Vernetzungstreffen fusion n des netzwerk n e.V. mit knapp 50 Teilnehmenden

Fusionieren in der Mitte Deutschlands

(Bilder findet ihr ganz am Ende des Berichts)
Der Ort, an dem das Vernetzungstreffen des netzwerk n, die fusion n, dieses Jahr stattfand (zum Aufruf & Programm 2018), erscheint wie eine Oase umgeben von Unorten. In einem Industriegebiet Kassels gelegen, befindet sich das Hostel und Seminarhaus Sandershaus zwischen Skeletten riesiger alter Fabriken und bietet auf unterschiedlichen Etagen Geflüchteten, Hostelgästen und Seminargruppen eine Unterkunft sowie lokalen Künstler_innen Räume und eine Plattform.

Manch eine Studierenden-Initiative mag sich im Studium ähnlich fühlen: Umgeben von Kommiliton_innen und Lehrenden, denen es bloß um ECTS oder Rankings geht, erscheint einem die eigene Initiative als rare Oase an Engagement, Sinnhaftigkeit und Freude auf dem eigenen Campus.

Umso wichtiger sind Möglichkeiten, aus den so wahrgenommenen Kontexten herauszukommen, sie mit etwas Abstand gemeinsam mit Gleichgesinnten reflektieren zu können und auf andere Aktive zu stoßen, um gemeinsam voneinander zu lernen und sich auszutauschen. Nicht zuletzt für einen solchen Austausch gibt es das netzwerk n und unser jährliches Vernetzungstreffen.

Vom 22. bis zum 24. Juni bot die fusion n fast 50 Nachhaltigkeitsengagierten und -interessierten Input, Austausch und Feierei. Mit insgesamt acht Workshops, einem Gallery Walk, einem prall gefüllten Open Space inklusive Flashmob, gemeinsamen Energizern, Yoga, Lagerfeuer, Fussball schauen und Feierei war das Wochenende in Kassel gut gefüllt.

Nach einer Begrüßung und einem kurzen Kennenlernen ging die fusion n am Freitag direkt mit verschiedenen Inhalten in zweistündigen Workshops los. Konkret ging es um:

WS 1: Bildet Zukunft! – Methoden des Wandels kennenlernen – Lisa

In diesem Workshop wurden zwei Methodensammlungen vorgestellt, inspiziert und diskutiert: Einmal die vom netzwerk n erstellte methode n und das Heft „Wie wollen wir gelebt haben“, die wir in Kooperation mit FUTURZWEI entwickelt haben. Die methode n soll allen Change Agents Werkzeuge an die Hand geben, um die Transformation der Hochschulen in Richtung einer nachhaltigen Entwicklung anzugehen. Der Fokus liegt hierbei auf der Aktivierung und Professionalisierung kollektiven Handelns – von der Reflexion der eigenen Arbeitsprozesse über Wege zur Visionsfindung bis hin zur Vermittlung von Know-How der Projektplanung. Die vorgestellten Methoden und Techniken sollen dabei helfen, Workshops mit Gruppen durchzuführen, die sich für die Transformation der Hochschulen einsetzen.
Die zweite Methodensammlung soll die„Geschichten des Gelingens“ zur sozial-ökologischen Transformation von FUTURZWEI in die Praxis holen. Sie sollen als Werkzeuge für Lehrer_innen und Multiplikator_innen in der Bildungsarbeit mit Jugendlichen und jungen Erwachsenen nutzbar sein.
Im Workshop wurde sich kräftig ausgetauscht, ob und wie diese Sammlungen im Alltag von Engagierten und selbstorganisierten Nachhaltigkeitsinitiativen zum Einsatz kommen. Deutlich wurde, dass es unbedingt notwendig ist, diese beiden Broschüren ausreichend an die jeweiligen Zielgruppen zu kommunizieren sowie konkret mitzuteilen, wo diese eingesetzt werden können.

WS 2: Auf zu neuen Ufern – Utopien als Form progressiven Denkens – Dennis

WS 3: How to CO2: Den Klimawandel erklär- und kommunizierbar machen – Johannes O. & Rebecca

Den Bericht findet ihr hier.

WS 4: Konsens, Dissens oder Kompromiss?!?! – Entscheidungsfindung im ehrenamtlichen Kontext – Verena & Geli

Im Workshop zu fairer & demokratischer Entscheidungsfindung haben Geli und Verena mit 10 motivierten und interessierten Teilnehmenden erarbeitet, wie Entscheidungsfindungsprozesse in ihren Initiativen ablaufen, Verfahren zu Entscheidungsfindungprozessen kennengelernt und mit vorab gesammelten Methoden angewendet. Dabei haben wir diskutiert, was all das mit dem sozial-ökologischen Wandel zu tun hat. Die Workshop-Dokumente (Ablauf, Methoden, Charts) und die versprochenen weiterführenden Materialien findet ihr hier in unserem Referent_innen-Pool.
Im Anschluss haben Geli und ich das Konzept nochmal überarbeitet und eine Vorlage erstellt, damit Interessierte Leute diesen Workshop in anderen Gruppen durchführen können. Dieses Konzept für den 4-Stündigen Workshop findet ihr im obigen Link auf 1. Ebene. Bei Fragen meldet euch gern bei uns (
info@netzwerk-n.org mit dem Betreff ‚Entscheidungsfindung‘).

Nach dem Abendessen konnten sich bei einem Gallery Walk die Teilnehmenden einander ihre Initiativen und Projekte vorstellen: Mit dabei waren u.a. das Umweltreferat Eichstätt, NEO von der Hochschule Osnabrück, die Week of Links Tübingen, Umwelt und Wirtschaft von der Uni Münster, das HU Nachhaltigkeitsbüro, die Grüne Hochschulgruppe Wuppertal, die Student Sustainability Commission der ETH Zürich sowie natürlich auch das netzwerk n mit seinen verschiedenen Formaten und Materialien – es mangelte also nicht an Gesprächen und Austausch direkt zu Beginn des Treffens. Begonnene Gespräche konnten am Lagerfeuer bis spät in die Nacht fortgesetzt werden.

Der Vormittag des zweiten Tages stand ganz im Zeichen weiterer Workshops, die in eine dreistündige (Samstag) und anderthalbstündige (Sonntag) Session aufgeteilt waren. Die Titel lauteten:

WS 1: Nachhaltige Hochschulen? – nur mit der (richtigen) Wissenschaftspolitik! – Johannes G. & Jana

WS 2: releWandel an der Hochschule – Wie können wir Veränderungen mit Impact anstoßen und uns dabei gut fühlen? – Luise & Sebastian

WS 3: Green Office/Nachhaltigkeitsgovernance an Hochschulen – Tim (rootAbility)

Im Workshop über das Green Office Modell haben die Teilnehmenden erfahren, welche Prinzipien dem Green Office zugrunde liegen, damit studentisches Engagement für Nachhaltigkeit an der Hochschule institutionalisiert werden kann: Bei der institutionellen Unterstützung geht es um ein legitimierendes Mandat der Hochschulleitung, Räumlichkeiten, und ein Budget für Gehälter, Projekte und Trainings. Dazu kommt, dass ein Team von bis zu acht HiWi-Stellen mit Hochschulangestellten zusammenarbeitet, um als Nachhaltigkeitsplattform zu fungieren, die Nachhaltigkeits-fokussierte Themen und Aktivitäten sichtbar macht, verbindet und unterstützt. Im Workshop ging es auch um die Schritte des Lobbyprozesses, die zur Etablierung eines Green Office führen. Studierende in Eichstädt, Tübingen und Dresden haben hierdurch Wissen, Inspiration und Zuversicht erlangen können, um an ihren jeweiligen Hochschulen Green Offices zu etablieren.

WS 4: Week of Links – Erstsemesterakademie für Nachhaltige Entwicklung – Jorin

Der Samstagnachmittag war mit einem dreistündigen Open Space zur freien Gestaltung aller Teilnehmende gedacht – es gab also Raum für eigene Angebote und Ideen und die Zeit hat fast nicht gereicht. Entsprechend der vielfältigen vorhandenen Ideen und Interessen entstand eine bunte Mischung: vom Flashmob im Rahmen des Tags des guten Lebens für alle, über die Planung von Regionaltreffen von studentischen Nachhaltigkeitsinitiativen im Norden und Süden Deutschlands, bis hin zu modernem Tanz und der politischen Kommentierung von Forschungsprogrammen des BMBF – ganz nach dem Motto: alles kann, nichts muss.

Kurzbericht zum Flashmob

In kleiner Gruppe haben wir uns im Nieselregen vom Sandershaus aufgemacht, um die Kasseler Innenstadt zum Tag des guten Lebens für alle zu erkunden und einen konsumkritischen Flashmob durchzuführen. Jannis navigierte uns sicher zum Ort des Geschehens, wo wir erstmal beim Stand der Gemeinwohlökonomie und der Initiative Grundeinkommen freundlich begrüßt wurden und ins Gespräch kamen. Zum Entscheiden, welche Aktion wir durchführen wollen, setzten wir uns gemütlich in die Sonne und überlegten gemeinsam nach den Regeln des systemischen Konsensierens, welche Aktivität in der Gruppe auf die größte Akzeptanz stößt. Unsere Wahl fiel darauf, in Zeitlupe Schaufenster wie konsumfanatische Groupies anzuhimmeln. Beim Entscheidungsprozess kam ein Mitglied der Initiative Grundeinkommen zu uns, welches uns als den im Flyer angekündigten Flashmob vom netzwerk n identifizierte, schenkte uns goldene Kronen und gesellte sich zu uns. So konnten wir bestens ausgestattet die Königspassage königlich konsumkritisch durchschreiten. Die Handys der Passant_innen wurden schnell gezückt, ein Sicherheitsmann ermahnte uns mehrfach freundlich, uns wieder („bitte schneller“) nach draußen zu bewegen und wir hatten großen Spaß. Den Abschluss unserer Aktion krönte ein leckeres Eis in der Sonne, womit wir dem Tag des guten Lebens wohl alle Ehre gemacht haben.

Am Abend folgte die fulminante Abschlusszeremonie des Wandercoachingjahrgangs. Unter tosendem Applaus erhielten die Wandercoaches ihre Zertifikate und ein kleines Dankeschön für ihr Engagement. Doch an dem Abend gab es noch ein bisschen mehr zu feiern: Johannes Geibel, der das netzwerk n viele Jahre maßgeblich mitgeprägt hat, wurde feierlich in seinen neuen Job als wissenschaftlicher Referent im Bundestag entlassen und die Wandercoaches dankten dem Projektteam mit zauberhaften Pantomime-Einlagen für ein tolles Jahr. Einem Samstagabend angemessen gab es anschließend Bowle (mit und ohne Alkohol), Bier, Tanz und Fussball.

Am Sonntagvormittag mussten alle trotz teilweise ausgiebiger Feierei am Vorabend nochmals ran an die Inhalte – in den Workshops wurde weiter diskutiert, ausprobiert und reflektiert – gefolgt von der Vorstellung der Workshopergebnisse, einem Feedback zum Wochenende sowie einem letzten leckeren Mittagessen zum Seminarabschluss. Bei der Vorstellung der Workshopergebnisse wurden viele neue Verknüpfungen präsentiert: Gleich mehrere Initiativen wollen an ihrer Hochschule für ein Green Office kämpfen; eine Gruppe Studierender will die Tübinger Week of Links bereits im kommenden Semester in Form eines Day of Links auch bei sich umsetzen; es hat sich eine kleine Arbeitsgruppe formiert, um das Thema (Hochschul-)Bildung auf die Agenda des nächsten Agenda-Kongresses zu setzen uvm.

Am Ende der fusion n wurde also deutlich, dass dieses Vernetzungstreffen seinen Sinn absolut erfüllt: Es trägt zu mehr Vernetzung bei. Dies gilt nicht lediglich in einem quantitativen Sinne. Vielmehr kommt es zu einer qualitativen Vernetzung: Die Inhalte und Formate der einzelnen Initiativen finden auch an anderen Orten Verbreitung. In diesem Sinne war auch das diesjährigen Vernetzungstreffen wieder ein voller Erfolg und wir hoffen sehr, dass wir solche Veranstaltungen auch in Zukunft weiterhin ausrichten können.

Euer netzwerk n

Gerne könnt Ihr die Bilder herunterladen und für Eure Öffentlichkeitsarbeit nutzen. Bitte verwendet dabei die Copyrightangabe „© netzwerk n“

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