perspektive n Die Zukunft der Universität – Hohenheim geht voran!“ am 11. Januar 2018

Nachhaltigkeit ist keine Frage von Interesse, sondern eine Notwendigkeit

Am 11. Januar fand im Balkonsaal des Hohenheimer Schlosses die Podiumsdiskussion „Die Zukunft der Universität – Hohenheim geht voran!“ statt. Organisiert wurde sie von der studentischen Gruppe Greening Hohenheim, die sich für mehr Nachhaltigkeit und den Umweltschutz auf dem Campus einsetzt.

Im Rahmen der bundesweiten Debattenreihe perspektive n sollten die verschiedenen Statusgruppen der Universität Hohenheim zusammengebracht werden, um gemeinsam mit den Anwesenden über den aktuellen Stand der Nachhaltigkeit in Lehre und Betrieb zu diskutieren und dabei neue Impulse für eine nachhaltigere Entwicklung zu setzen. Im Mittelpunkt standen insbesondere die Fragen: Welche Rolle spielt Nachhaltigkeit auf dem Campus und in der Lehre? Und welche Chancen, Hürden und konkreten Pläne gibt es diesbezüglich?

Im Podium fanden sich Frau Dr. Katrin Scheffer, Kanzlerin der Universität Hohenheim, Frau Prof. Dr. Iris Lewandowski, Prorektorin für Lehre, Frau Prof. Dr. Claudia Bieling, Leiterin des Lehrstuhls für Gesellschaftliche Transformation und Landwirtschaft sowie Johannes Geibel, Vorstandsmitglied im netzwerk n und Mitglied in der Nationalen Plattform Bildung für nachhaltige Entwicklung. Die Studierenden wurden von Theresia Kübler, Mitglied des AKÖ, vertreten. Die Moderation übernahm Michael Flohr, Vorstandsmitglied im netzwerk n, unterstützt von Maren Reitemeier von Greening Hohenheim.

Nachhaltigkeit als Thema der Lehre stellte den ersten Schwerpunkt der Veranstaltung dar. Während Prorektorin Lewandowski diesbezüglich „im Großen und Ganzen zufrieden“ ist, geht es einigen Studierenden noch nicht weit genug. Eine Studentin meint: „Nachhaltigkeit ist keine Frage von Interesse, sondern die einzige Chance für das Überleben der Menschheit!“ Nachhaltigkeit müsse daher verpflichtend auf den Lehrplan gesetzt werden. Eine weitere Studentin ergänzt: „Momentan kann man im Studium um das Thema Nachhaltigkeit noch gut herumkommen.“

Eine Möglichkeit, Nachhaltigkeit besser in den Studienplänen zu verankern, könnte das fakultätsübergreifende Angebot „Studium Oecologicum“ sein, bei dem verschiedene Wissenschaftler_innen aus unterschiedlichen Fachgebieten Seminare geben, Vorlesungen halten und Diskussionen anregen sollen. Daraus jedoch ein umfassendes Lehrprogramm im überfachlichen Wahlpflichtbereich zu entwickeln, kostet allerdings viel Zeit und Mühe. Daher benötige man zusätzlich zum studentischen Engagement die Unterstützung der Universität. Claudia Bieling gefällt das Projekt; sie wäre bereit, sich als Dozentin zur Verfügung zu stellen. Prorektorin Lewandowski ist sich hingegen nicht sicher, ob es in Hohenheim einen Bedarf für solch ein Projekt gibt, und möchte sich zunächst noch näher mit dem Konzept auseinandersetzen.

 

Ein weiterer Schwerpunkt des Abends lag auf dem Universitätsalltag. Dabei zeigte eine Meinungsabfrage mit Farbkarten, dass im Hinblick auf einen nachhaltigen Betrieb noch einiges an Verbesserungsbedarf besteht. So wurden unter anderem eine konsequentere Mülltrennung, Energiesparmaßnahmen, mehr regionales, saisonales und vegetarisches Essen in der Mensa und die Minimierung von Wegwerfbechern gefordert. Es wurde deutlich, dass es viele gute Ideen gibt, die unklaren Zuständigkeiten und komplexen universitären Strukturen das Engagement jedoch erheblich erschweren können und zudem demotivierend wirken.

Kanzlerin Scheffer gestand zwar die Wichtigkeit des Themas Nachhaltigkeit an Universitäten ein und gab zu, dass es auch Dinge in Hohenheim gibt, die nicht gut sind; betonte jedoch mehrmals, dass die Landeshaushaltsordnung die Uni zum sparsamen Wirtschaften zwinge und Ökologie und Ökonomie daher in Einklang gebracht werden müssten. Johannes Geibel brachte seine Erfahrungen im Hinblick auf studentische Nachhaltigkeitsprojekte in ganz Deutschland ein und verdeutlichte, dass Nachhaltigkeit auch in größeren Maßstäben umsetzbar sei und dabei nicht nur physische Ressourcen, sondern auch Finanzmittel eingespart werden können. Das bestätigte Kanzlerin Scheffer und verwies auf ein Energiespar-Contracting, mit dem die Uni unter anderem neue Kühlanlagen und Warmwasseraufbereitungsanlagen vorfinanziert habe und dadurch nun bei der Strom- und Gasabrechnung wieder Geld einspare. Einer Wiederaufnahme der EMAS-Zertifizierung erteilte sie allerdings eine klare Absage. Stattdessen wolle man sich in den kommenden Jahren den Themen Energiemanagement und Mobilität annehmen. Kanzlerin Scheffer fühlt sich dem Thema der nachhaltigen Entwicklung insgesamt sehr verbunden und verwies auf eine Weiterbildung zu nachhaltiger Entwicklung, die von der Hochschulrektorenkonferenz allen Hochschul-Kanzlern in Deutschland Ende Januar angeboten wird und die sie selbst auch wahrnehmen wird.

Zum Abschluss der Diskussion konnten die Diskutant_innen und die Anwesenden ihre Pläne und Wünsche äußern. Ein Mitarbeiter wünschte sich, dass sich mehr Beschäftigte an den Projekten beteiligen, damit das Projekt Nachhaltigkeit im Universitätsalltag kein Traum bleibt. Viel Anklang fand zudem die Idee von Theresia Kübler, an der Uni ein „Nachhaltigkeits-Gremium“ zu etablieren, dass regelmäßig alle Statusgruppen zusammenbringt und dabei konkrete Projekte anstößt.

Im Anschluss konnten dieser und weitere Gedanken bei nachhaltigen Snacks und Getränken vertieft und die nächsten möglichen Schritte, beispielsweise zur besseren Vernetzung der grünen Hochschulgruppen in Hohenheim, besprochen werden.

Fazit: Insgesamt wurde während der Diskussion deutlich, dass es vielversprechende Ansätze und positive Beispiele zum Thema Nachhaltigkeit sowohl von Universitätsangehörigen als auch der Universitätsleitung gibt, die strukturelle Verankerung und konkrete Umsetzung bislang allerdings nicht an erster Stelle stehen. Wir sind nun auf die künftigen (nachhaltigen) Entwicklungen in Hohenheim gespannt.


Gastbeitrag von Julia Zanon von Greening Hohenheim


Auch der Online-Kurier der Universität Hohenheim berichtete über die perspektive n. Hier gehts zum Artikel.

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