perspektive n

Die Diskussionsreihe zur Zukunftsfähigkeit von Hochschulen in ganz Deutschland

© DUK/Till Budde

2016 erblickte die Debattenreihe perspektive n das Licht der Welt. Die Reihe soll Impulse für nachhaltige Entwicklung an Hochschulen setzen und die hochschulischen Akteure statusgruppenübergreifend ins Gespräch bringen. Das Format öffnet einen Raum, um den aktuellen Stand an der jeweiligen Hochschule aufzugreifen, Entwicklungsmöglichkeiten aufzuzeigen und die Engagierten und Entscheider_innen zum gemeinsamen Handeln zu motivieren. Ziel ist es, perspektive n an möglichst vielen Hochschulen in Deutschland mit unterschiedlichen Kooperationspartnern auszurichten.

Ablauf und Methoden

perspektive n ist eine Diskussionsreihe im Fishbowl-Format mit interaktiven Elementen und Modellbeispielen über die Zukunftsfähigkeit von Hochschulen in Lehre, Forschung, Betrieb und Governance. Was geht und was fehlt? Hier findet ihr das Konzeptpapier (Stand 03/2017).

Insgesamt soll die Barriere zwischen „Podium“ und „Publikum“ aufgebrochen werden, weshalb sich eine lose und bunte Anordnung der Stühle im Raum und ggf. die Anordnung in kleinen Stuhlgruppen mit kniehohen Beistelltischen um die Fishbowl (siehe Methode Einbindung aller Anwesenden) empfiehlt. Die Diskussion beginnt mit einer kurzen Verständigung darüber, welche Inhalte und welche mögliche Vision sich hinter nachhaltiger Entwicklung an Hochschulen verbergen können. Das weitere Format ist im Fishbowl angelegt, das heißt in der Mitte des Raums sitzen die eingeladenen Diskutant_innen, jedoch stehen zudem zusätzliche Stühle bereit, auf die sich jederzeit Gäste aus dem „Publikum“ setzen können, um eigene Gedanken und Fragen in das Gespräch einzubringen. Die dort Sitzenden können jederzeit von anderen Personen wieder abgelöst werden. Kurze Videozusammenschnitte von modellhaften Projekten an Hochschulen ergänzen je nach sich entwickelndem Themenfokus die Diskussion.

Je nach Situation und Absprache können weitere Methoden die Diskussion ergänzen:

Um das „Publikum“ stärker in die Diskussion einzubeziehen, können ein- bis zweimal während der Veranstaltung Fragen an das „Publikum“ gegeben werden. Innerhalb von 10 Minuten tauschen sich die Anwesenden in Kleingruppen aus und können anschließend Kernpunkte in die Diskussion einspeisen. Wenn der Kleingruppenaustausch gewünscht ist, sollte die Bestuhlung des Raums entsprechend angepasst werden, so dass mehrere kleine Stuhlgruppen sich kreisförmig mit z.B. kniehohen Beistelltischen um die Fishbowl anordnen.

Um alle Anwesenden in die Veranstaltung einzubeziehen, können je nach Situation Meinungs- oder Wissensfragen im Multiple-Choice-Verfahren gestellt werden. Die Antworten fließen unmittelbar in die Diskussion ein. Smartphone-Abstimmungen sind unkompliziert über kostenfreie Tools wie Mentimeter möglich, gewähren die Anonymität und eignen sich für Meinungs- und Haltungsfragen (Welches Nachhaltigkeitsverständnis vertreten Sie/vertretet Ihr? Wie schätzen Sie/schätzt Ihr den Stand der nachhaltigen Entwicklung an Ihrer/Eurer Hochschule ein?). Gegebenenfalls kann das Medienzentrum der Hochschule Abstimmungsgeräte zur Verfügung stellen, so dass auf die Smartphone-Nutzung verzichtet werden kann. Eine weitere Abstimmungsmöglichkeit sind Farbkarten, die zu Beginn der Veranstaltung auf allen Stühlen ausliegen. Hier können Antworten auf weniger sensible Meinungs-, Haltungs-, Schätz- oder Wissensfragen (z.B.: Befürworten Sie/befürwortet Ihr die Einführung eines Nachhaltigkeitsbüro? An wie vielen Hochschulen gibt es bereits ein Nachhaltigkeitsbüro, eine allgemeine Schlüsselqualifikation im Bereich Nachhaltigkeit etc.?) technikfrei in die Diskussion eingespeist werden.

Lösungen für Herausforderungen und Handlungsoptionen werden teilweise erst ersichtlich, wenn Probleme aus der umgekehrten Perspektive betrachtet werden. Inspirierend kann es daher sein, die Problemstellung ins Gegenteil zu verkehren (z.B.: Wie kann sich die Hochschule möglichst unnachhaltig aufstellen? Wie können Studierende in ihrem Engagement demotiviert werden?)

Jede Statusgruppen an einer Hochschule handelt aus einer eingeübten Wahrnehmung und Denkweise heraus. Wenn sich zum Beispiel der/die Präsident/in für eine Frage in die Rolle eines/einer Student/in der lokalen Nachhaltigkeitsinitiative hineinversetzt und die Antwort aus dieser Perspektive formuliert, entstehen häufig neue Eindrücke, wie mit Themen umzugehen ist und welches Vorgehen in Prozessen erfolgsversprechend sein kann. Diese Methode eignet sich insbesondere für eine einleitende oder abschließende Runde auf dem „Podium“.

Falls sich Diskutant_innen auf Daten der Hochschule beziehen, bei denen unter den Anwesenden Unsicherheit über den Wahrheitsgehalt besteht, können 1 bis 2 Personen entweder noch während der Veranstaltung die Fakten recherchieren und/oder im Nachgang der Veranstaltung auf der Webseite des netzwerk n, der organisierenden Hochschulgruppe und/oder der Hochschule veröffentlichen.

Je nach Publikumsgröße ist denkbar, dass Anwesende Fragen auf Zetteln notieren, die von einer Person sortiert und gebündelt in die Diskussion eingespeist werden und auf die die Diskutant_innen knapp innerhalb 1 Minute antworten. Der Vorteil liegt darin, dass lange Redebeiträge ohne Frage(n) seitens des „Publikums“ vermieden und besonders häufige Fragen prioritär ans „Podium“ weitergegeben werden können.

Nach der Veranstaltung sollte unbedingt ein Umtrunk stattfinden, damit sich die verschiedenen Engagierten, Interessierten und Anwesenden weiter kennenlernen, vernetzen und die nächsten Schritte absprechen können.

perspektive n in Witten, 7. Juni 2017 | © Michael Kotowski

perspektive n in Stuttgart, 10. Mai 2017 | © Julia Lier

perspektive n in Darmstadt, 29. September 2016

perspektive n in Greifswald, 18. Mai 2017

An wen richtet sich die perspektive n?

Häufig bilden Studierende und Studierendeninitiativen den Anfangspunkt. Sie schieben Veränderungen an und rücken die Reflexion über bestehende Strukturen ins Bewusstsein. Aber auch darüber hinaus finden sich in allen Statusgruppen Fürsprecher und Vorbilder für eine zukunftsfähige Entwicklung ihrer Einrichtung. Die Diskussionsreihe perspektive n – Hochschule weiter denken möchte all diese Personen zusammenführen und dazu anregen, über das Bestehende und das künftig Erwünschte an ihrer Hochschule zu diskutieren. Folgende Fragen stehen unter anderem im Mittelpunkt:

  • Warum soll sich die Hochschule verändern? Welche Vorteile bringt das?
  • Wie bedeutsam ist nachhaltige Entwicklung für die Hochschule?
  • Welche Ansätze bestehen bereits heute an der Hochschule in den vier Tätigkeitsfeldern?
  • Wie gestaltet sich der Austausch zwischen allen Statusgruppen?
  • Inwiefern bestehen Möglichkeiten, modellhafte Ansätze anderer Hochschulen zu übertragen?
  • Welche Strukturen können geschaffen werden?
  • Welche nächsten Schritte gilt es zu unternehmen?

Für diesen umfassenden institutionellen Lern- und Transformationsprozesse sind Studierende und studentische Initiativen von großer Bedeutung, da sie Veränderungen an ihrer Hochschule einfordern und unterstützen. Studien zeigen, dass gerade unter Studierenden ein überdurchschnittlich hohes Nachhaltigkeitsbewusstsein und ein starker Wille zur Veränderung vorhanden sind. Eine überwältigende Mehrheit der Studierenden in Großbritannien (90 % in 2015) erachtet es beispielsweise essentiell, dass Hochschulen selbst als Institution nachhaltig wirtschaften und zu einer nachhaltigen Entwicklung beitragen.

Aktuelle Termine

 

  • 13. Juni 2017: Hochschule für nachhaltige Entwicklung Eberswalde
  • 28. Juni 2017: Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg
  • 29. Juni 2017: PH Ludwigsburg
  • 17. Oktober 2017: Universität Ulm
  • 2. November 2017: Universität Köln

Erfahrungsberichte und Videos*

*Entschuldigt die schlechte Ton-Qualität. Auf einer der nächsten Veranstaltungen werden wir ein schickes Video realisieren.

perspektive n in Nordhausen, 22. Juni 2016

perspektive n in Friedrichshafen, 12. April 2017

perspektive n in Erfurt, 12. Mai 2016

perspektive n an TU Berlin, 30. Mai 2017

Berichte vergangener Veranstaltungen

Beste Voraussetzungen für eine nachhaltige Universität: Das Feld ist für eine reiche Ernte bestellt

Den Höhe- und Schlusspunkt der Aktionstage Nachhaltigkeit an der Universität Witten/Herdecke (UW/H), die im Rahmen der Deutschen Aktionstage Nachhaltigkeit vom Initiativ-Labor organisiert wurden und praxisorientierte Workshops, Vorträge und einen Radausflug entlang der Ruhr zu bieten hatten, markierte am 7. Juni unsere bundesweite Veranstaltungsreihe perspektive n, die in diesem Sommersemester bereits an Hochschulen in Friedrichshafen, Stuttgart, Greifswald und an der TU Berlin zu Gast war. Das für öffentliche Diskussionen für viele immer noch ungewohnte Fishbowl-Format, das wir mit Farbkartenabstimmungen und Murmelrunden noch interaktiver ausgerichtet haben, um möglichst viele Studierende, Wissenschaftler_innen, Präsidiumsmitglieder und Verwaltungsmitarbeiter_innen in die Diskussion um die Zukunftsfähigkeit ihrer Hochschule einzubeziehen, begeisterte die über 60 Teilnehmenden im prall gefüllten Audimax der UW/H – bezogen auf die ca. 2.300 Studierenden der Universität eine beachtliche Zahl.

Eine positive Energie und der Wille zur Transformation durchzogen die lebhafte Diskussion und hinterließen spürbar Eindruck beim Präsidenten der UW/H, Prof. Martin Butzlaff. Anfangs widmeten wir uns dem Begriff der nachhaltigen Entwicklung, unter dem Butzlaff „enkelgerechte Zukunft durch Verantwortungsfreude“ versteht. Mit „Freude“ und einem optimistischen Blick lassen sich gewiss die Herausforderungen und die Krisen der Moderne einfacher meistern, dennoch legten Johannes Geibel und Sabine Bohnet-Joschko auch den Finger in die Wunde: Johannes verwies auf die planetaren Grenzen, die es einzuhalten gelte und die den menschlichen Handlungsrahmen determinieren; Bohnet-Joschko erwähnte die Zielkonflikte, die in der Diskussion um nachhaltige Lebensstile und Wirtschaftsweisen zwangsläufig aufkommen, und sprach in diesem Kontext von Nachhaltigkeit als „Symbol für Verteilungskämpfe und die Suche nach Interessenausgleich“.

Im Anschluss näherten wir uns vom abstrakten und theoretischen Überbau dem Konkreten an und ließen alle Anwesenden nach einer kurzen Murmelrunde über den Stand der nachhaltigen Entwicklung an der UW/H befinden: Die Farbkarten schnellten in die Höhe; gelb („Das Potential ist auf jeden Fall vorhanden.“) erfüllte den Raum, mit einigen grünen („Wir sind auf einem guten Weg.“) Farbtupfern. Martin Butzlaff, der nach eigener Aussage stets in seiner Rolle als Präsident die grüne Karte in die Luft zu halten habe, auch wenn man ihn 4 Uhr nachts aufwecke, entwickelte einen ausgesprochenen offenen und selbstkritischen Blick auf seine Hochschule: Die Lehre, das studentische Engagement, der „umgekehrte Generationenvertrag“ zur Finanzierung des Studiums und die Werte, mit denen die Absolvent_innen die UW/H verließen, stimmen ihn äußert zufrieden, in betrieblichen Aspekten wie Ernährung, Mobilität, Energieeffizienz und Ressourcennutzung gebe es dagegen noch große Defizite und somit Potenziale für Veränderungen. In der Folge problematisierten einige Stimmen, dass eine deutliche Diskrepanz zwischen der vorbildlich mit Nachhaltigkeitsinhalten versehenen Mission bzw. den angestrebten Zielen der Universität und dem Handeln zu erkennen sei. Ein ehemaliger Student der Leuphana Universität Lüneburg brachte es auf den Punkt: „Nachhaltigkeit wird hier philosophiert.“


Fotos: Copyright Michael Kotowski

Im weiteren Verlauf kristallisierte sich heraus, dass ein fester Ort bzw. eine Struktur fehlt, wo Ideen und Themen der Nachhaltigkeit von allen Statusgruppen eingebracht, diskutiert, ausgehandelt und vorangebracht werden können. In diesem Kontext war den Beiträgen zu entnehmen, dass klare Zuständigkeiten und Verantwortlichkeiten fehlen und dass ein klares Commitment der Hochschulleitung gewünscht ist, damit Initiativen, die bottom-up ihre Hochschule gestalten wollen, ermutigt, gewertschätzt und motiviert werden – passend dazu ist in der Mission der UW/H formuliert: „Es zeichnet die UW/H aus, dass sie ihre Studierenden, Wissenschaftler und Mitarbeiter als Ganzes sieht und deshalb den physischen, organisationalen und mental-intellektuellen Raum zur Verfügung stellt, um sich in jedem dieser Bereiche zu erfahren und weiter zu entwickeln. ‚Betreten und gestalten Sie ihn‘.“ Diese Aussagen gilt es immer wieder aufs Neue zu reflektieren und mit Leben zu füllen.

Im letzten Teil besprachen alle Anwesenden zuerst in kleinen Gruppen, was es von der Uni braucht, um Nachhaltigkeit voranzubringen, und welche nächsten Schritte sie angehen werden. Die Schaffung von Strukturen, in denen Nachhaltigkeit mit einer klaren Zuständigkeit ermöglicht und ermutigt wird, war für viele ein gewünschter und weiter zu diskutierender Vorschlag, wie auch eindeutig eine Abstimmung mit Farbkarten zeigte; ob es nun ein/e Nachhaltigkeitsbeauftragte/r, ein Nachhaltigkeitsbüro, ein Ausbau des bestehenden Initiativ-Labors, ein Green Office, ein Beirat für nachhaltige Entwicklung oder ein Runder Tisch sein soll, müssen und werden hoffentlich die kommenden Monate zeigen. Präsident Martin Butzlaff äußerte abschließend seinen Willen, die nachhaltige Entwicklung an der UW/H weiter voranzubringen. Er habe das starke Signal der Studierenden, die mit ihrer Präsenz und Beteiligung an der Diskussion gezeigt haben, wie wichtig ihnen das Thema Nachhaltigkeit ist, aufgenommen. Überdies ist er überaus offen für die Einsetzung eines Runden Tisches, an dem er auf jeden Fall monatlich teilnehmen würde. Resümierend wies er aber darauf hin, dass es darum gehe, auch die Balance zwischen dem freiwilligen studentischen Engagement und einer Institutionalisierung des Themas zu wahren; in der kommenden Zeit möchte er an der Uni diskutieren, wie diese Balance auszusehen habe. Dass eine stärkere Verantwortlichkeit – gerne auch Verantwortungsfreude – von den Verantwortlichen der UW/H gewünscht ist, belegte auch das Abschlussstatement von Sabine Bohnet-Joschko, die eine regelmäßige Berichterstattung und ein Umweltmanagementsystem implementieren und nachhaltige Entwicklung in die Grundordnung der Uni aufnehmen will. Dem pflichtete auch Reinhard Loske bei, der aus seiner Zeit als Umweltsenator von Bremen erlebte, welche Wirkung ein Umweltmanagementsystem entfalten kann. Domenik Treß plädierte dafür, dass die Uni sich dem Whole-Institution-Approach verpflichten und die Initiativkraft der Studierenden weiter unterstützen müsse. Zusammenfassend bleibt bei für uns das überaus positive Gefühl, dass sich an der UW/H in den nächsten Monaten einiges bewegen wird. Eine große Zahl engagierter und offener Menschen fand während der perspektive n zusammen; wir sind gespannt, was dieser Impuls noch bewirken wird und bedanken uns insbesondere bei Domenik, Milan und Elena vom Initiativ-Labor für die Einladung. In den kommenden Wochen wird der Senat über den Eingang der nachhaltigen Entwicklung in die Grundordnung der UW/H entscheiden – wir drücken die Daumen und hoffen auf eine entschiedenes und unterstützendes Wort des Präsidenten.

Diskutant_innen:

Prof. Dr. Martin Butzlaff, Präsident der UW/H, Mediziner

Prof. Dr. Reinhard Loske, Professor für Politik, Nachhaltigkeit und Transformationsdynamik

Prof. Dr. Sabine Bohnet-Joschko, Professorin für Management und Innovation im Gesundheitswesen

Domenik Treß, Initiativ-Labor an der Universität Witten/Herdecke

Johannes Geibel, Vorstand netzwerk n e.V., Nationale Plattform Weltaktionsprogramm BNE, Gründungsmitglied StudierendenInitiative Greening the University Tübingen

Moderation:

Michael Flohr, Vorstand netzwerk n e.V., Universität Erfurt, Fachforum Non-formales und informelles Lernen/Jugend im Weltaktionsprogramm BNE

Nachhaltigkeitsverständnis der Diskutant_innen:

Reinhard Loske:

„Nachhaltigkeit ist für mich gleichermaßen Ziel, Prozess und Lebensgefühl. Immer geht es um Anforderungen an mich selbst und um unsere Verantwortung als ‚hier und heute Lebende‘ gegenüber ‚Dritten‘: Den Menschen in anderen Teilen der Welt, den noch nicht geborenen Menschen, der ‚Natur‘ mit ihren Eigenrechten im weitesten Sinne. Kurz: Es geht um Lebensstilwandel, Kulturwandel, sozialen Wandel und technisch-ökonomischen Wandel.“

Martin Butzlaff:

„Enkelgerechte Zukunft durch Verantwortungsfreude.“

Sabine Bohnet-Joschko:

„Nachhaltigkeit ist für mich ein Symbol für Verteilungskämpfe und die Suche nach Interessenausgleich – in Organisationen, zwischen Gruppierungen in Gesellschaften und über Grenzen hinweg.“

Domenik Treß:

„Nachhaltigkeit = Zukunftsfähigkeit = Generationengerechtigkeit = Ganzheitlichkeit = Langfristigkeit. Nachhaltigkeit bedeutet, ökonomisch vorausschauend und langfristig zu agieren, ökologisch die Tragfähigkeit des Planeten zu respektieren, sozial und generationenübergreifend gerecht zu agieren und kulturell eine Orientierung am guten Leben.“

P.S.: Alle Berichte zu den vergangenen Veranstaltungen findest Du auf unserer Seite zur perspektive n

„Hey TU, können wir eigentlich Zukunft?“

Am 30. Mai 2017 fand im imposanten Lichthof der TU Berlin die perspektive n mit dem Titel „Hey TU, können wir eigentlich Zukunft?“ statt. Zusammen mit dem Nachhaltigkeitsrat der TU Berlin und den Studierenden für nachhaltige Entwicklung brachte das netzwerk n fast 70 Interessierte und Engagierte in einer Fishbowl-Diskussion zusammen. Mitglieder der TU Berlin aus allen Statusgruppen diskutierten darüber, wie es an der eigenen Hochschule um die Nachhaltigkeit bestellt ist. Dies ließ sich auch der Präsident der TU, Prof. Dr. Christian Thomsen, nicht nehmen.

Der Moderator des Abends, unser Vorstandsmitglied Michael Flohr, stellte gleich zu Beginn der Veranstaltung die Frage, ob das Nachhaltigkeits-Leitbild der TU Berlin nur ein Stück Papier sei, oder ob es auch gelebt werde. Präsident Thomsen antwortete, dass seine Hochschule zwar bereits relativ breit aufgestellt sei, gab aber auch zu, dass seine Universität noch nicht in der Vorreiter-Position zu finden sei – zumindest noch nicht. So komme der Begriff Nachhaltigkeit nur in etwa 10 % der Abstracts von Forschungsvorhaben an der TU Berlin vor. In der Lehre sei der Anteil mit ungefähr 5 % noch einmal geringer. Er sehe aber viel Potenzial, das es noch weiter zu entwickeln gelte. Genau um das zu erreichen, sei schließlich auch der Nachhaltigkeitsrat im Jahr 2016 an der TU gegründet worden.

Anschließend kam immer wieder die Frage der Finanzierung dieser Potenzial-Entwicklung auf. Es wurde bspw. darüber diskutiert, ob Nachhaltigkeit an der einen Stelle durch Mittelstreichungen an einer anderen Stelle finanziert werden dürfe. Die Vertreter_innen der Universität erweckten den Eindruck, dass sie gar nicht oder nur kaum für eine bessere finanzielle Situation der Nachhaltigkeitsbemühungen sorgen können. Auch praktische Beispiele untermauerten diesen Eindruck: So musste die erste Solaranlage auf den Dächern der TU Berlin durch Spenden finanziert werden, obwohl sie seit ihrer Installation der Universität Geld spart. Allerdings wurde auch kritisch angemerkt, dass häufig zu schnell danach gefragt werde, wie Nachhaltigkeit zu bezahlen sei. Andere Diskutant_innen wiesen denn auch darauf hin, dass es viele Bausteine einer nachhaltigen Universität gäbe, die kaum oder sogar gar kein Geld kosten – z. B. der Austausch der Mitglieder der Universität untereinander. Dem wurde allerdings entgegnet, dass selbst bei solchen scheinbar immateriellen Projekten letztlich die Ressourcenausstattung die Krux sei. Beim Beispiel mit dem inner-universitären Austausch vor allem die zeitlichen Ressourcen.

Viel diskutiert wurde auch das Best-Practice-Beispiel der Projektwerkstätten, welche bereits seit gut 30 Jahren an der TU Berlin existiert und ein innovatives, weil Studierenden-zentriertes Lernformat darstellt. Ungefähr ein Drittel der Teilnehmenden der perspektive n hat bereits an einer Projektwerkstatt teilgenommen. Aber insgesamt findet nur etwa 1 % der Lehre in Projektwerkstätten statt. Dabei müsse dieses partizipative Lehrformat eigentlich die Regel und nicht die Ausnahme sein. Doch auch in dieser Diskussion ging es letztlich um die Frage der Finanzierung. Denn derzeit werden die Projektwerkstätten von unterbezahlten studentischen Tutor_innen geleitet, die zudem nicht entsprechend pädagogisch vorbereitet werden. Auch aufgrund solcher Bezahlungs- und Arbeitsbedingungen streiken an der TU Berlin momentan die studentischen Angestellten.

Die perspektive n an der TU Berlin zeigte aber nicht allein Konfliktlinien auf. Einig schienen sich alle Teilnehmenden darin zu sein, dass die Studierenden als Multiplikator_innen für Nachhaltigkeit die Hochschule verlassen sollten. Auch der Präsident und die Vorsitzende des Nachhaltigkeitsrats, Frau Dr. Wendorf, betrachten sich selbst als Nachhaltigkeits-Multiplikator_innen. Dies macht Hoffnung, dass bei der nächsten perspektive n an der TU Berlin nicht nur noch mehr Teilnehmer_innen dabei sein werden, sondern dass es noch mehr Beispiele des Gelingens an der TU Berlin geben wird.

Den Bericht des Nachhaltigkeitsrats der TU Berlin findet Ihr hier.

Diskutant_innen:

Prof. Dr. Christian Thomsen, Präsident der Technischen Universität Berlin

Dr. Gabriele Wendorf, Vorsitzende des Nachhaltigkeitsrates der TU Berlin

Prof. Dr. Felix Ziegler, Institut für Energietechnik an der TU Berlin

Marie Kleeschulte und Jens Rottkewitz, studentische Mitglieder im Nachhaltigkeitsrat der TU Berlin

Johannes Geibel, stellv. Vorstandsvorsitzender des netzwerk n e.V. und Mitglied der Nationalen Plattform Bildung für nachhaltige Entwicklung 

Moderation:

Michael Flohr, Vorstandsmitglied des netzwerk n e.V.

Zwischen finanziellen Nöten und dem Wille zur nachhaltigen Entwicklung

Am 18. Mai fuhren gleich vier netzwerk n-Engagierte bei strahlendem Sonnenschein und fast sommerlicher Urlaubsstimmung an die Ostseeküste. Die bereits dritte perspektive n  des Sommersemesters führte uns an die Universität Greifswald. Dr. Tiemo Timmermann, der Nachhaltigkeitsbeauftragte der Universität, war mit einer kleinen engagierten Studi-Gruppe auf unserer konferenz n³  im vergangenen Dezember in Berlin zu Gast und begeisterte sich dafür, unsere Veranstaltungsreihe in die Vortragsreihe „Nachhaltigkeit interdisziplinär. Ein Blick voraus“ aufzunehmen, um Impulse für mehr Nachhaltigkeit an seiner Hochschule und einen engeren statusgruppenübergreifenden Dialog zu setzen.

Der Titel „Den Horizont im Blick – Ist unsere Universität zukunftsfähig?“ bot reichlich zur Transformation passende Assoziationen: zur Ferne, zum sehnsuchts- und hoffnungsbeladenen Weitblick auf das Meer, zum unbändigen Veränderungswillen und zur unerschöpflichen Entdeckerfreude; einige dieser Motive, die zum Suchprozess der nachhaltigen Entwicklung gehören, verarbeitete auch der in Greifswald geborene und wirkende Romantiker Caspar David Friedrich in seinen melancholisch-sinnierenden Stimmungsbildern. Eine weitere Inspirationsquelle für den Gedanken der Nachhaltigkeit liefern die großen Waldgebiete, die die Uni seit ihrer Gründung 1456 besitzt und unterhält; denn schließlich begründete der Oberberghauptmann Hans Carl von Carlowitz mit seinem 1713 erschienen Buch Sylvicultura Oeconomica die Idee der Nachhaltigkeit anhand des nachhaltenden Haushaltens in der Forstwirtschaft.

In der Diskussion ergaben sich zwei Schwerpunkte: zum einen der Betrieb, was bereits die Besetzung des Podiums erahnen ließ, und zum anderen Strukturen bzw. die Nachhaltigkeits-Governance. Im Leitbild der Hochschule ist seit einigen Jahren das Ziel der CO2-Neutralität verankert – ein Ziel, dass gegenwärtig nicht die größte Priorität genießt und (noch) nicht mit einem Zeitpunkt zur Zielerreichung verbunden ist. Dies ist der schwierigen finanziellen Lage und dem Alltagsgeschäft geschuldet, denen sich die Nachhaltigkeitsambitionen im Moment unterordnen müssen. Die Bemühungen zur Implementierung eines Umweltmanagementsystems nach EMAS scheiterten beispielsweise vor wenigen Jahren, weil eine Stelle nur befristet vorgesehen war. Da jedem Scheitern ein Anfang innewohnt, plant Tiemo Timmermann über ein derzeit im Aufbau befindliches Energiemanagementsystem einen neuen Anlauf für ein systematisches Umweltmanagementsystem – hoffentlich mit engagierter Unterstützung der Uni-Leitung. Claas Cordes, Kanzler der HTW Berlin und ehemals der Hochschule für Nachhaltige Entwicklung Eberswalde (HNEE), berichtete enthusiastisch von der inspirierenden und motivierenden Kraft, die ein solcher Prozess für die Organisation Hochschule entfalten kann: „Die Einführung eines Nachhaltigkeits- oder Umweltmanagements an Hochschulen birgt den größten Impact an ungeahnten Stellen. Insofern sollten Hochschulen offen sein für Überraschungen.“ Insbesondere wiesen Cordes und Johannes Geibel auf das hilfreiche Zusammenspiel zwischen Studierenden, wissenschaftlich Beschäftigten und Verwaltung hin – sei es im Betrieb, in der Lehre, in der Forschung oder in der Governance. Johannes ermunterte die Handelnden der Universität Greifswald zudem, verstärkt Möglichkeiten zu schaffen, damit sich Studierende aktiv in den Nachhaltigkeitsprozess einbringen können. „Räume schaffen“ heißt hier das Zauberwort – physisch, zeitlich und finanziell. Denn wenn es der Hochschule gelänge, den Nachhaltigkeitsinteressierten und Veränderungsbegeisterten Räume für Engagement zu geben und dieses dadurch zu wertschätzen, könnte die Universität Greifswald viel weiter sein.

Die Diskutant_innen:

  • Claas Cordes, Kanzler HTW Berlin und ehemals HNE Eberswalde
  • Joachim Müller, HIS-Institut für Hochschulentwicklung
  • Wolfgang Flieger, Kanzler Universität Greifswald
  • Dr. Volker Beckmann, Lehrstuhl für Allgemeine VWL und Landschaftsökonomie
  • Xenia Valero-Schönhöft, ehemalige AStA-Co-Referentin für Umweltpolitik und Nachhaltigkeit
  • Johannes Geibel, netzwerk n e.V., Nationale Plattform Weltaktionsprogramm BNE

Moderation:

  • Michael Flohr, Vorstand netzwerk n e.V., Universität Erfurt, Fachforum Non-formales und informelles Lernen/Jugend im Weltaktionsprogramm BNE

Nachhaltigkeitsverständnis der Diskutant_innen:

Joachim Müller:

„Verantwortung und Gerechtigkeit.“

Prof. Dr. Volker Beckmann:

„Ich verstehe Nachhaltigkeit primär im klassischen ressourcenökonomischen Sinne als die Art und Weise  Ressourcen so zu bewirtschaften, dass deren wertbringende Nutzung möglichst dauerhalft aufrechterhalten werden kann. Die Erhaltung der natürlichen Lebensgrundlagen ist dabei fundamental. Praktisch bedeutet Nachhaltigkeit für mich (1) den Horizont zu erweitern, sowohl zeitlich als auch sachlich, um Handlungsfolgen besser abschätzen zu können, (2) Verantwortung für die direkten und indirekten Auswirkungen des Handels zu übernehmen und (3) Ziele zu definieren sowie Strukturen und Maßnahmen zu implementieren, damit Handlungen zum Erhalt der Ressourcen insbesondere zum Erhalt der natürlichen Lebensgrundlagen beitragen können.“

Xenia Valero-Schönhöft

„Nachhaltigkeit bedeutet für mich, das Leben in seiner Gesamtheit so zu gestalten, dass langfristig sowie kontinuierlich gleich gute oder sogar bessere Umweltbedingungen und Lebensstandards gesichert werden können.“

Länder kommen und gehen, Universitäten bleiben

Am 10. Mai fand auf dem Campus Stadtmitte der Universität Stuttgart die Podiumsdiskussion „Zukunftsfähig?!“ statt. Veranstaltet wurde diese gemeinsam mit der Hochschulgruppe Greening Stuttgart und den Stuttgarter Change Labs, die sich beide im Bereich der Nachhaltigkeit engagieren. Eingebettet in die Debattenreihe perspektive n ging es um den aktuellen Stand und die Entwicklungsmöglichkeiten der Universität Stuttgart in Sachen nachhaltiger Entwicklung. Dabei standen insbesondere Fragen der Governance und der Stärkung des studentischen Engagements im Vordergrund.

Das Hauptanliegen der perspektive n ist es, an der Hochschule vor Ort alle Anspruchsgruppen zusammenzubringen, den Status quo bezüglich der Nachhaltigkeit transparent zu machen   und neue Impulse für nachhaltige Entwicklung an der eigenen Hochschule zu setzen. So war das Podium besetzt mit Herrn Dr. Waldbauer, Leiter des Rektoratsbüro der Universität, sowie Herrn Prof. Dr. Resch, Direktor des Höchstleistungsrechenzentrum (HLRS). Ebenfalls auf dem Podium waren Frau Dr. Christmann, Referentin des Ministeriums für Wissenschaft, Forschung und Kunst Baden-Württemberg und Herrn Dr. Meisch, Nachhaltigkeitswissenschaftler und Mitglied im Beirat für Nachhaltige Entwicklung der Universität Tübingen. Taalke Wolf vertrat als Studentin die Hochschulgruppe Greening Stuttgart.

Direkt zum Einstieg nannte Anna Christmann die Wissenschaft als Motor für Veränderung. Nachhaltigkeit kann mit dem Verzicht auf der einen und der Innovation auf der anderen Seite einhergehen. Die Hochschulen zu stärken und engagierte Studierende dabei zu unterstützen sollte dabei ein wichtiger Beitrag der Universität sein. Denn an der Universität Stuttgart ist noch Luft nach oben: die Frage nach dem Status quo in Sachen nachhaltige Entwicklung beantwortete das Publikum je zur Hälfte mit „die Uni steht noch ganz am Anfang“ und „Das Potenzial ist vorhanden“. Michael Waldbauer sieht das Thema der Nachhaltigkeit bereits im Leitbild der Universität enthalten.  Das müsse nur noch mehr belebt und die Initiativen, die es bereits gibt, sichtbar gemacht werden.

Wie viel Ausdauer aber nötig ist, um Projekte durchzubringen und zu erhalten, kann die Studentin Taalke Wolf aus eigener Erfahrung berichten. Vor allem am Finden richtiger Ansprechpersonen und dem Zurechtfinden in den universitären Strukturen können Projekte der Studierenden scheitern. Mit offen kommunizierten Ansprechpersonen und damit einhergehenden Kooperationen kann das auch anders sein: So konnten zu Beispiel der MitMachGarten sowie die Schlüsselqualifikations-Modul „Studierende für Studierende“ erfolgreich umgesetzt werden. Denn genau solche Unterstützung braucht es, bestätigt Simon Meisch von der Universität Tübingen. Das Rektorat der Universität Tübingen war von Beginn an positiv gegenüber Initiativen, berichtete er. Studierende seien starke Träger dieser Themen, aber man sollte ihnen die Umsetzung nicht alleine überlassen, auch da Nachhaltigkeit ein langfristiges Denken und Handeln impliziert und die Studienzeit im Bachelor-/ Masterprogramm recht begrenzt ist.

Mit der Möglichkeit des Publikums als Podiumsteilnehmern und einer lebhaften und aufschlussreichen Diskussionsrunde, brachte Michael Resch das Thema gegen Ende auf den Punkt: „Länder kommen und gehen, Universitäten bleiben. Universitäten müssen daher nachhaltig sein.“

Zum Schluss wurden gleich die nächsten Schritte vereinbart. Michael Resch möchte möglichst schnell die EMAS-Zertifizierung des Höchstleistungsrechenzentrums zu einem Erfolg führen, Greening Stuttgart eine Freifläche für den MitMachGarten zu Verfügung stellen und nachhaltige Entwicklung als Kriterium in die eigenen Ausschreibungen integrieren. Michael Waldbauer will den Austausch mit den Change Labs und Greening Stuttgart intensivieren und die Sichtbarkeit des Themas Nachhaltigkeit erhöhen. Fazit: die Türen stehen weit offen in Stuttgart. Schreitet hindurch, wir unterstützen Euch dabei gerne!

Wir wünschen Greening Stuttgart, den Stuttgarter Change Labs und allen Engagierten viel Erfolg und freuen uns auf den weiteren Austausch!

Den Bericht der Stuttgarter Change Labs findet Ihr hier.

Diskutant_innen:

  • Dr. Michael Waldbauer: Leiter Rektoratsbüro Universität Stuttgart
  • Prof. Dr. Michael Resch: Direktor Höchstleistungsrechenzentrum Stuttgart (HLRS) Universität Stuttgart
  • Dr. Anna Christmann: Referentin Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst Baden- Württemberg
  • Dr. Simon Meisch: Nachhaltigkeitswissenschaftler und Mitglied im Beirat für Nachhaltige Entwicklung Universität Tübingen
  • Taalke Wolf: Mitglied der Hochschulgruppe Greening Stuttgart

Moderation:

Johannes Geibel, Stellv. Vorstandsvorsitzender netzwerk n e.V. und Mitglied der Nationalen Plattform Bildung für nachhaltige Entwicklung

Nachhaltigkeitsverständnis der Diskutant_innen:

Michael Waldbauer:

„Meine Töchter (4 und 7) zu unterstützen, kreative und neugierige sowie reflektierte und verantwortlich handelnde Persönlichkeiten zu sein und dabei auch im Erwachsenenalter immer etwas Kind zu bleiben.“

Michael Resch:

„Nachhaltigkeit entsteht, wenn logisches Denken und verantwortliches Handeln aufeinandertreffen. Man könnte aber auch sagen: Nachhaltigkeit ist, wenn menschliche Gier sich auf die Frage konzentriert wie man sie auch in Zukunft noch befriedigen kann.“

Anna Christmann:

„Der 2012 vom Ministerium eingesetzte Expertenrat definiert Nachhaltige Entwicklung so, dass wir unsere Bedürfnisse in der Gegenwart befriedigen, ohne künftigen Generationen schlechtere Voraussetzungen zu hinterlassen.  Um dieses Ziel zu erreichen, sind alle Bereiche der Gesellschaft gefragt – die Wissenschaft ebenso wie die Wirtschaft und die Zivilgesellschaft. Wissenschaft steht dabei insbesondere dafür, dass wir dieses Ziel durch technische und soziale Innovationen erreichen wollen.“ 

Simon Meisch:

„Für mich ist Nachhaltige Entwicklung ein gerechtigkeitsbasiertes Konzept. Es ist die Möglichkeit aller Menschen ein gutes, gelingendes Leben führen zu können. Die natürlichen und sozialen Grundlagen für diese Möglichkeit sind zu schützen und auszubauen.“ 

Taalke Wolf:

Nachhaltigkeit ist für mich die Art und Weise zu handeln, leben, konsumieren und agieren, die es anderen Personen ermöglicht, auch in der Zukunft die gleichen Möglichkeiten, Chancen und Ressourcen zu ergreifen, die uns heute zur Verfügung stehen.“

Eine private Universität mit großem Potential

Am 12. April begann die Sommersemester-Tour der perspektive n an der Zeppelin Universität (ZU) in Friedrichshafen: die erste von insgesamt acht Stationen. Während EEE den meisten Hochschulen das Semester gerade erst beginnt, beschloss unsere Veranstaltung die Vorlesungs- und Seminarzeit in Friedrichshafen. Die ZU ist eine private Stiftungsuniversität mit ca. 1.250 Studierenden, engem Betreuungsverhältnis, durchgängig auf vier Jahre ausgedehnten Bachelorstudiengängen und ambitionierter Mission, deren Worte akademische Freiheit, Selbstreflexion, Problem- und Lösungsorientierung an den Herausforderungen des 21. Jahrhunderts, Handlungswissen und Interdisziplinarität versprühen. Die malerische Lage am Ufer des Bodensees inmitten einer blühenden und sprießenden Natur und die architektonisch und ästhetisch ansprechenden Gebäude komplettierten ein vielversprechendes Bild einer Hochschule, die sich auf den Weg gemacht hat in Richtung nachhaltige Entwicklung – oder regiert doch (nur) der Schein?

Gleich zwei Präsidiumsmitglieder stellten sich der Debatte: Vizepräsident Prof. Dr Helmut Willke – Inhaber des Lehrstuhls für Global Governance – und Kanzler Matthias Schmolz – langjährig in leitender Stellung beim SPIEGEL. Ein überaus positives Signal, jedoch kristallisierte sich heraus, dass Helmut Willke zwar ein Nachhaltigkeitsverständnis der globalen Perspektive und der intergenerationellen Gerechtigkeit vertritt, aber nachhaltige Entwicklung als Leitbild der Universität ablehnt, da man eine Priorisierung nicht vorgeben könne und jedem Einzelnen überlassen solle. Matthias Schmolz auf der anderen Seite orientiert sein Verwaltungs- und Betriebshandeln an der Wirtschaftlichkeit, d.h. Nachhaltigkeit spielt für ihn größtenteils erst eine Rolle, wenn es sich betriebswirtschaftlich rechnet. Diese beiden Positionen offenbarten einen wahrlichen Konflikt, der bei der übergroßen Mehrheit der Studierenden und Doktorand_innen im Raum Unbehagen und Widerspruch auslöste. Dass dieser Konflikt transparent gemacht und debattiert wurde, kann als Erfolg des Abends gewertet werden. Neben den beiden Präsidiumsmitgliedern bereicherte Dr. Thomas Pfister, Leiter der Nachwuchsforschergruppe Energy Cultures und nach eigener Aussage einer der wenigen Nachhaltigkeitsforscher der Universität, das „Podium“. Er weist darauf hin, dass die ZU eine gemeinnützige Einrichtung ist, womit automatisch der Anspruch verbunden ist, in die Gesellschaft und in die Region zu wirken; Nachhaltigkeit sollte daher ein wichtiges Thema sein. Überdies problematisiert er, dass Nachhaltigkeit im Mainstream angekommen ist und niemand dagegen ist, aber nur eine Minderheit bereit ist, sich mit den unangenehmen und schwierigen Konflikten der Umsetzung zu beschäftigen.

Wie der Stand der nachhaltigen Entwicklung an der ZU beurteilt wird, zeigte zum einen das einheitliche Bild einer Farbkarten-Abstimmung unter den Anwesenden: Nahezu allen wählten die Option „Das Potential ist auf jeden Fall vorhanden“ – ein Hinweis auf die erfolgsversprechenden Rahmenbedingungen, aber die bislang mangelnde Umsetzung. Zum anderen bestätigte auch eine kleine Umfrage der Studierendeninitiative Rework dieses Bild, ergänzt um die Botschaft, dass mehrheitlich der Wunsch besteht, dass die Uni sich viel aktiver im Bereich Nachhaltigkeit aufstellen soll. Ein Student ermutigte die Präsidiumsmitglieder, Nachhaltigkeit als profilbildend für die Uni zu positionieren, da dies ein zunehmend wichtigeres Entscheidungskriterium für junge Menschen bei der Auswahl eines Studienortes sei. Die Beiträge der Anwesenden verdeutlichten insgesamt, dass das studentische Engagement eine große Stärke der Uni ist, allerdings zwei Pole um Aufmerksamkeit ringen: eine kleine Gruppe möchte die Uni vor dem Leitbild der nachhaltigen Entwicklung transformieren, eine deutlich größere Gruppe konzentriert sich auf Employability und Karriereorientierung.

Weitere inhaltliche Schwerpunkte der Diskussion waren betriebliche Aspekte, die Lehre und die Strukturbildung. In der Mensa gibt es bereits ein regionales Angebot, allerdings sei Bio zu teuer, so Matthias Schmolz. Er äußerte sich dagegen offen zum einen für ein Umweltmanagementsystem nach EMAS, das ihm zuvor noch nicht bekannt war, und zum anderen für eine Regelung, die den Müll an To-Go-Bechern reduziert – Rework machte bereits vor einigen Wochen mit einer Kunstaktion darauf aufmerksam; auch im Forum unserer plattform n wurde dieses Thema letztes Jahr breit diskutiert. In der Lehre stieß die Umsetzung einer allgemeinen Schlüsselqualifikation mit dezidiertem Nachhaltigkeitsbezug oder eines Studium Oecologicum (siehe unsere Best-Practice-Sammlung) bei Helmut Willke – wegen des oben genannten Konflikts der Priorisierung – auf Ablehnung. Im Bereich der Governance sprachen wir über das Green-Office-Modell, dass seit wenigen Monaten von Rework angegangen wird. Die Prozesse laufen und alle interessierten Personen werden derzeit zusammengebracht. Wir hoffen, dass sich dieses Nachhaltigkeitsbüro als Anlaufpunkt für Themen der nachhaltigen Entwicklung und als Austauschplattform recht bald umsetzen lässt.

Einen riesen Dank an die studentische Hochschulgruppe Rework, die binnen eines Monats die Veranstaltung kurzfristig auf die Beine gestellt hat. Die perspektive n machte mal wieder deutlich, wie wichtig statusgruppenübergreifende Kommunikation ist – Matthias Schmolz hatte beispielsweise zuvor noch nichts von den Wünschen der Studierenden bezüglich einer nachhaltigen Entwicklung vernommen. Letztlich war es ein gelungener Abend, der Konflikte transparent gemacht hat und Impulse für weitere Gespräche gelegt hat.

Wir wünschen Rework und allen Engagierten viel Erfolg und freuen uns auf den weiteren Austausch!

Diskutanten:

  • Prof. Dr. Helmut Willke: Vizepräsident Forschung der Zeppelin Universität, Lehrstuhl für Global Governance
  • Matthias Schmolz: Kanzler der Zeppelin Universität
  • Dr. Thomas Pfister: Leiter Nachwuchsforschergruppe Energy Cultures
  • Johannes Geibel, Vorstand netzwerk n e.V., Nationale Plattform Weltaktionsprogramm BNE, Gründungsmitglied Greening the University Tübingen

Moderation:

  • Michael Flohr, Vorstand netzwerk n e.V., Universität Erfurt, Fachforum Non-formales und informelles Lernen/Jugend im Weltaktionsprogramm BNE

Nachhaltigkeitsverständnis der Diskutanten:

Matthias Schmolz:

Der Begriff der Nachhaltigkeit zielt auf ein langfristiges, dynamisches ökologisches Gleichgewicht. Dazu leistet die Verwaltung der ZU in vielen Bereichen im Rahmen des wirtschaftlich Begründbaren einen Beitrag.“

Helmut Wilke:

Nachhaltigkeit heißt, Ökonomie und Ökologie innerhalb des politischen Rahmens der Demokratie so in Balance zu halten, dass zukünftige Generationen nicht schlechter gestellt sind als wir. Kritische Ressource dazu ist weder eine naive Kapitalismuskritik noch eine idealistische Öko-Ideologie, sondern ein vertieftes Verständnis der Stärken und Schwächen demokratischer Entscheidungsverfahren.

Thomas Pfister:

Was genau ‘nachhaltig’ ist, ist immer zu einem großen Teil ungewiss, ambivalent und umstritten. Nachhaltige Entwicklung ist daher ein fortdauernder Suchprozess in dem Forschung und Universitäten eine wichtige Vermittlerrolle zukommt.

Nachhaltigkeit: Eine Frage der Perspektive?!

perspektive n bringt Nachhaltigkeitsakteure der h_da ins Gespräch

Am 29. und 30. September waren wir in Darmstadt im Schader-Forum zu Gast. Das 2. Symposium des Masterstudiengangs Risk Assessment and Sustainability Management (RASUM) bot uns einen inspirierenden Rahmen, um über die nachhaltige Entwicklung der Hochschule Darmstadt (h_da) zu diskutieren. Studierende stellten am Nachmittag zwei Praxisprojekte vor, die uns einmal wieder das Spannungsfeld der Nachhaltigkeitsdebatte verdeutlichten: Sollte ein Studiengang, der die Nachhaltigkeit im Namen trägt, auf Projekte mit Air Berlin, dessen Geschäftsmodell per se so wenig mit nachhaltiger Entwicklung zu tun hat wie Wirtschaftswachstum mit gesellschaftlichem Gemeinwohl und individueller Zufriedenheit, verzichten? Wir meinen: Ja! Auch wenn alleinig der projektbedingte innerdeutsche Hin- und Rückflug von Frankfurt nach Berlin innerhalb eines Tages ein hervorragender Aufhänger ist, um mit den Studierenden und Lehrenden über Zielkonflikte in der Nachhaltigkeit zu reflektieren. Das zweite Projekt verzauberte uns dagegen: Das preisgekrönte Unternehmen VAUDE bemüht sich, an möglichst allen Stellschrauben zu drehen, um Nachhaltigkeit in der gesamten Produktions- und Distributionszyklus voranzubringen. Studierende nehmen sich gerade vor, den Transport vom Produktions- zum Verkaufsort nachhaltiger zu gestalten.

Am 29. und 30. September waren wir in Darmstadt im Schader-Forum zu Gast. Das 2. Symposium des Masterstudiengangs Risk Assessment and Sustainability Management (RASUM) bot uns einen inspirierenden Rahmen, um über die nachhaltige Entwicklung der Hochschule Darmstadt (h_da) zu diskutieren. Studierende stellten am Nachmittag zwei Praxisprojekte vor, die uns einmal wieder das Spannungsfeld der Nachhaltigkeitsdebatte verdeutlichten: Sollte ein Studiengang, der die Nachhaltigkeit im Namen trägt, auf Projekte mit Air Berlin, dessen Geschäftsmodell per se so wenig mit nachhaltiger Entwicklung zu tun hat wie Wirtschaftswachstum mit gesellschaftlichem Gemeinwohl und individueller Zufriedenheit, verzichten? Wir meinen: Ja! Auch wenn alleinig der projektbedingte innerdeutsche Hin- und Rückflug von Frankfurt nach Berlin innerhalb eines Tages ein hervorragender Aufhänger ist, um mit den Studierenden und Lehrenden über Zielkonflikte in der Nachhaltigkeit zu reflektieren. Das zweite Projekt verzauberte uns dagegen: Das preisgekrönte Unternehmen VAUDE bemüht sich, an möglichst allen Stellschrauben zu drehen, um Nachhaltigkeit in der gesamten Produktions- und Distributionszyklus voranzubringen. Studierende nehmen sich gerade vor, den Transport vom Produktions- zum Verkaufsort nachhaltiger zu gestalten.

Wo gibt es Potentiale an der h_da? Eine übergreifende Nachhaltigkeits-Governance, ein Agenda-setzendes klares Commitment des Präsidiums und des Senats, eine perspektivische finanzielle Ausstattung von I:NE und ein wahrliches Umweltmanagementsystem wie EMAS. Auch das studentische Engagement ist ausbaufähig, jedoch sollte der schwarze Peter nicht den Studierenden zugeschoben werden; die curricularen Rahmenbedingungen an einer Fachhochschule mit nahezu ganztägigen Lehrveranstaltungen sind nur ein Grund, warum studentischem Engagement der Freiraum fehlt.

Gleichwohl konnte perspektive n große Impulse in die Runde tragen. Der Hochschulpräsident signalisierte wie auch viele Professor_innen, Mitarbeiter_innen und Studierenden Offenheit, Kommunikationsbereitschaft und Veränderungswillen. Allerdings wird das Handeln erst über die Bedeutung der Worte Auskunft geben. Großen Applaus und großes Interesse erntete beispielsweise das Green-Office-Modell, das in nächster Zeit über einen Kurs angegangen werden soll. Wir freuen uns auf weitere Veranstaltungen, sammeln fleißig Erkenntnisse über Hürden und Hindernisse für Nachhaltigkeit an Hochschulen und basteln weiterhin am Format perspektive n und unserer Methodik.

Diskutant_innen:

  • Prof. Dr. Ralph Stengler, Präsident Hochschule Darmstadt
  • Prof. Dr. Klaus Ahrend, Honorarprofessor Hochschule Darmstadt, Vorstandsmitglied HEAG Holding AG
  • Dr. Silke Kleihauer, wissenschaftliche Mitarbeiterin Hochschule Darmstadt, Mitgründerin I:NE
  • Christine Hermann, Studentin Hochschule Darmstadt, studentisches Mitglied im I:NE Sprecherteam
  • Johannes Geibel, Vorstand netzwerk n e.V., Nationale Plattform Weltaktionsprogramm BNE, Gründungsmitglied Greening the University Tübingen

Moderation: 

  • Michael Flohr, Vorstand netzwerk n e.V., Universität Erfurt, Fachforum Non-formales und informelles Lernen/Jugend im Weltaktionsprogramm BNE

„Ist die Hochschule Nordhausen zukunftsfähig?“

Eine Hochschule der offenen Türen, aber Potential in den Strukturen

Unsere Debattenreihe perspektive n ging mit dem Titel „Ist die Hochschule Nordhausen zukunftsfähig?“ in die zweieinhalbte Runde. Nach Erfurt und der Kooperationsveranstaltung in Chemnitz fanden sich Johannes und Michael in einer zukunftsgewandten Hochschule in der nördlichen Peripherie Thüringens wieder. Mit dem Regionalzug reisten wir durch grüne Landschaften. In Nordhausen studieren ca. 2.200 Menschen auf einem grünen, hügeligen Campus, auf dem in einem Wagen die Bienen schwirren, die die üppige Natur zum blühen bringen. Der Beschluss wurde bereits gefasst, dass bald Hühner den Campus freilaufend besiedeln; auch die mähenden Schafe sind in nächster Zeit möglich. Daneben bietet die Hochschule mit ihren technischen Studiengängen auch ein Solaranlagen-Testfeld; soziale Studiengänge wie z.B. soziale Arbeit und Heilpädagogik komplettieren das Angebot.

Unsere Diskussion kam dank des großartigen Engagements der Hochschulinitiative Go Fair Nordhausen zustande, die eine ganze Woche der Nachhaltigkeit mit 2 bis 3 Veranstaltungen pro Tag organisierte – Wahnsinn! Vorab: Wichtige Akteure der Hochschule setzen sich für Nachhaltigkeit ein, eine große Offenheit war während der Diskussion zu spüren. So nahmen Prof. Dr. Jörg Wagner, Präsident, und Prof. Dr.-Ing. Viktor Wesselak, Vizepräsident und ehemaliger Vorsitzender sowie aktuelles Mitglied des Thüringer Nachhaltigkeitsbeirats, von Seiten der Hochschulleitung und Hannes Haller, Doktorand und Mitglied von Go Fair, mit seiner studentisch-promovierenden Perspektive teil. Zudem hatten wir es mit einem anfangs zurückhaltenden und sogar verschüchterten Publikum zu tun, das aber nach kurzer Zeit aktiv und vehement an der Diskussion teilnahm.
Was geht bereits an der Hochschule? Die Hochschule hat in ihrem Leitbild die ökologische, soziale und ökonomische Dimension der Nachhaltigkeit verankert. Darauf lässt sich aufbauen. Zudem haben einige Studiengänge einen expliziten inhaltlichen Nachhaltigkeitsbezug. Auch in der Forschung in Recycling, regenerativen Energien und Cradle-to-Cradle hat die Hochschule einiges vorzuweisen. Der Campus wurde bereits energetisch untersucht und bald soll ein Blockheizkraftwerk mit hohem Wirkungsgrad gebaut werden. Auch wird die Mensa als „progressiv“ eingeschätzt. Die Hochschulleitung lebt einen dezentralen Ansatz, d.h. sie versucht zu motivieren, studentisches Engagement zu fördern und praktiziert eine Kultur der offenen Türen. In keinem Fall möchte sie top-down verbindliche Vorgaben den Fakultäten vorsetzen. Aber wie wir in Erfurt gelernt haben, sollte und muss die Leitung Nachhaltigkeit auf die Agenda setzen und die Diskussionen immer wieder dahin lenken, damit sich etwas verändert – alleinig bottom-up ist die Transformation der Hochschule nicht zu erreichen. Die zu spürende Offenheit muss zudem besser an die Studis kommuniziert werden, wie sich herausstellte, denn es gilt, Vorurteile und den Respekt vor Machtpositionen abzubauen, damit die Gesprächsbereitschaft auch von jungen Studierenden wahrgenommen und eingefordert wird.

Welche Impulse für die weitere Veränderung der Hochschule wurden eingebracht? Hannes sprach sich deutlich für mehr Anreize seitens der Hochschulleitung aus, damit die Fakultäten und einzelne Profs die Lehre und Forschung in Richtung Nachhaltigkeit verändern. Auch zeigte sich, dass die Wirtschaftswissenschaften überall in Deutschland, aber auch in Nordhausen noch arg zu verbessern sind, was Lehrinhalte und die Forschung angeht. Denn Pluralität in den Methoden und Theorien wird erst möglich sein, wenn auch Gelder genau dafür bereitgestellt werden und andere Ansätze den nachwachsenden BWLern und VWLern mit auf den Weg gegeben werden. Da könnte sich Nordhausen modellhaft positionieren, die Rahmenbedingungen wären gegeben. Weiterhin wurde immer wieder gefordert, ein fächerübergreifendes Angebot für Schlüsselqualifikationen wie z.B. Studium Oecologicum (Tübingen, Dresden …), ASQ (Halle) oder Studium Fundamentale Nachhaltigkeit (Erfurt) einzuführen. Ebenfalls denkbar wären Kreativwerkstätten (analog zu den Projektwerkstätten der TU Berlin), damit forschendes Lernen und Lehren die Studis zu mehr Gestaltungskompetenz befähigt und sie in den inter- und transdiziplinären Austausch bringt. Bisher gibt es nur eine übergreifende Struktur für Sprachkurse; dies wäre ein möglicher Ansatzpunkt, dort die Struktur zu erweitern. Gefordert wurden Kreativwerkstätten oder übergreifende Angebote auch, damit sich die technischen und eher sozialen Studiengänge mehr begegnen und austauschen auf dem Campus – da könnte die Hochschule mehr Räume der Begegnung schaffen und Austausch fördern. Wie sich weiter herausstellte, könnten oder sollten auch an dieser kleinen Hochschule Strukturen und klare Verantwortlichkeiten geschaffen werden. Ein Nachhaltigkeitsrat besteht, aber er tagte lange nicht mehr. D.h. ein fester Nachhaltigkeitsbeauftragter in der Leitung und zudem in den Fakultäten wäre wünschenswert oder auch ein Green Office. Johannes brachte überdies die EMAS-Zertifizierung ins Spiel, die z.B. in Kiel mit wenig Aufwand eine große Ressourceneinsparung und damit verbundene Geldeinsparungen mit sich brachte. Die Hochschule Nordhausen hat mit der energetischen Betrachtung des Campus vorgelegt. Warum diese nicht in eine EMAS-Zertifizierung und ganzheitliche Betrachtung der Campus münden lassen? Letztlich hätte Nordhausen das Potential, Nachhaltigkeit als Alleinstellungsmerkmal unter den Thüringer Hochschulen zu entwickeln. Der Koalitionsvertrag der rot-rot-grünen Landesregierung sieht die Förderung von Nachhaltigkeit in Forschung und Lehre vor, zudem wird derzeit das Hochschulgesetz novelliert, wo Vorschläge dankend aufgenommen werden.

Insgesamt ein sonniger, schöner Nachmittag in Nordhausen. Wir haben den grünen Campus mit einem sehr guten Gefühl verlassen. Einen herzlichen Dank an Go Fair Nordhausen für die Organisation und den StuRa und die Heinrich-Böll-Stiftung Thüringen für die Kooperation und finanzielle Unterstützung. Wir freuen uns auf ein Wiedersehen und weitere perspektive-n-Veranstaltungen in ganz Deutschland.

Diskutanten:

  • Prof. Dr. Jörg Wagner, Präsident der HS Nordhausen
  • Prof. Dr. –Ing. V. Wesselak, Vizepräsident für Forschung der HS Nordhausen
  • Hannes Haller, Doktorand FH Nordhausen, GoFair Nordhausen
  • Johannes Geibel, Vorstand netzwerk n e.V., Nationale Plattform Weltaktionsprogramm BNE, Gründungsmitglied Greening the University Tübingen

Moderation: 

  • Michael Flohr, Vorstand netzwerk n e.V., Universität Erfurt, Fachforum Non-formales und informelles Lernen/Jugend im Weltaktionsprogramm BNE

„Die Universität Erfurt als zukunftsfähige Institution?!“

Neue Veranstaltungsreihe perspektive n feierte am 12. Mai in Erfurt Premiere

Das netzwerk n hat von der diesjährigen konferenz n reichlich Schwung, Motivation und Ideen mitgenommen. Eine weitere Frucht ist die neue Veranstaltungsreihe perspektive n, die Michael und Johannes konzipiert haben und mit Unterstützung einiger Engagierter der AG Nachhaltigkeit erstmals an der Uni Erfurt durchführen konnten – in Kooperation mit der AG Nachhaltigkeit, der Heinrich-Böll-Stiftung Thüringen und mit freundlichster finanzieller Unterstützung des Studierendenrates. Worum geht’s? Wir möchten präsenter und bekannter in den Hochschulen werden und weitere Nachhaltigkeitsprozesse anstoßen. Natürlich stehen wir bereits mit dem Wandercoaching in engem Kontakt zu vielen Nachhaltigkeitsinitiativen und konnten strukturelle Veränderungen anregen, aber nun soll es darum gehen, möglichst alle Anspruchsgruppen und Entscheider in einer öffentlichen Veranstaltung ins Gespräch zu bringen und kommunikative Hürden abzubauen.

Als Diskutanten konnten wir in Erfurt Prof. Dr. Walter Bauer-Wabnegg, den Präsidenten der Uni, Prof. Dr. Alexander Thumfart, einen langjährigen Vordenker und Initiator von nachhaltiger Entwicklung an der Uni, Prof. Dr. Thomas Potthast, als uns gut vertrauter Gast von der Uni Tübingen und Sprecher des dortigen Internationalen Zentrums für Ethik in den Wissenschaften, sowie unseren herzallerliebsten und hartnäckig nachhakenden Johannes Geibel gewinnen. Moderiert wurde die Runde von Michael Flohr, unserem geschätzten und charmant witzigen Doktorand aus Erfurt. Das Publikum komplettierte den Kreis, denn dieser Austausch soll stets im Mittelpunkt stehen. Methodisch handelt es sich daher um einen Mix aus kurzen Impulsen und dem Fishbowl-Format. Nach der Veranstaltung fand ein kleiner Umtrunk zum persönlichen Kennenlernen und vernetzen statt.

Was bleibt hängen? Auch an der Uni Erfurt passiert bereits einiges und eine kleine Gruppe Studis engagiert sich mit großem Einsatz für nachhaltigkeitsbezogene Projekte an ihrer Uni. Was aber fehlt, ist eine kontinuierliche Anprache der Uni-Leitung und weiterer Anspruchsgruppen. Ideen gibt es reichlich und einige konnten auch Johannes und Thomas Potthast einbringen, aber eine gewisse Beharrlichkeit ist förderlich, um nach und nach Verbündete an der Uni ausfindig zu machen und strukturelle Veränderung anzustoßen. Der Präsident Walter Bauer-Wabnegg zeigte sich überaus offen für eine nachhaltigere Uni und befürwortete prinzipiell viele Ideen und Vorschläge, jedoch wies er beständig auf die vielen Fallstricke hin, wo ihm als Uni-Leiter die Hände durch andere Institutionen oder Gesetze gebunden sind. Zudem verfolgt er konsequent einen bottom-up Ansatz, d.h. Initiativen müssen von unten wachsen, was durchaus sympathisch ist, allerdings kam die Forderung immer wieder auf: Die Uni-Leitung muss auch top-down die Agenda setzen, sei es nur rhetorisch oder durch eine kommunizierte Entschlossenheit, damit bottom-up mehr Impulse entstehen. Zudem sollten die Hürden, warum Ideen oder Verbesserungen gescheitert sind, allen Anspruchsgruppen der Uni transparent gemacht werden und gemeinsam lösungsorientiert gearbeitet werden. Vieles kann passieren, das zeigen die reichlichen positiven Beispiele. Wenn die Transformation der Hochschule positiv, mit Freude und Spaß angegangen wird, dann können auch Hürden überwunden werden oder kleine Umwege zum Ziel führen.

Wie geht’s weiter? Die Erfurter Veranstaltung sollte nur der Beginn einer langen Reise sein, an deren Ende wir an möglichst vielen Hochschulen Impulse und konkrete Vereinbarungen zur nachhaltigkeitsorientierten Transformation hinterlassen möchten. Die nächste Veranstaltung ist bereits für den 22. Juni in Nordhausen angesetzt, weitere Hochschulinitiativen sind bereits mit uns in Kontakt und interessiert. Meldet euch bei Interesse gern bei Michael.

Diskutanten: 

  • Prof. Dr. Walter Bauer-Wabnegg, Präsident Universität Erfurt
  • Prof. Dr. Thomas Potthast , Universität Tübingen, Sprecher Internationales Zentrum für Ethik in den Wissenschaften
  • Johannes Geibel, Vorstand netzwerk n e.V., Nationale Plattform Weltaktionsprogramm BNE, Gründungsmitglied Greening the University Tübingen
  • Prof. Dr. Alexander Thumfart, Staatswissenschaftliche Fakultät, InnoNet BNE
  • …das Publikum

Moderation: 

  • Michael Flohr, Vorstand netzwerk n e.V., Universität Erfurt, Fachforum Non-formales und informelles Lernen/Jugend im Weltaktionsprogramm BNE

Kontakt

Wäre diese Reihe auch etwas für eure Hochschule? Wenn ja, dann meldet euch bei Michael. Wir stellen eine allgemeine und stetig aktualisierte Organisationsliste bereit und unterstützen die Organisation. Um den Aufwand weiter zu reduzieren, sind alle Dokumente der bisherigen Veranstaltungen in einem für alle Organisator_innen zugänglichen Projekt („n | perspektive n“) auf der plattform n abgelegt.

Mail: Michael Flohr

Telefon: +49 (0)30 5770 44717

Adresse:
netzwerk n e.V., c/o Thinkfarm,
Aufgang C, 3. OG
Oranienstr. 183
10999 Berlin

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