Stabsstelle Nachhaltigkeit & Energie

Freie Universität Berlin

Die wesentlichen Querschnittsaufgaben des Nachhaltigkeitsmanagements werden an der Freien Universität Berlin (FUB) von der Stabsstelle Nachhaltigkeit & Energie gebündelt. Sie hat die Aufgabe, nachhaltigkeitsbezogene Aktivitäten in Forschung, Lehre und Campus-Management zu initiieren und zu koordinieren. Darüber hinaus berät die Stabsstelle die Hochschulleitung in allen Nachhaltigkeitsfragen, koordiniert das zentrale Steuerungsteam sowie die dezentralen Nachhaltigkeitsteams, steuert das universitätsweite Energiemonitoring sowie das Prämiensystem zur Energieeinsparung, verantwortet das integrierte Managementsystem für Umwelt, Gesundheit und Arbeitssicherheit und vertritt die FUB in nationalen und internationalen Nachhaltigkeitsnetzwerken.

Als internationale Netzwerkuniversität mit über 36.000 Studierenden und Doktorand_innen und ca. 4.300 Beschäftigten trägt die FUB eine besondere Verantwortung im Hinblick auf eine nachhaltige und zukunftsfähige Entwicklung. Bereits 2001 richtete die FUB im Bereich ihres Facility-Managements den Arbeitsbereich Energie und Umwelt ein, der in den Folgejahren ein systematisches Energie- und Umweltmanagement etablierte. Einen hohen Stellenwert im Rahmen des Campus-Managements nahmen Programme und Maßnahmen zur Verbesserung der Energieeffizienz ein. 2015 wurde die Stabsstelle Nachhaltigkeit & Energie neu eingerichtet und direkt dem Präsidium zugeordnet. Seither wird das Energie- und Umweltmanagement in ein integriertes Nachhaltigkeitsmanagement „transformiert“, das das gesamte Spektrum an Nachhaltigkeitsaspekten in Forschung, Lehre und Campus Management im Fokus hat. Die Mitwirkung in regionalen und internationalen Nachhaltigkeitsnetzwerken zählt zu den wesentlichen Aufgaben der Stabsstelle.

Kernaufgabe der Stabsstelle Nachhaltigkeit & Energie ist es, die Berücksichtigung von Nachhaltigkeitsaspekten in allen Bereichen der Universität zu verbessern und langfristig in den universitären Alltag zu integrieren. In der Stabsstelle arbeiten insgesamt neun Beschäftigte und vier studentische Hilfskräfte. Die Arbeit der Stabsstelle folgt einem „Whole Institution Approach“, der auf eine systematische Integration von Forschung, Lehre und Campus-Management zielt. Nur durch Zusammenarbeit aller Disziplinen und Bereiche kann die Querschnittsaufgabe des Nachhaltigkeitsmanagements erfolgreich implementiert werden. Deshalb nehmen partizipative Formate wie Steuerungskreise, Nachhaltigkeitsteams, Auditteams oder die Mitwirkung in der Nachhaltigkeitsinitiative SUSTAIN It! einen hohen Stellenwert ein.

Zu den Kernaufgaben der Stabsstelle Nachhaltigkeit & Energie zählen:

  • Die Sichtbarmachung und Bündelung nachhaltigkeitsbezogener Forschung und Lehre,
  • die Koordination des zentralen Steuerungsteams und der dezentralen Nachhaltigkeitsteams,
  • die Steuerung und Koordination der vom DAAD geförderten „University Alliance for Sustainability“ in Zusammenarbeit mit den vier strategischen Partneruniversitäten der FUB,
  • die Mitwirkung am Bau-, Facility-, IT- und Beschaffungs-Management,
  • der Aufbau und die Weiterentwicklung des Umweltmanagementsystems und dessen Zertifizierung nach EMAS,
  • die Steuerung des universitätsweiten Energie-Onlinemonitorings sowie des Prämiensystems zur Energieeinsparung,
  • die Steuerung des Entsorgungsmanagements,
  • die Umsetzung des gemeinsam mit der ZEDAT entwickelten Green-IT Handlungsprogramms,
  • die Mitwirkung in der 2010 mitgegründeten Initiative für Nachhaltigkeit und Klimaschutz SUSTAIN IT! und
  • die Mitwirkung in regionalen, nationalen und internationalen Nachhaltigkeitsnetzwerken, letztere sind: UNICA Green, International Sustainable Campus Network (ISCN) und Green Alliance of Universities for a Sustainable Future (GAUSF).

Gezielte Energieeffizienzprogramme haben im Zusammenspiel mit dem universitätsinternen Prämiensystem zur Energieeinsparung und einem seit 2010 umgesetzten Green- IT Handlungsprogramm dazu geführt, dass die FUB ihren Energieverbrauch zwischen 2001 und 2011 um mehr als ein Viertel bzw. rund 42 Mio. Kilowattstunden reduzieren konnte. Seither bewegt sich der Energieverbrauch mit geringen Schwankungen in etwa auf diesem Niveau, wobei flächenbereinigt 2015 ein neuer Tiefststand erreicht wurde. Die hiermit verbundenen jährlichen Kosteneinsparungen betrugen 3,45 Mio. Euro im Vergleich zum Basisjahr 2000/2001. Zudem wurden in diesem Zeitraum die energiebedingten Treibhausgasemissionen um rund 30 % (bei Zugrundelegung der GEMIS-Emissionsfaktoren) bzw. 76 % bei Einbeziehung des CO₂-neutralen Strombezuges reduziert. Der Wasserverbrauch wurde seit 2004 um rund ein Drittel reduziert.

Mit dem Anfang 2007 eingeführten Prämiensystem zur Energieeinsparung erhalten die Fachbereiche direkte finanzielle Anreize, die organisatorischen und verhaltensbezogenen Einsparpotentiale zu realisieren. Das Prämienmodell funktioniert nach folgendem Grundmuster: Den Fachbereichen wird jährlich eine Prämie aus zentralen Mitteln erstattet, wenn der Energieverbrauch in den jeweiligen Liegenschaften einen zuvor festgelegten Referenzverbrauch (die so genannte Baseline) unterschreitet. Die Höhe der Prämie beträgt 50 % der erzielten jährlichen Kostensenkungen. Eine Überschreitung der Baseline hingegen, also ein Mehrverbrauch an Strom- und Wärme, muss kostenseitig zu 100 % von den Fachbereichen getragen werden. Nahezu alle Fachbereiche der Universität erhielten in den Jahren 2008 bis 2013 Prämienzahlungen und haben somit ihren Energieverbrauch gegenüber dem Referenzjahr reduziert. Zur Initiierung zusätzlicher organisatorischer Einsparpotentiale schließt die Universität seit 2012/13 in dem Zeitraum Weihachten/Neujahr während der akademischen Ferien regelmäßig ihre Institute. In diesen Betriebsferien werden Lüftungsanlagen und Laborgeräte soweit wie möglich abgeschaltet, die Temperatur in den Universitätsgebäuden wird – von wenigen Ausnahmebereichen abgesehen – auf ein Temperaturniveau von 12 bis 14 Grad abgesenkt. Mit den Betriebsferien konnten jährliche Einsparungen bei den Energie- und Wasserkosten von 200.000 bis 280.000 Euro erzielt werden.

2008 wurde die erste Photovoltaikanlage auf dem Dach des Physikgebäudes in Betrieb genommen. Inzwischen stehen insgesamt neun Photovoltaikanlagen mit einer Gesamtkapazität von 675 kWp auf den Dächern der FUB-Liegenschaften. Der aus diesen Anlagen produzierte Strom in Höhe von jährlich etwa 600.000 kWh wird größtenteils direkt in die Stromversorgung der Universität eingespeist und reicht aus, den jährlichen Strombedarf beispielsweise des Fachbereichs Politik- und Sozialwissenschaften – oder von 150 Vier-Personen-Haushalten – zu decken.

Zudem hat die FUB im Februar 2013 erstmals zwei Blockheizkraftwerke (BHKW) in Betrieb genommen. Weitere BHKW gingen im Dezember 2014 im Institutsgebäude für Pharmazie in der Kelchstraße und im März 2016 im Botanischen Garten in Betrieb. Letzteres basiert auf Bioerdgas. Die BHKW verfügen über eine elektrische Erzeugungsleistung von insgesamt 710 Kilowatt und eine thermische Leistung von rund 1.080 Kilowatt. Die wärmegeführten BHKW produzieren jährlich – einen planmäßigen Betrieb vorausgesetzt – rund 4,5 bis 5 Mio. kWh Strom, von denen mehr als 95 % direkt an den vier Standorten verbraucht werden. Mit dem Einsatz der BHKW ist eine Primärenergieeinsparung von rund 23 % und eine jährliche CO₂-Reduktion von etwa 2.800 Tonnen verbunden.

2015 hat das Präsidium der FUB Nachhaltigkeitsleitlinien verabschiedet, die auf einen Entwurf der Nachhaltigkeitsinitiative SUSTAIN IT! zurückgingen. Im Anschluss wurden alle Universitätsangehörigen von der Universitätsleitung gebeten, sich mit dem Leitbild auseinanderzusetzen und Ergänzungs- und Änderungsvorschläge zu unterbreiten, die in einem öffentlichen Workshop erörtert wurden. Die so ergänzten Umweltleitlinien wurden im April 2016 erneut durch das Präsidium verabschiedet.

Unter dem Dach des 2015 etablierten DAAD-Projektes „University Alliance for Sustainability“ rückt die Freie Universität Berlin gemeinsam mit ihren vier strategischen Partneruniversitäten – der Hebrew University of Jerusalem (Israel), der University of British Columbia (Kanada), der St. Petersburg State University (Russland) und der Peking University (China) – das Thema Nachhaltigkeit im Sinne eines Whole Institution Approach in den Fokus. Von 2015 bis 2018 eröffnet das vom DAAD geförderte Projekt die Möglichkeit, Studien- und Forschungsaufenthalte von Studierenden, Doktorand_innen und etablierten Wissenschaftler_innen zu fördern wie auch einen systematischen Ideen- und Erfahrungsaustausch von Campus-Manager_innen zu gestalten. Neben einem Mobility Programm, das jährlich die Mobilität von rund 70 Wissenschaftler_innen, Studierenden, Doktorand_innen und Campus-Manager_innen fördert, finden regelmäßige „Teaching and Management Incubators“ sowie jährliche Spring Campus Tagungen statt, die sich wechselnden Nachhaltigkeitsthemen widmen.

Folgende Punkte stellen die wichtigsten Meilensteine der Implementierungsstrategie dar:

2001: Einrichtung einer Koordinationsstelle zum Aufbau eines Campus Management mit dem Schwerpunkt Energieeffizienz/Klimaschutz, Aufbau eines Energiecontrollings.

2002: Bildung eines zentralen Steuerungsteams, geleitet durch den Kanzler.

2003: Jährliche Energieeffizienzprogramme zur energetischen Modernisierung der Universitätsgebäude mit dem Schwerpunkt der Modernisierung der Heizungs- und Lüftungsanlagen, ergänzt um bauliche Optimierungen im Bereich der Gebäudehülle.

2004: Zertifiziertes Umweltmanagementsystem nach ISO 14001 zwischen 2004 und 2013. Die Zertifizierung wurde unterbrochen, um ein umfassenderes Nachhaltigkeitsmanagement zu etablieren. Die Zertifizierung soll 2016/17 auf der Grundlage von EMAS fortgeführt werden.

2007: Mit dem Prämiensystem zur Energieeinsparung erhalten die Fachbereiche finanzielle Anreize zum Energiesparen.

2008: Erste Solaranlage auf dem Physikgebäude, seit acht weitere Anlagen mit einer Gesamtkapazität von 675 kW.

2010: Green-IT Handlungsprogramm mit den Hauptmaßnahmen Zentralisierung der Server, Modernisierung der Kälteerzeugung und Kälteversorgung der beiden Rechenzentren, zentrales Powermanagement und energieeffiziente IT-Beschaffung.

2010: Gründung und Mitwirkung in der Nachhaltigkeits-Initiative SUSTAIN IT!, einer gemischten Initiative aus Studierenden und Beschäftigten der Freien Universität.

2011: Abschluss einer Klimaschutzvereinbarung mit dem Land Berlin (als bislang einzige Hochschule in Berlin).

2012: Einführung jährlicher Betriebsferien, Schließung der Universität für zwei Wochen zum Jahreswechsel.

2013: Inbetriebnahme von zwei BHKW, zwei weitere BHKW werden 2015/16 in Betrieb genommen.

2013/14: Beitritt zu den internationalen Nachhaltigkeitsnetzwerken UNICA Green, ISCN und GAUSF.

2014: Verankerung der Zuständigkeit für Sustainability bei der Vizeprässidentin für Forschung und Lehre.

2015: Einrichtung der Stabsstelle Nachhaltigkeit & Energie, Start des DAAD Projekts „University Alliance for Sustainability“ und Etablierung eines Nachhaltigkeitsleitbildes.

Begünstigende Faktoren und Möglichkeitsfenster für die erfolgreiche Implementierung waren dabei:

  • Starkes und kontinuierliches Commitment der Hochschulleitung, insbesondere des Kanzlers
  • Einrichtung einer zentralen Koordinationsstelle mit direktem Zugang zur Universitätsleitung
  • Gründung von Umwelt- und Auditteams in allen Fachbereichen im Zuge der Umweltzertifizierung
  • Einsatz des Energie-Monitorings als Controlling- und Kommunikationsinstrument

Einwerbung von Fördermitteln für die Energieeffizienzprogramme:

  • Auszeichnungen und Awards wie beispielsweise die Zertifizierung nach ISO 14001 (2000) die Auszeichnung durch die KlimaSchutzPartner Berlin (2003, 2008 und 2015) sowie den GASAG-Zukunftswettbewerb (2010 und 2012)

Folgende Herausforderungen entstanden während der Implementierung:

  • Hoher Partizipations- und Kommunikationsaufwand durch die erforderliche Einbindung der internen Stakeholder
  • Berücksichtigung der Interdependenzen zwischen technisch-wirtschaftlichen, organisatorischen und verhaltensbezogenen Maßnahmen
  • Hohes Maß an inter- und transdisziplinärer Kompetenz

Die FUB hat mit den dargelegten Aktivitäten gezeigt, dass Hochschulen in der Lage sind, auf freiwilliger Basis ein universitätsweites Nachhaltigkeits-Management zu institutionalisieren. Mit ihren Programmen im Bereich Energieeffizienz hat sie verdeutlicht, dass es auch in diesem Bereich, der zu den bislang energiepolitisch eher vernachlässigten Bausteinen der Energiewende zählt, interessante und umsetzbare Potentiale vorhanden sind. Die dargelegten Erfolgsfaktoren verdeutlichen insgesamt, dass Nachhaltigkeit in einer Universität erfolgreich umgesetzt werden kann, wenn sie als eine langfristige Führungs- und Integrationsaufgabe wahrgenommen und gestaltet wird. Das Prinzip einer schrittweisen und beteiligungsorientierten Vorgehensweise prägte die bisherigen Aktivitäten und wird absehbar auch in Zukunft kennzeichnend bleiben.

Kernprinzipien

  • Grundlage von Veränderungsprozessen ist ein systematisches Nachhaltigkeitsmanagement, das unterschiedliche Anreiz- und Steuerungsinstrumente kombiniert und eine externe Zertifizierung anstrebt.
  • Angesichts der Komplexität und Vielschichtigkeit von Nachhaltigkeitsmanagement ist eine breite organisatorische Einbettung in die Universitätsorganisation bei gleichzeitig klarem Commitment der Universitätsleitung unverzichtbare Erfolgsfaktoren.
  • Teambildungsprozesse auf unterschiedlichen Ebenen (Steuerungsteam, dezentrale Nachhaltigkeitsteams, Nachhaltigkeitsinitiative SUSTAIN IT!) bilden den Kern der organisatorischen Prozesse.
  • Veränderung fängt in den Köpfen an; eine kontinuierliche und zielgruppengerechte Kommunikation mit Akteuren innerhalb und außerhalb der Universität ist unerlässlich.
  • Technische, organisatorische und verhaltensorientierte Veränderungspotentiale sollten ganzheitlich betrachtet werden.
  • Eine enge Kooperation mit dem betrieblichen Bau-, Facility- und IT-Management und externen Consultants ist sehr vorteilhaft. Die Zertifizierung war auch insbesondere im Hinblick auf die damit gestarteten Teambildungsprozesse und das Thema Legal Compliance relevant.

weiterführende Informationen

Energiebilanzen und Umweltkennzahlen

Prämiensystem zur Energieeinsparung

WANKE, A.: Nachhaltiges Campus-Management an der Freien Universität Berlin, in: Brunnengräber, A.; Di Nucci, M. R. (Hrsg.): Im Hürdenlauf zur Energiewende. Von Transformationen, Reformen und Innovationen, Springer VS, Wiesbaden 2014, 309-328.

Kontakt

Institution: Freie Universität Berlin
Bereich: Governance, Outreach (international)
Initiator_innen: Präsidium der Freien Universität Berlin, Stabsstelle Nachhaltigkeit und Energie
Ansprechpartner: Andreas Wanke, Leiter der Stabsstelle, Koordinator für Nachhaltigkeit & Energie
+49 (0)30 83 85 22 54
andreas.wanke[at]fu-berlin.de
www.fu-berlin.de/sites/nachhaltigkeit

Weitere Beispiele aus dem Bereich Governance

AStA Nachhaltigkeitsreferat
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Green Office Maastricht
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SUSTAIN IT! Initiative für Nachhaltigkeit + Klimaschutz
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Der Beirat für nachhaltige Entwicklung
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Runder Tisch zur nachhaltigen Entwicklung
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Stabsstelle Nachhaltigkeit & Energie
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Institut für Nachhaltigkeit in Technik und Wirtschaft
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Kompetenzzentrum für nachhaltige Entwicklung
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EMAS Umweltmanagementsystem
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