Projektseminar Nachhaltigkeit Lehren Lernen

Pädagogische Hochschule und Universität Heidelberg

Im Projektseminar „Nachhaltigkeit lehren lernen“ werden Lehramtskandidat_innen zu „Nachhaltigkeits-Coaches“ ausgebildet. Vermittelt werden Grundlagen zur Nachhaltigkeit, zur Bildung für nachhaltige Entwicklung, sowie Fachwissen zum Klimawandel als exemplarisches nachhaltigkeitsrelevantes Thema. Das fachliche und methodische Wissen setzen die Studierenden im Team-Teaching in schulische Lehr- oder Projekteinheiten an Partnerschulen um.

Das Projektseminar „Nachhaltigkeit lehren lernen“ wird seit dem Sommersemester 2014 in einer hochschulübergreifenden Kooperation von Pädagogische Hochschule und Universität Heidelberg durchgeführt. An der Pädagogischen Hochschule erfolgt die Organisation durch das Interdisziplinäre Institut für Naturwissenschaft, Technik und Gesellschaft (NTG-Institut), das seit 2011 seinen Schwerpunkt im Bereich der Bildung für nachhaltige Entwicklung (BNE) setzt. Seitens der Universität Heidelberg ist das Heidelberg Center for the Environment (HCE) für die Konzeption und Umsetzung des Seminars verantwortlich. Das HCE vernetzt die umweltbezogenen Aktivitäten aus Natur-, Sozial- und Kulturwissenschaften in Forschung, Lehre und Kommunikation an der Universität Heidelberg.

Initiiert wurde das Seminar durch die Ausweitung der Zusammenarbeit zwischen dem NTG-Institut auf Seite der Pädagogischen Hochschule und dem HCE der Universität in BNE-relevanten Fragestellungen, vor allem durch die Initiative von Prof. Siegmund (Leiter des NTG-Institutes der Pädagogischen Hochschule Heidelberg) und Dr. Vollweiler (Geschäftsführerin des HCE).

Das Seminar steht für Studierende aller Lehramtsstudiengänge beider Hochschulen – von der Grundschule bis zum Gymnasium – offen. Das Seminar wird an der Pädagogischen Hochschule im Übergreifenden Studienbereich (ÜSB) als Wahlpflichtangebot im Bereich „gesellschaftliche Verantwortung“ angeboten und steht somit für Studierende aller Fachrichtungen offen. An der Universität Heidelberg ist das Seminar im Wahlpflichtbereich des Lehramtsstudiums in Geographie verankert; darüber hinaus steht es Studierenden aller Fachrichtungen offen.

Studierende aller Lehramtsstudiengänge beider Hochschulen sollen mit dem Konzept der BNE vertraut gemacht werden und erfahren, wie sie entsprechende Konzepte und Inhalte im Unterricht anwenden können. Vermittelt werden darüber hinaus Kompetenzen im Bereich der vernetzten Zusammenarbeit mit Schulen in der Region, die im Rahmen des von Pädagogischer Hochschule, Universität und „Junger Uni“ initiierten „Kooperationsclusters Nachhaltigkeit“ vernetzt sind. Zudem sollen die Studierenden nach dem Seminar über die Bereitschaft und Fähigkeit verfügen, die nötig sind, um die sie umgebende Realität in Hinblick auf Aspekte der Nachhaltigkeit zu hinterfragen, nicht nachhaltige gesellschaftliche Prozesse zu erkennen und nachhaltige Handlungsmöglichkeiten zu entwickeln. Durch die enge Verbindung von Fachwissen aus verschiedenen nachhaltigkeitsrelevanten Themenfeldern und methoden-didaktischen Kompetenzen im Kontext der Vermittlung von BNE sollen die Studierenden in die Lage versetzt werden, theoriebasiertes Wissen direkt in die Schulpraxis zu überführen und im Sinne der BNE handlungsorientiert und erlebbar umzusetzen.

Die Studierenden beider Hochschulen werden im Seminar in die Grundlagen der Nachhaltigkeit und der BNE eingeführt. Den ersten Seminartag gestalten dabei im Wesentlichen die Dozierenden der Abteilung Geographie im Rahmen des interdisziplinären NTG-Instituts der Pädagogischen Hochschule. Neben den Grundlagen der Nachhaltigkeit und der nachhaltigen Entwicklung erarbeiten sich die Studierenden praxisnah verschiedene Methoden, die für das Vermitteln BNE-relevanter Themen von Bedeutung sind. Darüber hinaus umfasst der erste Seminartag eine kurze Einarbeitung in die neuen Bildungspläne, die in Baden-Württemberg zum Schuljahr 2016/17 in Kraft treten und BNE als übergreifende Leitperspektive des Unterrichts umfassen. Am zweiten Seminartag, der maßgeblich von den Dozierenden des HCE der Universität Heidelberg gestaltet wird, erarbeiten sich die Studierenden Grundlagen auf dem Gebiet des Klimawandels. Dabei werden verschiedene Aspekte von den physikalischen und ökologischen über die ökonomischen bis hin zu gesellschaftlichen und kulturellen Dimensionen des Klimawandels betrachtet und Methoden, wie ein bereits zuvor theoretisch vorgestelltes Planspiel, praktisch angewandt. Im Anschluss an die erste Blockveranstaltung bereiten die Studierenden eine Unterrichtsstunde zum Thema Nachhaltigkeit an verschiedenen Schulen des eigens dafür gegründeten „Kooperationsclusters Nachhaltigkeit“ vor. In einer weiteren Sitzung werden die Unterrichtsentwürfe durch die Studierenden vorgestellt und gemeinsam mit allen Seminarteilnehmer_innen ausführlich besprochen. Die Unterrichtsentwürfe werden im Anschluss noch einmal überarbeitet und dann in der Praxis durchgeführt. Die Lehrkräfte an den Partnerschulen begleiten das Projekt intensiv durch Feedbackrunden mit den Studierenden während der gesamten Praxisphase. Inhaltliche Schwerpunkte der praktischen Umsetzung und Erprobung der Unterrichtseinheiten in den Schulen sind verschiedene nachhaltigkeitsrelevante Fragestellungen wie Klimawandel, erneuerbare Energie oder Konsum.

Seit Sommer 2014 werden pro Semester etwa 15 Lehramtsstudierende der Pädagogischen Hochschule und der Universität Heidelberg in BNE-Projektseminaren zu „Nachhaltigkeits-Coaches“ ausgebildet. Insgesamt konnten so bereits etwa 70 Studierende aller Lehramtsstudiengänge und unterschiedlicher Fächer beider Hochschulen erreicht werden. Als schulische Praxispartner sind fünf Partnerschulen des regionalen „Kooperationsclusters Nachhaltigkeit“ eingebunden, die für die Umsetzung und Erprobung der BNE-relevanten Unterrichtseinheiten der Studierenden dienen.

Es wurde eine konkrete und strukturierte Zusammenarbeit zwischen dem interdisziplinären NTG-Institut der Pädagogischen Hochschule und dem HCE der Universität Heidelberg etabliert, die u.a. durch zusätzliche gemeinsame Lehrer_innenfortbildungen zur BNE ein kooperatives BNE-Colloquium etc. inzwischen über das BNE-Projektseminar hinaus reicht. BNE und BNE-relevante Themen mit Praxisbezug in der Lehramtsausbildung konnten somit an beiden Hochschulen strukturell dauerhaft implementiert werden. Im Rahmen der neuen BA-Studienordnung für die Lehrämter an der Pädagogischen Hochschule Heidelberg werden die BNE-Seminare im Rahmen des entsprechenden Wahlpflichtbereichs im ÜSB zukünftig zusätzlich prüfungsrelevant.

Folgende Punkte stellen die wichtigsten Meilensteine im Rahmen der Implementierung des Projektseminars „Nachhaltigkeit Lehren Lernen“ dar:

Herbst 2013: Gründung des Kooperationsclusters Nachhaltigkeit – Intensive Kooperation zwischen dem interdisziplinären NTG-Institut der Pädagogischen Hochschule und dem HCE der Universität Heidelberg

Sommersemester 2014: Pilot-Veranstaltung des Projektseminars

Sommersemester 2015: Implementierung der optimierten Lehrkonzepte und -inhalte

Begünstigende Faktoren und Möglichkeitsfenster für die erfolgreiche Implementierung waren dabei:

  • Intensivierung der Kooperation zwischen dem NTG-Institut und HCE, initiiert durch Prof. Siegmund und Dr. Vollweiler

Folgende Herausforderungen entstanden während der Implementierung:

  • An der Pädagogischen Hochschule Heidelberg wird das Seminar im ÜSB angeboten. Da das Seminar als Wahlpflichtveranstaltung angeboten wird, erhalten die Teilnehmenden keine Leistungsbescheinigung. Dadurch kommt es immer wieder zu einer hohen Fluktuation seitens der Studierenden, auch während der Veranstaltung. Durch die Einführung der neuen Studienordnung zum Wintersemester 2015/16 ist die Verpflichtung der Studierenden aufgrund der Prüfungsrelevanz des ÜSB größer, so dass eine Teilnahme am kompletten Seminar verpflichtend für den Erhalt eines Leistungsnachweises ist.
  • Auf Seite der Universität Heidelberg gestalten sich die formale Verankerung des Seminars im Studium und dadurch die Anrechenbarkeit für die Studierenden schwierig. Dadurch konnten bislang im Wesentlichen nur Lehramtsstudierende der Geographie erreicht werden.

Das Seminar wird von den Studierenden gerne besucht. Als besonders positiv wird dabei in regelmäßigen Evaluierungen angegeben, dass neben der theoretischen Vermittlung von Kenntnissen rund um BNE und Klimawandel, die praktische Anwendung des Gelernten in den Vordergrund gerückt wird, wie dies beispielsweise am zweiten Seminartag in Form von Planspielen der Fall ist. Auch die Vorbereitung der Unterrichtsstunden wird von den Studierenden als positiv empfunden. Gerade die Studierenden, die bislang keine oder nur wenige Unterrichtserfahrung haben, empfinden dies als bereichernd. Im Anschluss an die in den Praxisschulen gehaltenen Unterrichtsstunden erfolgt eine kurze schriftliche Selbstreflexion. Viele Seminarteilnehmer_innen äußern sich darin positiv hinsichtlich ihrer guten Erfahrungen im Unterricht.

Kernprinzipien

  • Zugänglich für Studierende aller Lehramtsstudiengänge (von der Grundschule bis zum Gymnasium) unabhängig von Studienfach und Semester an der Pädagogischen Hochschule und der Universität Heidelberg
  • Team-Teaching-Ansatz durch Dozierende der Fachdidaktik (NTG-Institut) und der Fachwissenschaft (HCE) im Projektseminar selbst
  • Team-Teaching-Ansatz bei den Unterrichtsstunden, die durch zwei Studierende gehalten werden
  • Angebot im ÜSB als Wahlpflichtangebot im Bereich „gesellschaftliche Verantwortung“
  • Aufzeigen der vielfältigen interdisziplinären Einsatzmöglichkeiten BNE-geleiteter Unterrichtskonzepte über die ganze Bandbreite des Fächerspektrums hinweg
  • Vertiefung des Gelernten durch „Lernen-durch- Lehren“: die Studierenden vermitteln die im Projektseminar erworbenen Kenntnisse und Fähigkeiten an Schüler_innen im praktischen Unterricht und vertiefen dadurch ihre eigenen Kenntnisse auf dem Gebiet der BNE
  • Gründung des „Kooperationsclusters Nachhaltigkeit“, das Praxisschulen für die Unterrichtsbesuche stellt und einen Austausch zwischen Lehrkräften und Mitarbeiter_innen der Pädagogischen Hochschule und der Universität Heidelberg zu BNE-relevanten Fragestellungen ermöglicht.

Kontakt

Institution: Pädagogische Hochschule Heidelberg und Universität Heidelberg
Bereich: Lehre
Initiator_innen: Mitglieder des Interdisziplinären Instituts für Naturwissenschaften, Technik, Gesellschaft (NTG-Institut), Pädagogische Hochschule Heidelberg und des Heidelberg Center for the Environment (HCE), Universität Heidelberg
Ansprechpartner_innen:
Prof. Dr. Alexander Siegmund, Pädagogische Hochschule Heidelberg
+49 (0)6221 47 77 71
siegmund[at]ph-heidelberg.de
Dr. Nicole Vollweiler, Heidelberg Center for the Environment (HCE) an der Universität Heidelberg
+49 (0)6221 54 65 30
nicole.vollweiler[at]iup.uni-heidelberg.de
www.hce.uni-heidelberg.de

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