Ein Gastbeitrag von Eva Kern

HOCH N Praxis-Forschung-Session an der Leuphana Universität: Sind wir nicht auch irgendwie forschende Lernende?

An zwei halben Tagen, 23. und 24. November 2017, fand an der Leuphana Universität in Lüneburg ein Workshop im Rahmen des Projektes HOCH N, Motto: „Nachhaltigkeit zwischen Freiheit und Struktur – Ein Workshop zu Forschung und Governance an deutschen Hochschulen“. Prof. Sascha Spoun, Präsident der Leuphana, begrüßte alle Anwesenden – Mitglieder des Vorhabens HOCH N, Gäste sowie zahlreiche Studierende der Umweltwissenschaften – und setzte das Motto der Veranstaltung mit der Entstehung der Leuphana und des neuen Zentralgebäudes in Verbindung.

Anschließend ging es inhaltlich weiter: Um eine gemeinsame Basis zu schaffen, stellten Vertreter_innen der LMU München den aktuellen Stand ihres Arbeitspapiers „Nachhaltigkeitsverständnis des Verbundprojekts HOCH N“ vor. Das Papier dient als Mittel zur Kommunikation und basiert auf den vorhandenen Leitlinien der teilnehmenden Hochschulen. Sie betonen, dass jede HS soll auch weiterhin ein eigenes Verständnis von Nachhaltigkeit entwickeln sollte. Als Wandercoaches kamen uns die genannten Bereiche – Forschung, Lehre, Betrieb, Governance, Transfer – vertraut vor. Sie wurden zunächst in Murmelgruppen, dann in großer Runde diskutiert. Dabei wurde angemerkt, dass „Studierende“ nicht im Papier auftauchen. Warum? Studierende sind wichtig für alle Bereiche und werden daher nicht extra auffasst. Prof. Vogt, LMU, kommentierte das mit „Was wäre Lehre ohne Studierende?“ – persönlich würde ich so weit gehen die Frage zu stellen „Was wäre Uni ohne Studierende?“

Etwas praktischer ging es mit dem Bericht über das LeNa-Projekt („Leitfaden Nachhaltigkeitsmanagement in außer- universitären Forschungsorganisationen“): Was heißt Nachhaltigkeit umsetzen für eine Forschungsinstitution? Wie kann Nachhaltigkeit in Forschungsprozesse eingebracht werden? Im Rahmen von LeNa wurde dafür ein Reflexionsrahmen entwickelt, der dazu auffordert, sich über die im Rahmen genannten Kriterien Gedanken zu machen, sie in Institute und Projekte zu integrieren.

Das Motto „zwischen Freiheit und Struktur“ etwas umgedeutet in „zwischen Theorie und Praxis“ werfen die Wissenschaftler_innen anschließend einen Blick auf Nachhaltigkeitsforschung aus Sicht der Ethik: Prof. Potthast, Uni Tübingen, erinnert daran, dass schon immer Forschung und deren Freiheit schon immer eingebettet war (GG§1-4 vor GG§5(3) und 5(2)), was bei Forschung für Nachhaltige Entwicklung kritisiert wird, fasst der LeNa-Reflexionsrahmen als Ethos der Wissenschaft auf und fordert dazu auf „Forschung in gesellschaftlicher Verantwortung“ als ethisch-politischen Imperativ zu sehen. Auch die anschließende Fish Bowl konzentriert sich in erster Linie auf Begriffsdiskussionen. Leider recht nebensächlich wird von einer „Bottom up Mobilisierung“, unter der auch Empowerment von Studierenden, wie im netzwerk n gelebt wird, zu sehen ist und einer „gelebten Praxis“ um Nachhaltigkeitsthemen ins Alltagsleben zu integrieren, gesprochen.

Praktischer wird es als Judith und Stephanie, Promovierende an der Leuphana, ihre Arbeit vorstellen: Sie analysieren die Nachhaltigkeitsforschung mit Hilfe einer Good Practice Studie und einer Mapping Studie. Während des HOCH N Workshops präsentieren sie erste Ergebnisse eines Literatur Reviews, das auf eine Verortung des Themas im internationalen, englischsprachigen, Diskurs abzielt (Was gibt es? Wie wird Nachhaltigkeit beschrieben und umgesetzt?). Zu den drei meistgenannten Begriffen in den analysierten wissenschaftlichen Artikeln gehört auch „Students“ 😊

Zum Abschluss des ersten halben Tages nehmen wir an einem Pre-Test einer geplanten Online-Studie zur Nachhaltigkeitsforschung aus Sicht der Forschenden teil und unterstützen damit sozusagen aktiv die aktuelle Forschung! Am nächsten Tag zeigt die Auswertung: die Teilnehmenden des Workshops decken mit ihren Aktivitäten alle 17 Sustainable Development Goals ab.

Tag 2 setzt den Fokus auf Governance: Wie wird Nachhaltigkeit institutionalisiert und welche Faktoren spielen dabei eine Rolle? Zur Beantwortung der Frage wurden im Rahmen von HOCH N Dimensionen, die für Gestaltung von Nachhaltigkeitsprozessen an Hochschulen bedeutend sind, identifiziert: Politik, Profession, Organisation, Wissen und Öffentlichkeit. Dabei stellte Dr. Sebastian Niedlich, FU Berlin, die These auf, dass über Bottom up Prozesse eine höhere Verbindlichkeit hergestellt werden kann, als über den Top Down Ansatz.

Die Handlungsfelder wurden dann in entsprechenden Arbeitsgruppen an verschiedenen Stellwänden diskutiert. Ziel war es herauszufinden, welche Erfahrungen die Teilnehmenden gemacht haben: Wo sehen sie Regler für den Nachhaltigkeitsbereich? Was hat dazu beigetragen Veränderungen anzustoßen? Gut, dass es zum Abschluss der Veranstaltung auch noch einen etwas aktiveren und austauschfreudigeren Teil gab! Auch wenn der Fokus auf Nachhaltigkeitsforschung lag, hatten wir, u.a. gemeinsam mit Vertreterinnen des Nachhaltigkeitsbüros der Uni Magdeburg, Gelegenheit studentische Aktivitäten an der ein oder anderen Stelle einzubringen – Sind wir nicht auch irgendwie forschende Lernende?

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