perspektive n im Rahmen der Hochschultage für Nachhaltigkeit an der Universität Freiburg

Nachhaltigkeitsbüro und Studium Oecologicum im Blick: großes Potenzial und wachsendes studentischen Engagement an der Uni Freiburg

Am 14.6. verschlug es uns in den südwestlichen Zipfel Deutschlands ins beschauliche und für seine alternativ-ökologische Lebensqualität bekannte Freiburg. Bereits das siebte Mal fuhren wir mit unserer Debattenreihe perspektive n nach Baden-Württemberg – ein nicht zu vernachlässigendes Indiz, dass in diesem Bundesland die strukturelle Veränderung von Hochschulen in Richtung nachhaltige Entwicklung sowohl für Studierende als auch für sonstige Beschäftigte ein wesentliches Thema ist. An der Universität Freiburg entwickelt sich gerade ein breites Bündnis, dass strukturelle und strategische Fragen ansprechen und transformative Konzepte vorlegen möchte: Weitblick Freiburg, Campusgrün, das Umweltreferat des AStA und die neugegründete studentische Initiative Nachhaltigkeitsbüro kooperieren miteinander. Verknüpft mit den alljährlich von Studierenden organisierten Hochschultagen für Nachhaltigkeit widmeten wir uns in der perspektive n unter der Leitfrage „Wie nachhaltige ist die Universität Freiburg?“ insbesondere dem Betrieb und der Governance, wobei Lehre, wenn sie denn aktivierend, handlungs-, problem- und lösungsorientiert im Sinne einer BNE verstanden wird, immer wieder damit geschickt kombiniert werden kann.

Die knapp 40 Anwesenden beteiligten sich sehr rege, so wie wir uns das immer erhoffen, an der Fishbowl-Diskussion. Die wichtigsten Erkenntnissen seien in der Folge bündig zusammengefasst:

  1. Dr. Matthias Schenek, Kanzler der Uni Freiburg, sieht den Verantwortungsbegriff zentral für sein Nachhaltigkeitsverständnis und strebt danach, die Uni als Vorbild für die nachhaltige Entwicklung aufzustellen. Für konzeptionelle Ansätze, die von Studierenden eingebracht werden, und einen Dialog auf Augenhöhe mit allen Statusgruppen spricht er sich ebenso aus wie für ein strategischeres und strukturelleres Vorgehen für nachhaltige Entwicklung, wo er ebenso wie die Studierenden ein Defizit an der Uni ausmacht: Nachhaltige Entwicklung solle demnach „konsquenter in Strategie verankert“ werden. Finanzmittel kann er dagegen aktuell nicht zusagen oder freimachen, da die Haushaltslage der Uni angespannt ist. In diesem Kontext stellt sich für uns die Frage, welche Priorität Nachhaltigkeit in den Entscheidungsgremien der Uni besitzt: Die Diskussion lässt eher eine mittlere vermuten und dass in finanziell klammen Zeiten der Fokus vor allem auf anderen Handlungsbereichen liegt.
  2. Im Bereich Betrieb sei für Matthias Schenek das 2007 im Zuge der Verabschiedung der Umweltleitlinien eingeführte System zum Energiesparen „Dezentrale monetäre Anreize“ (DezMon) ein gut funktionierendes Instrument. Das damit eingesparte Geld wird den jeweiligen einzelnen Einrichtungen gutgeschrieben. Ärgerlich ist natürlich aus unserer Perspektive, dass im vergangenen Jahr die Kosteneinsparungen von der Uni nicht weitergereicht wurden, da der Haushalt keine Spielräume ließ. Dies könnte dazu führen, dass die betroffenen Einrichtungen nun demotiviert sind und künftig ihr Engagement drosseln. Weiterhin heben Studierende die gelungene Kommunikation und Sensibilisierung innerhalb der Mensa auf Schaubildern hervor, ebenso wie die Photovoltaik-Anlage auf dem Bibliotheks-Dach.
  3. Im Bereich des studentischen Engagements tut sich gerade einiges, wie bereits oben angeklungen ist. Dies ist auch notwendig, da im Arbeitskreis Nachhaltige Universität Freiburg in der Vergangenheit häufig der Platz der studentischen Vertretung leer blieb. In diesem Sinne empfindet der Kanzler das studentische Engagement bislang nicht „als Push“ und eher „schwach“ ausgeprägt. Die perspektive n bot die Gelegenheit, auf das großartige bestehende Engagement auf Initiativenebene hinzuweisen – gegebenenfalls sollte über eine neue, statusgruppenübergreifende Besetzung unter Einbzug der Initiativen nachgedacht werden. Weiterhin verfasst die Initiative Nachhaltigkeitsbüro gerade ein Konzept und stellt einen Finanzantrag beim AStA, um das Green Office-Modell an der Uni (für weitere Infos zum Modell siehe unsere Good-Practice-Sammlung) zu implementieren. Es wäre wünschenswert, wenn sich ebenso die Hochschulleitung an der Finanzierung – zumindest durch HiWi-Mittel – beteiligen würde, um ihr Commitment für Nachhaltigkeitsprozesse zu signalisieren, aber dies ist derzeit leider nicht absehbar. Dennoch stünden die Türen für Konzepte und gute Argumente jederzeit bei der Hochschulleitung offen, wie Matthias Schenek betonte.
  4. Als erstes großes Projekt plant die Initiative Nachhaltigkeitsbüro ein Studium Oecologicum analog zum Tübinger Modell sukzessive aufzubauen. Die Idee stieß auf großes Interesse im Raum und wird in jedem Fall in den kommenden Monaten als Diskussionsvorschlag für die Hochschulleitung ausgearbeitet werden. Josef Kaiser vom netzwerk n hob in diesem Kontext das gewaltige Potenzial hervor, die Lehre stärker mit Projekten an der eigenen Hochschule zu verknüpfen. Dies geschieht bereits erfolgreich an einer Reihe von Hochschulen wie z.B. an der Universität Kiel, wodurch letztlich ein Umweltmanagementsystem aufgebaut wurde. Ein guter Ansatz wäre es, das durch Lehrprojekte im Ressourcenverbrauch der Uni eingesparte Gelder wiederum in diese Lehre fließen zu lassen.

Zusammenfassend verlassen wir mit einem überaus positiven Gefühl Freiburg. An der Universität bestehen viele positive Ansätze, auch wenn das strategische und strukturierte Vorgehen für eine nachhaltige Entwicklung noch deutlich verbessert werden kann. Bedenklich ist, wenn die finanzielle Not der Hochschule auf die Vernachlässigung der so wichtigen Transformation der Einrichtung selbst hinausläuft. Dennoch ist das sich positiv entwickelnde, konstruktive studentische Engagement ein wahrer Schatz, der durch die Gesprächsbereitschaft und die Offenheit des Kanzlers auf einen fruchtbaren Boden fällt. Wir freuen uns auf die weiteren Schritte, die wir gerne mitbegleiten, und wünschen viel Erfolg beim Aufbau eines Nachhaltigkeitsbüros und eines Studium Oecologicums.

Diskutanten und Diskutantinnen:

  • Dr. Matthias Schenek, Kanzler
  • Benjamin Thober, Landessprecher Campusgrün, Gründungsmitglied studentische Initiative Nachhaltigkeitsbüro an der Uni Freiburg
  • Josef Kaiser, Vorstand netzwerk n, studentische Initiative Nachhaltigkeitsbüro an der HU Berlin
  • … und alle Anwesenden

Moderation: Dr. Michael Flohr, netzwerk n e.V.

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