konferenz  n³ – Hochschule weiter denken in Berlin

Hochschulen nachhaltig gedacht, gemacht und gestaltet

Vor genau einer Woche ging die dritte konferenz n zu Ende und damit drei sehr schöne, spannende und inspirierende Tage. Unter der Leitfrage „Welches Potenzial besitzen die SDGs für die nachhaltige Gestaltung der Hochschulen?“ diskutierten wir und tauschten uns aus über die Rolle studentischen Engagements für die Transformation von Hochschulen sowie zu Beispielen des Gelingens aus den Handlungsfeldern Lehre, Forschung, Betrieb und Governance. Über 120 Teilnehmer_innen aus ganz Deutschland folgten dem Aufruf ‚Hochschule weiter denken!’ nach Berlin zu kommen.

Der Startschuss des ersten Konferenztages fiel mit einer Keynote zum Thema Sustainable Development Goals (SDGs) von Claudia Schwegmann, von der Open Knowledge Foundation e. V. und dem Projekt ‚2030 Watch’, und einem Videobeitrag von Sabrina Konzok, die bei ‚Kiron‘, der Online-Universität für Geflüchtete, arbeitet. Voller Ideen und Lust sich auszutauschen, ging es so am Samstag und Sonntag in verschiedenen partizipativen Workshops und Postersessions um die Erfahrungen und Beispiele guter Praxis studentischer Nachhaltigkeitsinitiativen und Projekte. Die so entstandenen Unterhaltungen sowie die Fish-Bowl-Diskussion am Sonntagabend setzten den inhaltlichen Rahmen der ersten zwei Tage. Es wurde deutlich, dass die SDGs von den Teilnehmenden als weiteres Projekt des ‚Globalen Nordens‘ einerseits kritisch beäugt werden, gleichzeitig zeigen sie, dass auch Länder wie Deutschland in Sachen Nachhaltigkeit noch einige Hausaufgaben zu machen haben.

Dass diese Aufgaben insbesondere an den Hochschulen nicht ohne das Engagement der Studierenden bewältigt werden können, war den Teilnehmenden (zum Großteil aus studentischen Initiativen von Hochschulen in ganz Deutschland) klar – sie haben ihre Perspektive und ihr Engagement in den Postersessions und Workshops am Samstag und Sonntag vorgestellt und diskutiert. Denn nicht selten sind es letztlich studentische Initiativen, die Rektoraten und Lehrstühlen die sozial-ökologischen Defizite der eigenen Universität aufzeigen und nachhaltige Alternativen entwickeln. Studentisches Engagement im Jahr 2016 bezieht sich auf alle Bereiche der Hochschule (Betrieb, Lehre, Forschung, Governance): Von der Campusgestaltung, über selbstorganisierte Lehrveranstaltungen (bspw. Umweltringvorlesungen an der TU Dresden) bis hin zu einem studentisch organisierten Nachhaltigkeitsbüro (Nachhaltigkeitsbüro an der HU Berlin). Die „konferenz n – Hochschulen weiter denken“ konnte auf eine Fülle von Geschichten des Gelingens  zurückgreifen und diese weiter verbreiten. Gleichzeitig wurde an vielen Stellen aber auch deutlich, mit welchen strukturellen Herausforderungen engagierte Studierende und ihre Initiativen tagtäglichen konfrontiert sind: Räume und finanzielle Unterstützung für das eigene Engagement müssen gefunden, Zeit und Motivation aufgebracht und Widerständen auf verschiedenen Ebenen aktiv begegnet werden.

Das netzwerk n stellt mit der „konferenz n – Hochschulen weiter denken“  einen Raum für genau diesen Austausch über solche Erfahrungen und für gegenseitige Unterstützung dar. In welcher Form es diesen Raum bietet und was es darüber hinaus ausmacht, konnten die Teilnehmenden am zweiten Konferenztag erfahren. Nach einer kurzen Überblicksrunde wurde vertiefend das Wandercoaching, die plattform n, der Multiplikator_innen-Pool sowie der Entwurf des Positionspapiers ‚Transformative Hochschulen‘ in Workshops bearbeitet. Der Sonntagnachmittag hingegen gehörte den Partnerorganisationen des netzwerk n sowie weiteren Angeboten von Teilnehmenden: Open Spaces und kurze Workshops fanden zu Themen wie Bildungsungerechtigkeit, Studierenden aus dem Globalen Süden oder wie man Menschen für Nachhaltigkeit begeistern kann, statt. Neben den inhaltlichen Angeboten konnten die Teilnehmenden auch buchstäblich „mitgestalten“: Im Do-it-Yourself-Workshop wurden beispielsweise mitgebrachte T-Shirts bedruckt oder auch Adventskalender gebastelt.

Den Abschluss des ersten Teils der konferenz n bildete nach der Fish-Bowl Diskussion das gemeinsame Glühweintrinken, bei dem neben weiterem Austausch über Projekte, Erfolge und Strategien zur nachhaltigen Hochschulentwicklung bestimmt schon neue Projektideen geschmiedet wurden.

Der dritte und letzte Tag der Konferenz, der in Kooperation mit der Heinrich-Böll-Stiftung stattfand, widmete sich ganz dem „Mitmischen“ junger Generationen in der Wissenschaftspolitik. Dabei wurde explizit Raum zum Austausch zwischen den studentischen Initiativen und ihren Vertreter_innen und wissenschaftspolitischen Akteuren  aus Bund und Ländern geboten: Dr. Mandy Singer-Brodowski (Institut Futur, FU Berlin), Anja Schillhaneck (Mitglied des Abgeordnetenhauses Berlin), Svetlana Thaller-Honold (VDI) und Martin Berger (Wissenschaftsministerium Niedersachsen) legten durch ihre Impulse dar, was hinter dem Terminus „Transformative Wissenschaft“ steckt, welche Rolle die Studierenden dabei spielen und was dazu bereits im Bund und in den Ländern unternommen wird. So forderte Anja Schillhaneck unter anderem, dass “Wir die Bologna-Reform reformieren müssen im Sinne einer stärkeren Selbstbestimmung der Studierenden“. Im Anschluss gab es im Rahmen eines World Cafés die Möglichkeit, den vorgestellten Entwurf des Positionspapiers ‚Hochschulen in nachhaltiger Entwicklung‘ ausführlich zu kommentieren und zu erweitern. Dieser war im Vorfeld durch eine Arbeitsgruppe von Vertreter_innen des netzwerk n e.V., weitblick e.V., Was bildet ihr uns ein? e.V. und sneep e.V. erarbeitet und bereits am Sonntag andiskutiert worden. Die Diskussion entlang des Entwurfs bot konkrete Anhaltspunkte für gemeinsame Forderungen und Positionen in den Bereichen Forschung, Lehre, Betrieb und Governance – Baustellen gibt es auf allen Ebenen! Eine Herausforderung, die wir zusammen mit Euch gerne annehmen!

Die dritte „konferenz n – Hochschulen weiter denken“ konnte auf ihre zwei Vorgängerinnen (Oktober 2014 und Januar 2016) aufbauen: Studentisches Nachhaltigkeitsengagement ist kein Nischenthema mehr, es ist in vielen Universitäten angekommen und trägt zu strukturellen Veränderungen bei. Die Studierenden vernetzen sich deutschlandweit miteinander, lernen voneinander und diskutieren ihre Positionen mit Vertreter_innen aus Wissenschaft, Politik und Verwaltung. Sie sind es, die mit ihrer Kreativität und Impulsen die notwendigen Veränderungen einfordern und mit ihren Projekten selbst voranschreiten.

Alle Fotos sowie die visuelle Dokumentation der Workshops, Postersessions und Diskussionsergebnisse findet ihr auf der plattform n im Forum.

Wir möchten uns an dieser Stelle noch einmal ganz herzlich bei allen Mitgestalter_innen und Teilnehmer_innen für das Engagement sowie das kreative und interessierte Mitmachen bedanken und hoffen, Euch alle spätestens auf der nächsten konferenz n wieder zu sehen!

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[…] einen Campus-Rundgang an. Und das Nachhaltigkeitsbüro der HU Berlin (Kooperationspartnerin der konferenz n³ im Dezember 2016) sorgte mit einem T-Shirt-Druck-Stand dafür, dass auch die Kunst und die Kreativität aller […]

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