhaltlichen Einführungen in das Thema des Netzwerktreffens und einem Einblick in die Campusentwicklung der Universität Regensburg in Form einer Campusführung durch den Kanzler während der Mittagspause, ist der Nachmittag zunächst der Vorstellung der neuen AGs des NHNB, der aktuellen Entwicklung aus HOCHN und der Virtuellen Akademie Nachhaltigkeit gewidmet:

  • Die AG Zertifizierung zielt darauf ab Lehre im Bereich Nachhaltigkeit, die bereits vorhanden ist, hochschulübergreifend in Bayern zusammen zu bringen.
  • Die AG Transfer möchte vorhandene Aktivitäten im Bereich nachhaltiger Hochschulen miteinander vernetzen.
  • Die AG Studierende gibt dem Thema Studierende/Studium innerhalb des NHNB eine Stimme.

Letztere wurde von Vertreter*innen aus SINNsüdost, einem Zusammenschluss studentischer Initiativen in Bayern zum Thema Nachhaltigkeit, vorgestellt. Bekräftigt wird die Vorstellung durch einen kurzen Erfahrungsbericht von Franzi, die die studentische Perspektive in der Allianz Nachhaltige Universitäten in Österreich vertritt. Für das netzwerk n betont Eva die Freude über die aktuellen Entwicklungen studentischer Nachhaltigkeitsaktivitäten in Bayern und spricht sich dafür aus, die AG Studierende mit dem im netzwerk vorhandenen Knowhow und den Kontakten sehr gerne zu unterstützten. Die Aktivitäten passen zum Fokus des netzwerk n auf Regionalisierung im Rahmen des neu gestarteten BMBF-Projekts „Zukunftsfähige Hochschulen – Denken. Handeln. Wandeln“. Das netzwerk n freut sich auf die Zusammenarbeit.

„Ohne nachhaltiges Denken werden wir das Zeitalter der Digitalisierung nicht positiv erleben“ – mit dieser Aussage setzte Kathrin Steinbichler, Süddeutsche Zeitung Digitale Medien GmbH, ein klares Statement zu Beginn der Fishbowl-Diskussion, die nach der Kaffeepause beim Netzwerktreffen in Bayern folgte. Die Diskussion stand unter dem Motto „Think sustainable – act digital“. Diskutiert wurden Fragen wie „Wie machen wir Wissen verfügbar?“, „Wie wird der Mensch beteiligt?“, „Wie sieht Beteiligung in der Digitalisierung aus?“, „Wie wirkt Technologie in Gesellschaft?“. Die Brücke zwischen Wissenschaft (Hochschulen) und Journalismus wird im Vertrauensverlust gesehen – der beide Bereiche betrifft. Die These, dass es an einem kollektiven Bewusstsein für Digitalisierung im Sinne der Nachhaltigkeit, fehlt, steht im Raum. Wichtig scheint, dass Digitalisierung nicht mit dem Verstehen der Technologien endet, denn durch die Entwicklung ändern sich Wissensstrukturen und vorhandene Denkweisen. Es ist von einer Entgrenzung des Rollenverständnisses an Hochschulen die Rede. Das wirft die Frage auf, wie sich alle Akteur*innen auf die neue Situation einstellen können. Einig sind sich die Diskutant*innen darüber, dass Digitalisierung einen Möglichkeitsraum für nachhaltige Hochschulen bieten kann – und dass Deutschland im internationalen Vergleich hinterher hängt, was sowohl Vor- als auch Nachteile hat. So bieten sich noch Chancen die Digitalisierung im Sinne nachhaltiger Entwicklungsprinzipien mitzugestalten. Eine große Rolle scheinen hierin auch die unterschiedlichen Fächerkulturen zu spielen. Insgesamt scheint ein Umdenken auf verschiedenen Ebenen notwendig: strukturell, personell, bedürfnisorientiert, um möglichst alle Akteur*innen in Lehre, Forschung, Betrieb mitzunehmen. Es zeigt sich, dass noch viele Fragen offen sind und es insbesondere einen Wissensaustausch erfordert um diese Fragen weiter gemeinsam zu bearbeiten. So wird das Treffen in Regensburg zunächst mit einem kurzen Exkurs in die EU-Forschungsforderung im Bereich „Nachhaltigkeit“ abgerundet.

Der Schwerpunkt des nächsten Netzwerktreffens des Bayrischen Netzwerks liegt auf Studierenden. Aus Sicht des netzwerk n auf jeden Fall ein vielversprechender Ansatz! Save the Date: 27. Juni 2019, Hochschule München. Studierende sind aufgefordert an der Planung und Umsetzung des Treffens mitzuwirken und können sich beim NHBN info@nachhaltigehochschule.de melden.

Bis dahin: #TakeHomeMessage aus Regensburg: „Lasst uns die Digitalen Welten gestalten statt sie zu reparieren, wenn sie da sind.“ (Prof. Engelhard, Universität Bamberg)

 

Ein Gastbeitrag von Eva Kern

Eine Antwort hinterlassen