SchülerUni Nachhaltigkeit + Klimaschutz

Freie Universität Berlin

Die SchülerUni Nachhaltigkeit + Klimaschutz wurde 2005 vom Forschungszentrum für Umweltpolitik (FFU) als themenfokussiertes und außerschulisches BNE-Bildungsformat für Berliner Schulklassen entwickelt. Zweimal im Jahr öffnet das FFU dafür den Campus der Freien Universität Berlin (FUB) und macht die abstrakte Themenwelt Nachhaltigkeit + Klimaschutz für Schüler_innen der 5. und 6. Klassen und deren Lehrkräfte greif- und erlebbar. Ziel der SchülerUni ist es, die BNE-Lehr- und Lernkultur innerhalb und außerhalb der Universität durch Best Practices zu verbreiten und Veränderungsprozesse in Schulen und in der FUB anzustoßen und Kooperationen zwischen Schulen, Universität und außerschulischen Berliner Lernorten zu fördern.

Das Bildungsformat der SchülerUni Nachhaltigkeit + Klimaschutz ist am FFU am Fachbereich Politik- und Sozialwissenschaften der FUB angesiedelt. Das FFU ist ein Institut im Bereich der vergleichenden und internationalen Umweltpolitikforschung und der Forschung zur nachhaltigen Energiepolitik. Das BNE-Format wird hauptberuflich von Projektleiterin Karola Braun-Wanke konzipiert und in einem kleinen freiberuflichen Team sowie in enger Kooperation mit akademischen und regionalen Partner_innen umgesetzt. Die Grundidee der SchülerUni wurde vom FFU 2005 als Pilotprojekt mit dem Ziel entwickelt, die bestehenden Wissens- und Kompetenzdefizite hinsichtlich der Schlüsselthemen einer nachhaltigen Entwicklung in Grundschulen zu schließen und Kooperationen zwischen Schulen, Universität und außerschulischen Lernorten zu befördern. Mit der SchülerUni hat sich an der FU Berlin ein verlässlicher und anerkannter Lernort „Nachhaltigkeit lernen“ herausgebildet.

Lernen für eine zukunftsfähige Welt ist das Motto der SchülerUni. Jeweils im Frühjahr und Herbst öffnet das FFU in der vorlesungsfreien Zeit den Campus der FUB Schulen. Eine Woche lang stehen die Schlüsselthemen einer nachhaltigen Entwicklung auf dem Programm. Alle Workshops sind erlebnis- und handlungsorientiert und folgen dem didaktischen Ansatz der Gestaltungskompetenzen nach de Haan und Harenberg (1999). In den Workshops können die Kinder erkunden, was hinter den abstrakten Begriffen Nachhaltigkeit und Klimaschutz steckt. An sechs verschiedenen Lernorten der FUB bietet das FFU pro SchülerUni rund 80 Mitmachworkshops (indoor/outdoor) an und verwandelt unterschiedliche Orte wie akademische Hörsäle, Seminarräume, Wetterstation und Wettergarten, Mensa, Ökogarten sowie den Botanischen Garten in Mitmachlabore und Kreativwerkstätten für Schulkinder und Lehrkräfte.

Das FFU bietet im Rahmen der SchülerUni zwei Module an:

Modul 1: Ein handlungsorientiertes und interaktives Programm für 5. und 6. Klassen

Modul 2: Begleitende BNE-Fortbildungen für Lehrkräfte und Multiplikator_innen

Zu Modul 1 Programm für 5. und 6. Klassen

Das einwöchige Programm hat eine offene Programmstruktur. Lehrkräfte können je nach Themeninteresse bzw. zeitlicher Flexibilität bis zu drei Einzelveranstaltungen für ihre Schulklassen auswählen. Die Workshops sind für jeweils eine Klasse, die Vorlesungen für maximal drei Klassen konzipiert. Die Workshops dauern von einer bis zu vier Stunden und finden teilweise parallel statt. An jedem Tag wird zusätzlich ein einführender Vortrag zum Thema „Was ist Nachhaltigkeit“ angeboten.

Altersgemäß und bezogen auf die Lebenswelt der Schulkinder werden in den Workshops soziale, ökonomische, ökologische und kulturelle Aspekte einer nachhaltigen Entwicklung behandelt und gemeinsam Lösungen für den (Schul-)Alltag entwickelt. Ziel der handlungsorientierten und interaktiven Workshops ist es, den Schüler_innen die Themen einer nachhaltigen Entwicklung im Zusammen- hang mit ihrem Lebens- und Konsumstil – etwa in Bezug auf Kleidung, Ernährung, Reisen und Hobbys – bewusst zu machen und Handlungsmöglichkeiten für den (Schul-)Alltag zu entwickeln.

Die Qualität und Quantität der Inhalte sowie die Themen- und die Methodenvielfalt verdankt die SchülerUni einem transdisziplinären Referent_innenteam. Über die Jahre hat sich unter dem Dach der SchülerUni und in einem konstruktiven Miteinander ein universitäres und regionales Partnernetzwerk aus rund 45 Institutionen und 90 einzel- und außerschulischen (Umwelt-) und Bildungsakteuren herausgebildet, die die Workshops gemeinsam mit dem FFU konzipieren und durchführen. Besonders bewährt hat sich die inhaltliche Begegnung auf Augenhöhe: Einzelne Work- shops werden von Schüler_innen (Peer-to-Peer) und von Studierenden angeleitet.

Um die Schulkinder auch auf der emotionalen Ebene zu erreichen, werden Orientierungswissen und Wirkungszusammenhänge mit „Kopf, Herz und Hand“ vermittelt. Beim Basteln, Experimentieren, Forschen und kreativen Gestalten werden die komplexen Themen für Kinder greifbar. Gleichzeitig werden die Heranwachsenden mit vielen Beteiligungselementen animiert, eigenständig nach Lösungen und Handlungsansätzen zu suchen, die zu Hause und in der Schule anwendbar sind.

Folgende Methoden haben sich bewährt:

  • Naturwissenschaftliche Experimente rund um die Erneuerbaren Energien
  • Rundgänge im Wettergarten, in der Mensa, auf der Solaranlage, im Botanischen Garten (zu den Themen Wetter, Klima, Erneuerbare Energien, Ernährung, Landwirtschaft)
  • Kunst-, Kreativ- und Theaterworkshops (zu den Themen Energie und Ressourcenschutz, Konsum)
  • Zukunfts- und Schreibwerkstätten/Design Thinking und Creative Writing (zu den Themen Zukunft der Städte, Energiewende, das „gute“ Leben, Ressourcenschutz)
  • Plan- und Rollenspiele (zum Thema Klima- und Biodiversität)

Das FFU legt in der Konzeption großen Wert auf die Zusammenführung von kultureller Bildung und BNE. Im Dialog mit Künstler_innen, Autor_innen, Theaterregisseur_innen, Schauspieler_innen wurden in den letzten fünf Jahren insgesamt 17 Module entwickelt, die den Kindern eine künstlerisch-ästhetische Auseinandersetzung mit den Themen ermöglichen.

Zu Modul 2 Begleitende Lehrerfortbildung

Um Lehrkräfte für BNE zu sensibilisieren und sie bei der Weiterbehandlung und Vertiefung der Themen vor und nach den SchülerUnis zu unterstützen, werden vor der SchülerUni begleitende Fortbildungen angeboten. Die Trainings sind halbtätig angelegt und finden jeweils ca. vier Wochen vor der SchülerUni statt. In handlungsorientierten Lernstationen bekommen die Teilnehmenden von erfahrenen regionalen Umweltbildungsakteuren neue Vermittlungsmethoden, außerschulische Lernorte, Unterrichtseinheiten und –materialien vorgestellt. Zudem werden innovative Praxisbeispiele aus der Schul- und Wissenschaftspraxis präsentiert. Die Lehrer_innenfortbildungen sind von der Senatsverwaltung für Bildung, Jugend und Wissenschaft anerkannt. Lehrkräfte erhalten eine Teilnahmebescheinigung und werden bevorzugt bei der Anmeldung ihrer Schulklassen bei der Schüler- Uni berücksichtigt.

Alle der bisher 14 SchülerUni-Programme und Lehrerfortbildungen (Stand März 2016) wurden evaluiert. Jeder einzelne Workshop wird von den Lehrkräften und jeweils drei Schüler_innen per Fragebogen ausgewertet. Die Evaluationser- gebnisse werden an die Leiter_innen der Workshops weitergegeben, um die Inhalte und Methoden für den nächsten Durchlauf zu optimieren. Die Ergebnisse dienen auch dazu, organisatorische Abläufe z. B. bei der Registrierung oder Betreuung der Schüler_innengruppen zu verbessern. Insgesamt haben alle Programmdurchläufe hohe Rücklaufquoten (85 %). Insofern spiegeln die Evaluierungsergebnisse die Qualität der Inhalte und Organisation wider.

Mit gut 20.000 Schülerinnen und Schülern und mehr als 2.500 Lehrkräften (Stand März 2016), die die 14 Programme der SchülerUni Nachhaltigkeit + Klimaschutz und die 14 begleitenden Lehrfortbildungen besucht haben, beweist das Projekt eine große Breitenwirkung und ist in der Berliner Schullandschaft ein stark nachgefragtes außerschulisches Angebot. Lehrkräfte, die die SchülerUni seit Jahren besuchen, stellen mittlerweile auch ihre Best-Practice-Beispiele in den Lehrer_innenfortbildungen vor.

Die SchülerUni gehört mit seiner 10-jährigen Projektgeschichte zu den BNE-Pionieren. Das Projekt befindet sich in der vierten Projektphase und wurde über die Jahre international, national, regional und lokal gefördert.

Folgende Punkte stellen die wichtigsten Meilensteine im Rahmen der Implementierung der SchülerUni Nachhaltigkeit und Klimaschutz Lernen dar:

2005–2006: Pilotprojekt „SchülerUni Energie und Klima T+20“ (finanziert durch das BMUB).

2008–2011: Europäisches Forschungsprojekt „Schools@University Climate and Energy (SAUCE )“ in Kooperation mit sechs internationalen Universitäten. Gefördert über das Programm „Intelligent Energy Europe“ der Europäischen Kommission.

2011–2015 und 2015–2020: „SchülerUni Nachhaltigkeit + Klimaschutz“: Als Bildungsmaßnahme wurde die SchülerUni 2010 in die Klimaschutzvereinbarung zwischen zwischen dem Land Berlin, der FUB und der Senatsverwaltung und Umwelt aufgenommen. Diese Rahmung ebnete den Weg für Kooperationsverträge zwischen dem FUB/FFU sowie den Klimaschutzpartnern des Landes Berlin (BSR, GASAG, BWB).

Auszeichnungen 2011 – 2015:

  • 2009/2010, 2011/2012 und 2013/14: Auszeichnungen als „Offizielles Projekt der UN-Weltdekade Bildung für nachhaltige Entwicklung“
  • 2012: „Ausgezeichnetes Projekt der UN-Dekade Biologische Vielfalt“
  • 2013: Qualitätssiegel „Werkstatt N“ durch den Rat für Nachhaltige Entwicklung der Bundesregierung.

Folgende Herausforderungen hat das FFU bei der Implementierung zu bewältigen:

  • Schaffung und kontinuierliche Optimierung eines Organisationsrahmens, Projektmanagements und Monitorings
  • Akzeptanzschaffung für das Format in Universität, Forschung, Lehre, Schule und Land Berlin
  • Aufbau eines akademischen und regionalen Partner- und Bildungsnetzwerks
  • Übersetzung der komplexen Thematik in zielgruppenorientierte BNE-Workshops
  • Sicherstellung der Kontinuität des außerschulischen Lernortes durch Finanzierung

Die Lehrerin Corina Franke schildert in einem Artikel des Tagesspiegels am 14.4.2016 ihre Erfahrungen: „Die Kinder waren immer begeistert. Sie tüfteln, basteln, spielen, erkennen, probieren aus, können sogar kosten, diskutieren, be- gründen, stellen vor, ziehen Schlussfolgerungen und vieles mehr.“ Aus pädagogischer Sicht sei die SchülerUni mit nichts vergleichbar: „Nirgendwo wird den Schülern in so vielfältigen Workshops und Mitmachvorlesungen die Problematik im Umgang mit unseren immer knapper werdenden Ressourcen nähergebracht und nirgendwo werden die Folgen unseres Handelns für die Umwelt eindrücklicher aufgezeigt als in der SchülerUni“. Die Universität als außerschulischer Lernort und das Lernen mit und von außerschulischen Partnern spiele für die Grundschüler_innen eine große Rolle, so die Lehrerin: „An diesem Ort mit Fachleuten gemeinsam zu lernen, macht die Schüler deutlich aufnahmebereiter. Eine nachhaltige Lebensweise oder eine Änderung der bisherigen kann nicht von oben verordnet werden, sondern muss durch Wissen und Einsicht entwickelt werden [1].“

„Ich finde gut, dass Kinder als Problemlösende ernst genommen werden. Für mich als Künstlerin ist es sehr spannend zu sehen, wie inhaltlich und methodisch bei der SchülerUni die Themen behandelt werden. Hier lernen Lehrende und Schüler gleichermaßen, was es bedeutet fächerübergreifend und interdisziplinär zu arbeiten.“ so die Berliner Künstlerin Ev Pommer in einem Interview 2016.

Kernprinzipien

  • BNE als didaktisches Konzept für alle Workshops + Fortbildungen
  • Partizipation durch Methodenvielfalt
  • Lernen an authentischen Lernorten der Universität (indoor/outdoor)
  • Perspektivenvielfalt durch inter- und transdisziplinäre Ausrichtung
  • Anerkannte BNE-Lehrer_innenfortbildungen (durch die Senatsverwaltung für Bildung, Jugend und Wissenschaft)
  • Evaluierung der Workshops und Trainings zur Qualitätssicherung
  • Regelmäßige Netzwerktreffen und „Train-the-Trainer“- Schulungen
  • Einbindung von Studierenden (über Werkverträge) in das Organisationsteam
  • Konzeption von SchülerUni-Workshops durch Lehramtsstudierende in Seminaren der Politikdidaktik (wird mit ECTS-Punkten angerechnet), FB Politik- und Sozialwissenschaften
  • Lokale, nationale und internationale Gremienarbeit und Vernetzung

Kontakt

Institution: Freie Universität Berlin, Forschungszentrum für Umweltpolitik (FFU)
Bereich: Lehre, Forschung, Outreach
Initiatorin: Karola Braun-Wanke, Projektleitung am FFU
Ansprechpartnerin: Karola Braun-Wanke, Projektleitung
+49 (0)30 83 85 15 99
k.braun-wanke[at]fu-berlin.de
www.fu-berlin.de/sites/schueleruni

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