Die perspektive n in Hildesheim: Neugier, Offenheit, Veränderungsbereitschaft und zahlreiche Commitments

Kaffeesatz lesen oder Zukunft gestalten? Nachhaltige Hochschulentwicklung braucht das Engagement eines jeden Einzelnen

„Der beste Weg, die Zukunft vorauszusagen, ist, sie zu gestalten. Und das haben wir heute vor. Mit Ihnen, mit euch gemeinsam.“ So lautete der Einstieg in unsere Diskussionsrunde am 01. November an der Universität Hildesheim. Unter dem Motto „hochschulklima.wandeln – perspektive (n) für die Universität Hildesheim“ wurde rund zwei Stunden mit ungefähr 70 Interessierten verschiedener Statusgruppen über die aktuelle und zukünftige Verankerung einer nachhaltigen Entwicklung an unserer Universität diskutiert: Wo steht unsere Universität? Und welche Zukunftsperspektive benötigt sie, damit sie ein zukunftsfähiger Forschungs- und Studienstandort bleibt?

Die Universität Hildesheim gehört mit ihren rund 8.200 Studierenden, rund 700 Beschäftigten und 49 angebotenen Studiengängen zu den kleineren Universitäten in Deutschland. Durchaus historisch bedingt sind vor allem das Lehramtsstudium und die Kulturwissenschaften profilbildend. Mit dem Übergang in eine Stiftungsuniversität im Jahr 2003 hat sie im Vergleich zu vielen Hochschulen in Deutschland einen entscheidenden Vorteil: Die Stiftung ist Eigentümerin der Liegenschaften.

Viele kleine Ansätze im Bereich nachhaltiger Hochschulentwicklung bestehen bereits – von wiederbefüllbaren Kaffeebechern, dem Zertifikat Nachhaltigkeit und Bildung bis hin zur Smart Library. Die an das Fishbowl-Format angelehnte Diskussion bot die Möglichkeit, die Vielzahl der bereits engagierten Akteure zusammenzubringen und in einen konstruktiven Diskurs einzusteigen. Dabei wurde vor allem eines deutlich: „Nachhaltige Entwicklung ist ein Prozess und bedarf des Engagements eines jeden Einzelnen“, so Karina Schell, Koordinatorin des Green Office an der Universität Hildesheim.

Auf dem Podium saßen neben Prof. Dr. Wolfgang-Uwe Friedrich, langjähriger Präsident der Stiftung Universität Hildesheim und seit 2015 Vorsitzender der Landeshochschulkonferenz, auch Christine Stecker vom Projekt HOCH-N des Kompetenzzentrums nachhaltige Universität an der Uni Hamburg. Zusammen mit Johannes Geibel vom netzwerk n berichtete sie von der aktuellen Entwicklung auf Bundesebene. Mit der UN-Dekade Bildung für eine nachhaltige Entwicklung (2005-2014) und dem Weltaktionsprogramm Bildung für nachhaltige Entwicklung (2015-2019) haben sich die Mitgliedsländer der Vereinten Nationen dazu verpflichtet, die Prinzipien der Nachhaltigkeit in ihren Bildungssystemen zu verankern. In der Pflicht sind entsprechend auch die Universitäten. Im vom Bundesministerium für Bildung und Forschung geförderten Verbundprojekt HOCH-N werden unter anderem Leitfäden für Hochschulen entwickelt und ein Netzwerk geschaffen.

Unser Universitätspräsident zeigte sich beeindruckt. „Ich finde Ihr Projekt toll“ sagte er direkt nach der Kurzvorstellung von HOCH-N durch die Projektkoordinatorin Christine Stecker und begrüßte einen zukünftigen Beitritt unserer Universität. Durch das Engagement des Green Office und die Umsetzung von Einzelprojekten in den Bereichen Betrieb, Lehre und Forschung gilt die Universität bereits als Partner für eine nachhaltige Hochschullandschaft im Verbundprojekt HOCH-N. Ziel ist es nun, dass die Universität Hildesheim offizielle HOCH-N-Partnerhochschule wird. Zu fokussierende Aufnahmekriterien sind unter anderem ein Bekenntnis zur nachhaltigen Entwicklung der Hochschule, zum Beispiel in Form einer Verankerung im Leitbild, sowie die Einrichtung eines fest verankerten und hochschulweiten Nachhaltigkeits-Gremiums.

© Green Office Hildesheim

Den Einstieg in die Diskussionsrunde boten zwei konkrete Beispiele aus der Praxis: Der runde Tisch zur nachhaltigen Entwicklung an der HNE Eberswalde und die Projektwerkstätten an der Technischen Universität Berlin. So wäre auch ein Beirat in Hildesheim denkbar. „Der runde Tisch und auch der Beirat für nachhaltige Entwicklung der Uni Tübingen sind modellhaft und definitiv Best-Practice-Beispiele“ so Johannes Geibel aus eigener Erfahrung. Der entscheidende Vorteil eines solchen Gremiums ist die direkte Kommunikation. Denn die Verteilung einer relativ kleinen Universität, wie es die Universität Hildesheim ist, auf 4 Hauptstandorte lässt den ein oder anderen Kommunikationsweg lang werden. Die Projektwerkstätten griffen die Themen studentisches Engagement und selbstbestimmtes Lernen auf. Auch an der Universität Hildesheim, ähnlich wie an vielen anderen Hochschulen, engagieren sich nur wenige der Studierenden neben dem Studium. Die Gründe dafür sind vielfältig. Die Projektwerkstätten an der TU Berlin setzen jedoch genau dort an: Das Engagement der Studierenden wird durch die finanzielle und materielle Unterstützung ihres Projekts gefördert.

Das Publikum war während der Veranstaltung eingeladen fleißig mitzudiskutieren. Freie Stühle auf dem Podium, kleinere Murmelrunden und Farbkartenabstimmungen boten Raum für Beteiligung. So nutzten Thomas Hanold vom Dezernat für Bau- und Liegenschaften sowie Dr. Ewald Brahms, Leiter der Universitätsbibliothek, die Möglichkeit, von bereits bestehenden Leuchtturmprojekten, wie der Smart Library, zu berichten. Neben vielen Studierenden, Mitarbeiter_innen und Dozent_innen der Universität waren auch Nachhaltigkeitsbeauftragte der Universitäten Magdeburg und Kassel sowie Vertreter_innen des AStA der Uni Kassel in das Atrium gekommen. Schüler_innen des Goethegymnasiums nutzten die Möglichkeit, einen Einblick in die Universität Hildesheim zu bekommen.

Das Atrium im Neubau bot den offenen Raum, den es für die Diskussion benötigte: Nach mehr als zwei Stunden intensiven Austauschs stand eine konkrete Zukunftsperspektive, die es nun umzusetzen gilt. Mit dem neuen Entwicklungsplan der Universität Hildesheim, MINERVA 2025, wird das Thema nachhaltige Hochschulentwicklung, neben dem Aspekt der Digitalisierung, eines der Leitthemen werden. Konkrete Neuerungen werden direkt mit aufgenommen: von der institutionellen Verankerung über den Ausbau von Forschung und Lehre über die strukturelle Verankerung in Form eines Beirats für nachhaltige Entwicklung bis hin zur Förderung des studentischen Engagements.

„Ich bleibe auch noch länger“, so Universitätspräsident Friedrich zum Ende der wunderbar konstruktiven Diskussionsrunde. Mit seiner Offenheit signalisierte er, wie wichtig ihm das Thema der nachhaltigen Entwicklung persönlich ist. Viele Impulse wurden während der Diskussion gesetzt, die wir nun vom Green Office aufnehmen und weiterverfolgen.

Ein herzlicher Dank geht abschließend an Michael Flohr (netzwerk n e.V.) für die Unterstützung bei der Umsetzung und Moderation sowie an Lisa Korell vom Referat Nachhaltigkeit und Umwelt des AStA der Universität Hildesheim für die tolle Zusammenarbeit und Unterstützung. Wir danken den Podiumsgästen Prof. Dr. Wolfgang-Uwe Friedrich (Präsident SUH), Christine Stecker (HOCH-N) und Johannes Geibel (netzwerk n e.V.) für den konstruktiven Diskurs.


Gastbeitrag von Saskia Dröge, Green Office Hildesheim

Eine Antwort hinterlassen