© Nicolai Herzog

Vierte konferenz n in Berlin vom 9. bis 10. Dezember zum Thema Transfer

Wie kommt der Wandel in die Welt? #kn⁴ 

Große Erwartungen lagen in der sowieso schon spannungsgeladenen Luft, als Carmen Nik Nafs von der Cusanus Hochschule das Podium betrat, um die Keynote der diesjährigen konferenz n – Hochschule weiter denken zu halten. Zu diesen Erwartungen hatte nicht nur der Titel der Konferenz selber beigetragen („Wie kommt der Wandel in die Welt? Transferstrategien für nachhaltige Hochschul- und Gesellschaftsentwicklung“), sondern auch Carmens Titel für die Keynote „Wandel. Im Angesicht des Anderen“. Alles ließ also darauf hoffen, hier und heute endlich die Antwort zu bekommen, wie wir vom derzeitigen Zustand (Klimawandel, Schwinden der Biodiversität, Zunahme ökonomischer und sozialer Ungleichheit etc.) zu einer ‚besseren Welt‘ kommen.
Doch Carmen tat, was gute Philosoph_innen vermutlich immer tun sollten – sie stellte erst einmal Fragen: Welchen Wandel meinen wir eigentlich? Wer ist dieses ‚wir‘? Und warum sollten wir eigentlich bestimmen dürfen, wie dieser Wandel aussieht? Sie schuf damit eine von Reflexivität geprägte Atmosphäre, die dazu beitrug, dass diese Konferenz nicht lediglich das Bestehende feierte, sondern dieses auch hinterfragte und den Raum für viele neue Ideen und Sichtweisen sowie für viele neue Fragen öffnete.

Die mit der Keynote eingeläuteten zwei Konferenztage waren gefüllt mit drei Workshop-Phasen, einem Markt der Möglichkeiten, einem Projekt- und Ideen-Café sowie einer abschließenden Fishbowl-Diskussion. Außerdem bot SUSTAIN IT! – Initiative für Klimaschutz und Nachhaltigkeit der FU Berlin, die als Kooperationspartnerin des netzwerk n auf vielfältigste Art und Weise die diesjährige konferenz n mitgestaltete, am Samstag einen Campus-Rundgang an. Und das Nachhaltigkeitsbüro der HU Berlin (Kooperationspartnerin der konferenz n³ im Dezember 2016) sorgte mit einem T-Shirt-Druck-Stand dafür, dass auch die Kunst und die Kreativität aller Teilnehmenden nicht zu kurz kam.

Insgesamt nahmen an dem Parcours verschiedener Formate 110 Nachhaltigkeitsinteressierte aus Hochschule und Zivilgesellschaft teil. Die Inhalte der einzelnen Workshops, Gesprächsrunden und Vorstellungen waren mal sehr stark auf das Konferenz-Thema fokussiert, mal nur indirekt damit verbunden, aber immer auf die Arbeit an einer nachhaltigen Hochschullandschaft ausgerichtet. Denn die Ausgestaltung von Transfer – so stellte sich im Verlauf der Konferenz heraus – ist immer themen – und akteursspezifisch. Dennoch ließen sich auch allgemeinere Daumenregeln für Transfer festhalten: Kommunikation auf Augenhöhe, direkter Austausch bei Beachtung der Interessen und Bedürfnisse des jeweils Anderen sowie die Offenheit auf beiden Seiten, den Transfer nicht als Einbahnstraße, sondern gegenseitigen Lernprozess zu sehen. Und gerade hier sind Studierende in der privilegierten Position, noch nicht so stark in festen Strukturen eingebunden zu sein, wie vielleicht ein_e Professor_in oder ein kommunales Unternehmen, welches als Praxispartner mit der Hochschule kooperiert.

Nimmt man zum Transfer noch Nachhaltigkeit hinzu ergibt sich … na logisch: Nachhaltigkeitstransfer. Allerdings darf hier nicht vergessen werden, dass Nachhaltigkeit nicht lediglich als Thema gedacht, sondern wiederum auch auf die Form des Transfers angewandt werden kann. Es stellt sich dann bspw. die Frage, wie verhindert wird, dass der Transfer nach wenigen Monaten im Sande verläuft. Es kann aber auch um die Frage gehen, wie ökologisch und sozial verträglich die Prozesse, die Inputs und die (vorläufigen) Ergebnisse der Transferprozesse sind. Hochschulen bieten für Studierende deutlich mehr Mitgestaltungs-Spielraum als bspw. Schulen für die in ihr Lernenden oder auch so mancher Arbeitsplatz für die Arbeitnehmer_innen. Somit sind Studierende, die ihre Hochschule verändern wollen, in einer gar nicht so schlechten Position. Viele Workshops und Stände beim Markt der Möglichkeiten konnten darüberhinaus zeigen, dass es auch für studentische Nachhaltigkeitsinitiativen durchaus möglich ist, Nachhaltigkeitstransfer in Lehrveranstaltungen, Forschungsprojekten, betrieblichen Abläufen der Hochschule oder ihrer Governance-Dimension einzubringen. Hochschulen bieten also einen guten Ansatzpunkt. Und dennoch hat die Konferenz hoffentlich nicht zuletzt auch das Interesse an Kooperationen mit außerhochschulischen Partner_innen geweckt.

Wir sind gespannt, was die Initiativen bei der nächsten Konferenz zu berichten haben und möchten uns hiermit noch einmal ganz herzlich bei unserer Kooperationspartnerin SUSTAIN IT! sowie allen Mitgestalter_innen und Teilnehmenden der diesjährigen konferenz n bedanken!

Euer Projektteam 

Hinweis zur Dokumentation: Auf der plattform n finden alle Interessierte unter diesem Link die Workshopdokumentation in Form von (Foto-)Protokollen. Die Fotos der konferenz n können gerne genutzt werden, unter der Angabe von © netzwerk n, Nicolai Herzog“

3 Kommentare

Danke Euch für den Bericht!! Ich wär da ja gern dabei gewesen. Vlt passt es zur nächsten ‚konferenz n‘.
.. und gleich noch ein/ig/e Idee/n:
.. Außer Student/innen sind auch noch andere Menschen dieser Gesellschaft zeitlich privilegiert; z.B. sogenannte „Arbeitslose“ oder Migrant/innen die noch keine Arbeitserlaubnis haben,.. sogar einige fitte Rentner/innen / EU-Rentner/innen,..
… Hier könnte einiges Potenzial gehoben und (nachhaltig oder wenigstens für eine Übergangs-Zeit) mit dem Thema ‚Nachhaltigkeit‘ und konkreten (den SDG’s entsprechender/en) ‚Alltags-Kultur‘ (Praktiken), Lebens-Ausrichtung, Lernformen,.. begeistert werden.
… Um die sog. „Arbeitslosen“ zu erreichen, könnten gemeinnützige Bildungsträger, die bisher diese Menschen nur dazu quengeln, sich in den bestehenden Arbeitsmarkt zu integrieren, entsprechend geschult werden, um die sog. „Arbeitslosen“ auf den zukünftigen Arbeitsmarkt zu orientieren, zukunftsfähige Betriebsformen zu bilden, auf zukunftsfähige Produkte und deren Herstellung (z.B. vegane Fleisch-Ersatz-Produkte) und zukunftsfähige Dienstleistungen zu orientieren…
… Um Migrant/inn/en zu erreichen, könnten gemeinnützige Willkommens-Initiativen , entsprechend geschult werden, um die Neu-Ankömmlinge auf den zukünftigen Arbeitsmarkt zu orientieren, zukunftsfähige Betriebsformen zu bilden, auf zukunftsfähige Produkte und deren Herstellung (z.B. vegane Fleisch-Ersatz-Produkte) und zukunftsfähige Dienstleistungen zu orientieren…
… Bei den EU-Rentnern und fitten Rentnern weis ich keine verbindenden Akteure. Da wäre also noch Forschungs-Bedarf, verbindende Akteure zu finden.
.. Ich wünsche Uns gutes Gelingen und (auch für ‚unsere‘ Enkel) eine baldige erlebenswerte Zukunft!!
Liebe Grüße an alle Mitwirkenden!! ♡
Roy Rempt

..oder spätestens zum Vernetzungstreffen vom 22. bis 24. Juni 2018 🙂

Vielen Dank für euren Bericht. Ich freue mich auf die nächste konferenz n!

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