perspektive n an der TU Berlin

Hey TU, können wir eigentlich Zukunft?

Am 30. Mai 2017 fand im imposanten Lichthof der TU Berlin die perspektive n mit dem Titel „Hey TU, können wir eigentlich Zukunft?“ statt. Zusammen mit dem Nachhaltigkeitsrat der TU Berlin und den Studierenden für nachhaltige Entwicklung brachte das netzwerk n fast 70 Interessierte und Engagierte in einer Fishbowl-Diskussion zusammen. Mitglieder der TU Berlin aus allen Statusgruppen diskutierten darüber, wie es an der eigenen Hochschule um die Nachhaltigkeit bestellt ist. Dies ließ sich auch der Präsident der TU, Prof. Dr. Christian Thomsen, nicht nehmen.

Der Moderator des Abends, unser Vorstandsmitglied Michael Flohr, stellte gleich zu Beginn der Veranstaltung die Frage, ob das Nachhaltigkeits-Leitbild der TU Berlin nur ein Stück Papier sei, oder ob es auch gelebt werde. Präsident Thomsen antwortete, dass seine Hochschule zwar bereits relativ breit aufgestellt sei, gab aber auch zu, dass seine Universität noch nicht in der Vorreiter-Position zu finden sei – zumindest noch nicht. So komme der Begriff Nachhaltigkeit nur in etwa 10 % der Abstracts von Forschungsvorhaben an der TU Berlin vor. In der Lehre sei der Anteil mit ungefähr 5 % noch einmal geringer. Er sehe aber viel Potenzial, das es noch weiter zu entwickeln gelte. Genau um das zu erreichen, sei schließlich auch der Nachhaltigkeitsrat im Jahr 2016 an der TU gegründet worden.

Anschließend kam immer wieder die Frage der Finanzierung dieser Potenzial-Entwicklung auf. Es wurde bspw. darüber diskutiert, ob Nachhaltigkeit an der einen Stelle durch Mittelstreichungen an einer anderen Stelle finanziert werden dürfe. Die Vertreter_innen der Universität erweckten den Eindruck, dass sie gar nicht oder nur kaum für eine bessere finanzielle Situation der Nachhaltigkeitsbemühungen sorgen können. Auch praktische Beispiele untermauerten diesen Eindruck: So musste die erste Solaranlage auf den Dächern der TU Berlin durch Spenden finanziert werden, obwohl sie seit ihrer Installation der Universität Geld spart. Allerdings wurde auch kritisch angemerkt, dass häufig zu schnell danach gefragt werde, wie Nachhaltigkeit zu bezahlen sei. Andere Diskutant_innen wiesen denn auch darauf hin, dass es viele Bausteine einer nachhaltigen Universität gäbe, die kaum oder sogar gar kein Geld kosten – z. B. der Austausch der Mitglieder der Universität untereinander. Dem wurde allerdings entgegnet, dass selbst bei solchen scheinbar immateriellen Projekten letztlich die Ressourcenausstattung die Krux sei. Beim Beispiel mit dem inner-universitären Austausch vor allem die zeitlichen Ressourcen.

Viel diskutiert wurde auch das Best-Practice-Beispiel der Projektwerkstätten, welche bereits seit gut 30 Jahren an der TU Berlin existiert und ein innovatives, weil Studierenden-zentriertes Lernformat darstellt. Ungefähr ein Drittel der Teilnehmenden der perspektive n hat bereits an einer Projektwerkstatt teilgenommen. Aber insgesamt findet nur etwa 1 % der Lehre in Projektwerkstätten statt. Dabei müsse dieses partizipative Lehrformat eigentlich die Regel und nicht die Ausnahme sein. Doch auch in dieser Diskussion ging es letztlich um die Frage der Finanzierung. Denn derzeit werden die Projektwerkstätten von unterbezahlten studentischen Tutor_innen geleitet, die zudem nicht entsprechend pädagogisch vorbereitet werden. Auch aufgrund solcher Bezahlungs- und Arbeitsbedingungen streiken an der TU Berlin momentan die studentischen Angestellten.

Die perspektive n an der TU Berlin zeigte aber nicht allein Konfliktlinien auf. Einig schienen sich alle Teilnehmenden darin zu sein, dass die Studierenden als Multiplikator_innen für Nachhaltigkeit die Hochschule verlassen sollten. Auch der Präsident und die Vorsitzende des Nachhaltigkeitsrats, Frau Dr. Wendorf, betrachten sich selbst als Nachhaltigkeits-Multiplikator_innen. Dies macht Hoffnung, dass bei der nächsten perspektive n an der TU Berlin nicht nur noch mehr Teilnehmer_innen dabei sein werden, sondern dass es noch mehr Beispiele des Gelingens an der TU Berlin geben wird.

Den Bericht des Nachhaltigkeitsrats der TU Berlin findet Ihr hier.

Diskutant_innen:

Prof. Dr. Christian Thomsen, Präsident der Technischen Universität Berlin

Dr. Gabriele Wendorf, Vorsitzende des Nachhaltigkeitsrates der TU Berlin

Prof. Dr. Felix Ziegler, Institut für Energietechnik an der TU Berlin

Marie Kleeschulte und Jens Rottkewitz, studentische Mitglieder im Nachhaltigkeitsrat der TU Berlin

Johannes Geibel, stellv. Vorstandsvorsitzender des netzwerk n e.V. und Mitglied der Nationalen Plattform Bildung für nachhaltige Entwicklung 

Moderation:

Michael Flohr, Vorstandsmitglied des netzwerk n e.V.

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