perspektive n an der Hochschule Niederrhein

Ist das nachhaltig oder kann das weg?

Gastbeitrag der studentischen Initiative Fairquer

Etwa 90 Leute haben sich am 4. Dezember an der Hochschule in Mönchengladbach eingefunden, um als Zuschauer_in oder Teilnehmer_in an der Diskussionsrunde perspektive n dabei zu sein. Moderiert wurde die Veranstaltung von Dr. Michael Flohr, der langjährig im Vorstand des netzwerk n war und seit 2017 im Projektteam “Zukunftsfähige Hochschulen gestalten” tätig ist. Als feste Diskutant_innen saßen Hochschulpräsident Prof. Dr. Hans-Hennig von Grünberg sowie die Leiterin des Kompetenzzentrums „EthNa“ Prof. Dr. Monika Eigenstätter neben Josef Kaiser aus dem Vorstand des netzwerk n und Maike Vierkötter, Mitglied der studentischen Initiative fairquer und des Senats der Hochschule Niederrhein, im inneren Kreis der Fishbowl.

Fairquer hat letztes Jahr am Wandercoaching des netzwerk n teilgenommen. Seitdem stehen wir im engen Kontakt, sodass es in diesem Wintersemester zu der Einladung auf den Campus Mönchengladbach kam.

Die Begrüßung erfolgte durch zwei Studierende, Adrian und Lucca. Mit einer kurzen Einführung in das Konzept der perspektive n und einer Vorstellung des netzwerks n eröffnete Michael die Diskussion. Diese war in die zwei Themenblöcke Lehre und Betrieb/Governance aufgeteilt. Eingeleitet wurde mit dem Leitsatz der Hochschule zum Thema Nachhaltigkeit und einer von der studentischen Initiative Nachhaltigkeitsbüro an der HU Berlin gestellten Begriffsdefinition von nachhaltiger Entwicklung.

In verschiedenen Abstimmungsrunden konnten sich alle Anwesenden mithilfe von grünen, gelben und roten Stimmkarten zu verschiedenen Themen äußern. Dabei stellte sich heraus, dass fast alle deutliches Verbesserungspotential für Nachhaltigkeit an der Hochschule sehen und diese auch zum Teil als nicht vorhanden betrachten. Auch wussten nur sehr wenige, an wen sie sich bei Fragen, Anregungen und Ideen zu der Thematik wenden können.

Studierende aus verschiedenen Fachbereichen setzten sich auf die freien Plätze in der Diskussionsrunde und stellten ihre Ansichten, Ideen und Fragen vor. Kritisiert wurden oft die fehlende Mülltrennung (auch generell fehlende Mülleimer), der enorme Papierverbrauch durch das Ausdrucken der Skripte und der hohe Energieverbrauch durch die schlecht regulierbaren Heizungen. In gleicher Weise äußerten sich einige Dozenten der Hochschule in der Diskussion dazu und zeigten großes Interesse an der Thematik Nachhaltigkeit und zeigten auf, inwiefern in den Vorlesungen bereits auf das Thema eingegangen wird.

Nach der Veranstaltung hatte jeder die Möglichkeit eigene Projekte vorzustellen und dafür Werbung zu machen. Dazu gehörten die Aufarbeitung von alten Laptops und ein Werbeblock für den Ausbau von Fahrradstraßen in NRW. Viele andere Ideen für eine Umsetzung von Nachhaltigkeit an der Hochschule wurden vorgetragen. Das waren unter anderem ein Pfandkaffeebechersystem, mehr Mülltrennung und Einsparung von Heizkosten mit finanziellen Anreizen für die einzelnen Fachbereiche. Auf Nachfrage von Michael Flohr gab Prof. Dr. von Grünberg ein mündliches Einverständnis für die Errichtung eines Green Office an der Hochschule. Auch die dazugehörenden Kosten sah Grünberg als geringfügig und als problemlos zu stemmen.

Während sich die Studierendenschaft viel mit kleineren Projekten befasste und dafür Ideen entwickelte, bezog sich der Hochschulpräsident auf große ganzheitliche Projekte. Dabei nannte er das Beispiel von einem „Academic Village“ mit gemeinschaftlich lebenden Studierenden an der TU Clausthal, die verschiedene nachhaltige Ideen umsetzen. Er sei von solchen großen Ideen angetan und wünsche sich auch ein solches Denken an seiner Hochschule, wobei er zu Beginn der Diskussion ehrlich einräumte: “Nachhaltigkeit ist keine Priorität der Hochschule.”

Im Anschluss an die Diskussionsrunde wurde bei Getränken und Snacks noch lange untereinander weiter diskutiert. Es lässt sich festhalten, dass in allen Fachbereichen Interesse für mehr Nachhaltigkeit an der Hochschule besteht. Dazu wurde an alle appelliert, vorhandene Ideen in Form von bündigen Konzeptpapieren auszuarbeiten und Bündnispartner für die Umsetzung zu gewinnen. Fairquer hat es sich zur Aufgabe gemacht, den Antrag für ein Green Office auszuarbeiten und dem Hochschulpräsidenten zukommen zu lassen. Besonders im Bereich Betrieb und Governance wurden Vorschläge für eine zukunftsfähige Entwicklung gemacht; dazu gehörten auch u.a. ein Umweltmanagementsystem nach EMAS oder die Nachhaltigkeitsberichterstattung, zumal an der Hochschule das Kompetenzzentrum “EthNa” in Fragen der Berichterstattung Unternehmen berät und begleitet. Im Bereich Lehre machten die Dozenten Anmerkungen, dass bereits Änderungen im Lehrplan gemacht wurden. Jedoch gab es Zustimmung für die Idee, ein Angebot für Nachhaltigkeit in der Sommer- und Winterakademie zu entwickeln. Die Hochschule Niederrhein hat großes Verbesserungspotential und viele Stellen an denen angesetzt werden kann. Mit Unterstützung des netzwerk n und von allen Statusgruppen der Hochschule kann dieses Potential genutzt werden. Besonders nach dem Vorbild anderer Hochschulen, die bereits ein paar Schritte weiter sind, kann sich die Hochschule zukunftsfähiger entwickeln.

Diskutanten und Diskutantinnen:

  • Prof. Dr. Hans-Hennig von Grünberg, Präsident
  • Prof. Dr. Monika Eigenstetter, Professur für Arbeits- und Organisationspsychologie
  • Maike Vierkötter, fairquer, studentisches Mitglied im Senat
  • Josef Kaiser, Vorstand netzwerk n, Mitgründer studentische Initiative Nachhaltigkeitsbüro an der HU Berlin
  • … und alle Anwesenden

Moderation: Dr. Michael Flohr, netzwerk n e.V.

Fotos © fairquer

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